Deshalb schließt die Eisdiele am Castroper Markt

Nachfolge schon geregelt

Guter Preis, guter Service, nette Inhaber – das Urteil der Kunden, die am Montagvormittag in der Eisdiele San Remo sitzen, ist durchweg positiv. Trotzdem macht das Eiscafé am Castroper Markt zum Ende des Jahres zu. Die Nachfolge ist allerdings bereits geregelt.

CASTROP

, 10.10.2016, 19:06 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Wir fühlen uns hier sehr wohl“, sagt Annegret Tadday, eine Castroperin, die vier oder fünf Mal in der Woche in der Eisdiele ihren Kaffee mit ihrer Mutter Ingrid Junge zusammen genießt. Und ein älterer Herr in der Ecke des hellen Raumes sagt, er sei auch sehr oft und gerne hier.

Alle drei können auch in Zukunft weiter hier ihren Kaffee oder auch Eisspezialitäten genießen – nur nicht mehr das Eis aus der eigenen Herstellung von Antonio Ameixa, dem Portugiesen: „Ja, es stimmt“, sagt er, als wir ihn am Montag ansprechen. „Zum Jahresende machen wir unser Geschäft zu.“

Mehr als nur ein Geschäft

Ein Geschäft, ergänzt er, das mehr war als ein Business, wie man heute sagt. Eine Leidenschaft, die man auch nur als solche betreiben könne. Denn außer dem langen Heimaturlaub im Winter gönnten sich Ameixa und Gonzalez so gut wie keine Auszeiten seit Januar 2007, als sie hier eröffneten. 10 bis 19 Uhr, sieben Tage in der Woche, eigentlich immer da, wenn geöffnet ist – und darüber hinaus, um vor- und nachzubereiten, das Eis zu machen, einzukaufen, Abrechnung zu machen. Und im Sommer, wenn viele Menschen kommen, auch mal bis 21 Uhr geöffnet lassen.

Die beiden betreiben die Eisdiele als Familienbetrieb. Sie gehören keiner Kette an, sondern haben einen „inhabergeführten“ Laden – etwas, das immer seltener wird. „Weil Ketten ja Läden finanziell ausgleichen können, die nicht so gut laufen“, sagt Elena Gonzalez. Sie können das eben nicht. Aber die geschäftliche Grundlage sei eigentlich nach wie vor gut: „Wir sind zufrieden mit dem Geschäft“, sagt Antonio Ameixa.

Und es sei eine gute Entscheidung gewesen, 2007 hier zu eröffnen. Gute Lage, viele Kunden, auch viele Stammkunden. „Die Arbeit mit den Kunden, die ist uns ans Herz gewachsen“, sagt Elena Gonzalez. Das sei das besondere, diese Beziehungen, die entstanden seien. „Sehr wertvoll!“, sagt sie. Trotzdem bleibe am Ende des Tages für sie nicht viel mehr als ein einfacher Angestellten-Lohn, sagt Antonio Ameixa. Bei der ganzen Arbeit, die man habe, komme man dann eben ins Grübeln.

Gesundheitliche Probleme als Grund

Aber was ist dann der Grund für das Ende? Sie könne gesundheitlich nicht mehr so, wie sie wolle, sagt Gonzalez und zeigt auf die Hände. Die Gelenke schmerzen. Die Bewirtung draußen vor dem Lokal, das könne sie einfach nicht mehr schaffen – neun oder mehr Stunden am Tag. Sie haben zwar einen Angestellten und auch Aushilfen, wenn die Zeit ist, in der es richtig rund geht – aber das könnten die auch nicht schaffen. Sie hätten ihren Vertrag gerne noch für ein Jahr verlängert, Jahr für Jahr schauen. Aber nicht für längere Zeit.

Darauf soll aber der Vermieter erpicht gewesen sein. Über fünf Jahre schloss er mit Antonio Ameixa Verträge: 2007 zum ersten Mal, 2012 zum zweiten Mal. Der Vertrag läuft Ende 2016 aus. Und in den Verhandlungen konnte man sich offensichtlich diesmal nicht einig werden. Details wollen beide Seiten nicht preisgeben. Aber Dr. Helmut Meschede, dem das Gebäude gehört, legt Wert darauf, zu betonen, dass es weiter geht mit Eis an dieser Stelle. „Es gibt einen nahtlosen Übergang“, sagt er. „Das Lokal wird renoviert und die Angebotspalette wird umfangreicher sein als vorher.“ Ihm sei wichtig, dass das Lokal mit der guten Lage nicht leer stehe, gerade in diesen Zeiten.

Nachfolger noch als Geheimnis

Wer dort einsteigt, wollte Meschede nicht verraten. „Nur so viel“, sagt Elena Gonzalez: „Es freut mich, dass hier wieder eine Eisdiele rein kommt. Für die Kunden freut mich das.“ Ingrid Junge, Stammgast zusammen mit ihrer Tochter Annegret Tadday, sagt: „Wir essen hier eigentlich kein Eis, sondern trinken immer unseren Kaffee. Und wenn wir uns nicht wohlfühlen würden, kämen wir nicht immer wieder her.“

Ein Argument für das Geschäft neben der netten Bedienung sei aber auch ein anderes: „Der Preis, der stimmt.“ Es gebe andere Lokale, da koste der Kaffee eben mehr als die 1,70 Euro, die man bei San Remo bezahlt. „Schade“, meint sie, „die beiden sind sehr nett.“

Als die Kugel Eis 60 Cent kostet, da eröffneten sie ihr Geschäft „San Remo“. Heute kostet die Kugel 1 Euro – so hat sich eben der Preis entwickelt. Die Kundschaft käme trotzdem. Es habe mal Zeiten gegeben, da war es etwas schlechter, aber auch solche, da war es etwas besser. Aber im Großen und Ganzen hätte sich nicht viel verändert seit 2007. Nur die Gesundheit eben.

 

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