Friedrich Wilhelm Gräfe beauftragt 1967 in Castrop-Rauxel seinen Freund Heinrich Brenscheidt mit dem Mord an seiner Frau Helene. Der brutale Mord sorgte bundesweit für Schlagzeilen.

Castrop-Rauxel

, 27.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Dass Paare sich nach einer langen Ehe nicht mehr viel zu sagen haben und sich auch nicht mehr sonderlich gut verstehen, kommt häufig vor. Den Ehepartner deshalb umzubringen, daran denken aber wohl die wenigsten. Anders war es bei Berg-Invalide Friedrich Gräfe. Er wollte seine unliebsam gewordene Ehefrau aus dem Weg räumen - und beauftragte dafür seinen Freund Heinrich Brenscheidt.

Am 7. Juli 1967 setzte der den Auftrag, für den er 1500 D-Mark Belohnung bekommen sollte, in die Tat um. Der Fall hatte es ein Jahr später sogar in das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ geschafft und auch Ruhr Nachrichten und WAZ berichteten wochenlang über den Mord auf Bestellung.

Die Affäre mit Stiefmutter Amanda

Ehefrau Helene war im Laufe der 39-jährigen Ehe fast taub und blind und gehbehindert geworden. Das machte dem Ehemann Friedrich Gräfe viel Arbeit und beanspruchte Zeit. Zeit, die er lieber mit seiner Stiefmutter, mit der er eine Affäre hatte und sie Schätzchen nannte, verbringen wollte. Nach dem Tod von Helene wollte er zu ihr ziehen, die Liebe offiziell machen.

„Ich habe meine Frau aus Liebe geheiratet.“
Angeklagter Friedrich Gräfe

Die Voraussetzung für den Mordauftrag: Möglichst quallos sollte Heinrich Brenscheidt Ehefrau Helene umbringen. Es sollte am besten alles nach Selbstmord aussehen. Doch dazu kam es nicht. Er klingelte am Morgen des 7. Juli 1967 an der Haustür ihrer Wohnung an der Ickerner Ruprechtstraße. Als sie dem vermeintlichen Freund öffnete, stand sie ihrem Mörder gegenüber.

Brenscheidt schwang einen schaumstoffgepolsterten Hammer und schlug Helene Gräfe auf den Kopf. Die schrie laut um Hilfe. 20 Mal soll er mit dem Hammer auf sie eingeschlagen haben, bis sie endlich verstummte. Danach war sie zwar blutüberströmt, aber noch immer am Leben.

Vom Selbstmord zum Raubmord

Brenscheidt schlang ihr eine Perlonschnur um den Hals, strangulierte sie und gab ihr somit den Rest - Helene Gräfe starb in ihrem eigenen Haus. Brenscheidt versuchte das Ganze wie einen Raubmord aussehen zu lassen. Dazu stahl er 20 D-Mark aus der Wohnung.

Unterdessen soll Friedrich Gräfe in Ickern Erledigungen gemacht haben. Auf dem Wochenmarkt habe der sonst so wortkarge Rentner mit vielen Menschen gesprochen, um sich ein Alibi zu verschaffen. Doch das nutzt nichts. Die Kriminalpolizei kommt den Freunden schnell auf die Spur.

Der Prozess

Am 15. August 1968 wird am Dortmunder Landgericht der Prozess gegen Heinrich Brenscheidt (damals 61) und Friedrich Gräfe (61) eröffnet, der viele Zuschauer in den Gerichtssaal lockt. Die Anklage lautet auf gemeinschaftlich begangenen Mord - heimtückisch aus Habgier und niederen Beweggründen. Der erfahrene Staatsanwalt Heinz-Reinhold Rebbert sagte zu Prozessbeginn: „Das ist eine besonders scheußliche Angelegenheit.“

71 Seiten umfasste die Anklageschrift. „Ein hartes Stück Arbeit“, nannte das Rebbert. 71 Menschen sollten der Wahrheitsfindung dienen: Landgerichtsdirektor Dr. Kampelmann, zwei Berufsrichter, sechs Geschworene, fünf Sachverständige, zwei Verteidiger und 55 Zeugen - unter ihnen auch Stiefmutter Amanda Gräfe (damals 68) und die drei Kinder von Mittäter Brenscheidt.

Die Angeklagten haben sich nichts mehr zu sagen

Auf der Anklagebank rückten Brenscheidt und Gräfe weit voneinander weg. „Keiner mag mit dem anderen mehr zu schaffen haben“, hieß es in unserer Zeitung. Die beiden hatten sich vor langer Zeit im Hundeverein kennengelernt. „Ich habe meine Frau aus Liebe geheiratet“, sagte Gräfe. Sie sei diejenige gewesen, die ihn mit anderen Männern betrogen und ihn abgewiesen habe.

Dabei offenbarte er noch ein weiteres dunkles Kapitel: Weil seine Frau ihn nicht mehr wollte, habe er sich seiner eigenen Tochter und seiner Stiefmutter zuwenden müssen. Töten lassen habe er seine Frau deswegen aber nicht wollen, sondern ihr nur einen Denkzettel verpassen.

„Meine Frau hat mir in den letzten Jahren einfach zu sehr zugesetzt.“
Der Angeklagte Friedrich Gräfe

Gräfe zeigt sich zu Prozessbeginn als trauernden Witwer, sagt „Lenchen“, wenn er von seiner toten Frau Helene spricht. Aber schon am zweiten Prozesstag knickt er ein, gesteht den Auftragsmord. „Meine Frau hat mir in den letzten Jahren einfach zu sehr zugesetzt“, sagte er. „Ich konnte nicht mehr.“ Er gibt sich als Opfer. Leid tut ihm vor allem er selbst.

Während der Verhandlung werden Gerüchte laut, Helene habe von den Mordplänen ihres Mannes etwas geahnt. Als Brenscheidt auf sie einschlug, soll sie immer wieder gerufen haben: „Gräfe, du Lump.“ Außerdem habe sie ihrer Tante einen Brief mitgegeben, den die der Polizei aushändigen sollte, falls Helene tot aufgefunden werde.

„Gräfe, du Lump.“
Das Opfer bei der Ermordung

Über das Tatmotiv von Brenscheidt konnte nur spekuliert werden. Mit der Anzahlung von 500 D-Mark habe Brenscheidt zunächst die Schulden beim Stromanbieter beglichen. Seine finanzielle Situation sei aber nicht so schlimm gewesen, wie zunächst angenommen. Er sprach immer wieder davon, Gräfe habe ihn zu der Tat gedrängt.

Das Plädoyer hatte es dann noch mal in sich: eindreiviertel Stunde dauerte es. Heinz-Reinold Rebbert forderte darin lebenslanges Zuchthaus für beide Angeklagten. Gutachter bescheinigten beiden volle Schuldfähigkeit. Die Angeklagten nahmen das Urteil unterschiedlich hin: „Gräfe mit unbewegtem Gesicht, in dem nicht mal ein Muskel zuckte, Brenscheidt mit unterdrücktem Schluchzen“, hieß es in der Berichterstattung.

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