Die 10 Bücher sollten Sie diesen Winter lesen

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So langsam wird es Winter - und was gibt es Schöneres, als bei diesem Wetter mit einem guten Buch auf dem Sofa zu entspannen? Literaturwissenschaftler Dr. Rainer Moritz stellt seine Lese-Highlights vor - frisch von der Frankfurter Buchmesse. Diese zehn Bücher sollten Sie gelesen haben.

CASTROP-RAUXEL

, 19.10.2015, 06:02 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die 10 Bücher sollten Sie diesen Winter lesen

Dr. Rainer Moritz stellte seine Highlights der Frankfurter Buchmesse in der Stadtbibliothek in Castrop-Rauxel vor.

Diese zehn Bücher muss man in diesem Herbst gelesen haben. Eine Liste von Literaturwissenschaftler und Autor Dr. Rainer Moritz, die er am Sonntag in der Stadtbibliothek Castrop-Rauxel vorgestellt hat:

 

Ronald Reng: Mroskos Talente – das erstaunliche Leben eines Bundesliga-Scouts

Fußballbücher gibt es spätestens seit der WM 2006 wie Sand am Meer, aber nur wenige setzen sich durch und werden Bestseller. Reng, der auch schon die Biografie von Robert Enke und das erfolgreiche Buch „Spieltage – die andere Geschichte der Bundesliga“ geschrieben hat, gibt mit seinem neuen Sachbuch einen Blick in den Backstage-Bereich der Bundesliga zwischen 2000 und 2013. Das Buch ist für jeden, der sich für Fußball interessiert, das richtige.

 

Dr. Rainer Moritz: Wirtschaftswunderkind

Zwar kein neues Buch, aber eine neue Auflage. Ein Einblick, wie es ist, in den 70er-Jahren groß zu werden. Das teilweise autobiografisch erzählte Buch handelt von Müttern, die nicht arbeiten „müssen“, von Schlüsselkindern, die verdammt arm dran sind und von einem TV-Programm, bei dem endlich auch Sport gezeigt wird. „Meine Mutter hat sich ziemlich vor dem Buch gefürchtet, weil sie so häufig darin vorkommt“, sagt Autor Moritz. Das Buch ist also perfekt für alle, die in den 70ern aufgewachsen sind, oder in dieser Zeit Kinder groß gezogen haben, und noch einmal in Erinnerungen schwelgen wollen.

 

Monique Schwitter: Eins im Anderen

Monique Schwitter hat es mit ihrem Roman auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft. „Sie hat aber nicht gewonnen, weil es in ihrem Roman nicht um Politik oder Geschichte geht“, sagt Dr. Rainer Moritz. Es ist ein waschechter Liebesroman, „und deswegen ist sie die Kandidatin der Herzen“. Im Internet sucht die Protagonistin nach ihrem ehemaligen Freund Petrus. Schnell findet sie die Nachricht, dass er  bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Das nimmt sie zum Anlass, sich auf die Suche nach allen zwölf Männern zu machen, mit denen sie eine Beziehung geführt hat. Allen gibt sie einen Namen eines Apostels . „Daher das religiös anmutende Buchcover, von dem man sich nicht abschrecken lassen sollte“, so Moritz. Zwölf Männer – zwölf Geschichten, alle in einem Buch.

 

Guy de Maupassant: Ein Leben

Ein fast in Vergessenheit geratener französischer Autor, den der Mare-Verlag wieder aufgelegt hat. Sein Roman ist ein Musterbeispiel dafür, was man bei einem E-Book verpasst. Ein Leineneinband in einem Schuber, das macht sich in jedem Bücherregal gut. Feinfühlige Sexszenen bescherten dem französischen Romancier des 19. Jahrhunderts nach der Erstveröffentlichung Hiebe und Rügen von Kritikern.

