Der wahre Gründervater von Castrop-Rauxel

William Thomas Mulvany

Knüppelharte Industriearbeit und sanfte Gedichte, wilde Herrenausritte, rauschende Volksfeste, Englischunterricht und geistliche Lieder für die heimischen Mädchen: Mit der Familie Mulvany kam von 1872 an zuvor nie Dagewesenes in das bis dahin unbedeutende Ackerstädtchen Castrop.

CASTROP-RAUXEL

, 12.03.2016, 14:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Das und noch viel mehr sind die gleichermaßen spannenden wie informativen Zutaten eines Vortrags von VHS-Dozentin Ulrike Mühle über das Leben und Wirken William Thomas Mulvanys (1806 bis 1885). Nach einem „Probelauf“ bei einer Veranstaltung des Kolpingbezirksverbands in Dorf Rauxel am 25. Februar wird die mit zahlreichen Dokumenten unterlegte Informationsveranstaltung am Donnerstag, 17. März, für die allgemeine Öffentlichkeit angeboten.

Der irische Ingenieur, Industriepionier und Zechengründer Mulvany, in seiner Heimat kaum bekannt, hat in Castrop-Rauxel lange vor der Stadtgründung 1926 bis in die heutige nachindustrielle Zeit tiefe Spuren hinterlassen. In Castrop-Rauxel ist Mulvany vor allem als Gründer der Zeche Erin bekannt, deren Name auf seine Heimat zurückgeht.

Dichtende Tochter

Der eigentliche Wohnort der Mulvanys war Düsseldorf, wo heute auch die Familiengrabstätte steht. Einen wesentlichen Teil seiner Zeit verbrachten Mulvany und seine Familie allerdings ab 1872 in dem von ihm als Sommerresidenz erworbenen Schloss Goldschmieding.

Über diese Zeit gibt Mühle ein paar schöne, in der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannte Details preis. Etwa über die dichtende und Tagebuch schreibende Tochter Alicia: „Sie traf sich mit Kindern aus Castrop, sie unterrichtete sie im Englischen, die Mädchen im Häkeln, sie sang geistliche Lieder mit ihnen.“

Rennsportexperte Toole

Dass Mulvany fast 30 Jahre nach seinem Tod auf dem neuen Markt das Reiterdenkmal gesetzt wurde, ist dem Rennsportexperten James Toole zu verdanken, den Mulvany die Rennbahn anlegen ließ. Mühle: „Außer von professionellen Jockeys wurden die Rennen von sogenannten Herrenreitern geritten, den oft adeligen Besitzern der Pferde“.

Castrop-Rauxel ist nach den Worten Mühles die Stadt mit dem umfangreichsten Erbe Mulvanys. Neben dem Erin-Gelände und dem Hammerkopfturm sind mit der Thomas- und der Mulvanystraße gleich zwei Straßen nach ihm benannt. Am Anfang der ersten steht sogar ein kleines privat errichtetes Denkmal.

17. März: Vortrag mit Überraschung
"150 Jahre Mulvany“ lautet der Titel des Vortrags von Ulrike Mühle am Donnerstag, 17. März, ab 19.30 Uhr im Bürgerhaus, Leonhardstraße 4. Die Zeitangabe bezieht sich auf die Gründung der Preußischen Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschaft 1866 und damit auf die Castroper Zeche Erin. Der 17. März ist der irische Nationalfeiertag St. Patrick‘s Day. Deshalb gibt es auch eine Überraschung.
Eintritt: 5 Euro im Vorverkauf, 6 Euro Abendkasse.

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