 

Hans Hipp: Das Lebkuchenbuch

Ein perfektes Buch zum Verschenken, gerade in der Adventszeit. Konditor Hans Hipp erzählt zum einen von der Kulturgeschichte des Lebkuchens und gibt zum anderen jede Menge Rezepte zum Nachbacken preis. Ein schönes Geschenk, da das Buch noch dazu hübsch illustriert ist.

Auf Seite 2 lesen Sie fünf weitere Buchtipps von Dr. Rainer Moritz

Rolf Lappert: Über den Winter

Auch der Schweizer Autor Rolf Lappert  hat es auf die Shortlist geschafft. Bereits 2008 wurde ihm diese Ehre mit dem Roman „Nach Hause schwimmen“ zuteil, aber auch 2008 gewann er den Deutschen Buchpreis nicht. Der Roman hat eine zufällige Aktualität, alleine deshalb ist er schon lesenswert. Ein Künstler will aus angeschwemmten Dingen von Flüchtlingen ein neues Objekt schaffen. Ein Vorfall in der Familie lässt ihn aber sein ganzes Leben als Künstler überdenken. „Der Roman ist sehr langsam und ruhig erzählt. Darauf muss man sich einlassen, dann hat er fast wohltuende Wirkung“, sagt Dr. Rainer Moritz.

 

Dorothy Baker: Zwei Schwestern

Ebenfalls eine Wiederentdeckung. Nachdem der dtv-Verlag mit den Romanen des wiederentdeckten John Williams sehr erfolgreich war, grub er weiter in der amerikanischen Literaturgeschichte – und fand Dorothy Baker. Der Roman ist 1962 erstmals erschienen. Cassandra will die Hochzeit ihrer Zwillingsschwester unbedingt verhindern. Ein Roman, der psychologisch interessant ist und von der allmählichen Loslösung einer engen Bindung erzählt. „Es wird außerdem verdammt viel getrunken in dem Roman“, sagt Moritz. „Allerdings etwas Schreckliches, nämlich Cognac mit Soda.“

 

Jenny Erpenbeck: Gehen, ging, gegangen

„Sie galt bei vielen als Favoritin auf den Buchpreis in diesem Jahr“, sagt Dr. Rainer Moritz. Auch ihr Roman bietet einen aktuellen Bezug zum Flüchtlingsthema. In ihrem Roman steckt viel Recherche denn in einem Camp am Oranienplatz ließ sie sich die Geschichten von Flüchtlingen erzählen. Die projiziert sie auf ihren Protagonisten, der sich die Schicksale als Philosophieprofessor erzählen lässt. „Ich bin mit spitzen Fingern an das Buch herangegangen, aber es liest sich überhaupt nicht so platt, wie es sich anhört“, sagt Moritz. Zwar will sie mit ihrer Geschichte eine Botschaft vermitteln, aber nicht mit erhobenem Zeigefinger. Also auch ohne Buchpreis lesenswert.

 

Luigi Trucillo: Die Geometrie der Liebe

„Oft denkt man, dass schon alles über die Liebe und Eifersucht geschrieben wurde“ sagt Moritz. Dann aber kommt ein Autor wie Luigi Trucillo aus Italien und zeigt einem das Gegenteil. Mit seinem Roman „Die Geometrie der Liebe“ übertreibt er zwar manchmal sprachlich, trotzdem ist es ein poetisch sehr dichter Roman, der zeigt, wie Beziehungen funktionieren und was aus ihnen wird, wenn ein Partner furchtbar eifersüchtig wird.

 

Alastair Bonnett: Die seltsamsten Orte der Welt

Der Titel hält was er verspricht. Alastair Bonnett führt den Leser an seltsame Orte, wie eine Insel, die in allen Karten auftauchte, aber anscheinend gar nicht existiert. Jetzt ist „Sandy Island“ wieder aus den Karten verschwunden, und niemand weíß, ob die Insel jemals wirklich existiert hat. Bennett liefert historisch-geografische Informationen und allerhand Kurioses. Thema sind auch Geisterstädte.

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