Die Brücke „Sprung über die Emscher“ soll im Jahr 2021 fertiggestellt sein

rnEmscherland 2020

Zu sehen gibt es noch nichts. Außer einer Reihe von Plänen. Aber das Projekt, das Emschergenossenschaft und Stadt unter dem Titel Emscherland 2020 umtreibt, ist ehrgeizig. Wie ist der Stand?

von Christian Lukas, Thomas Schroeter

Castrop-Rauxel

, 13.11.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Unter dem Banner der Emscherland 2020-Kooperation, die Castrop-Rauxel, Herne, Recklinghausen und Herten zusammen mit dem RVR und der Emschergenossenschaft eingegangen sind und mit dem die Städte das Umland der Emscher planen, soll eine Fläche am Wasserkreuz Rhein-Herne-Kanal/Emscher in Castrop-Rauxel zu einem vorbildhaften Natur- und Wasser-Erlebnispark gestaltet werden.

Das ist Teil des 1992 begonnenen Generationenprojektes des Emscherumbaus. Was die Anwohner Ende des 19. Jahrhunderts erleben mussten, wenn die Emscher das Umland überschwemmte und sich auf Grund ihrer Verschmutzung Krankheiten ausbreiteten – diese Geschichten sind heute nur noch aus Schulbüchern bekannt.

Aber schön war das, was sich Emscher nannte, auch während des 20. Jahrhunderts nicht.

Emscherumbau läuft schon seit 1992

Abwässer aus der Industrie verschmutzten die teils durch Rohre laufende Emscher. Dass ausgerechnet dieser Fluss heute als Sinnbild für die Zukunftsgestaltung ehemals verdreckter Industriegewässer stehen würde: Wer hätte dies vor 30 Jahren gedacht?

Rund 5,38 Milliarden Euro haben die zahlreichen Renaturierungs- und Restaurationsarbeiten rund um die Emscher seit 1992 gekostet. Aber die Zukunft ist noch längst keine Vergangenheit, auf der sich die Planer des Umbaus ausruhen würden.

Mit der Aufwertung des Wasserkreuz-Umlandes soll eine Landmarke gesetzt werden. Die Ursprünge für diese Planungen lagen in der Erwartung, dass die Landesgartenschau 2020 an der Emscher stattfinden würde.

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Das interkommunale Projekt ging jedoch irgendwann in der Emscher baden, die Landesgartenschau 2020 wird in Kamp-Lintfort stattfinden. Doch das Aus der Planungen bedeutete das nicht. Das Konzept wurde weiterverfolgt.

„Mit dem interkommunalen integrierten Handlungskonzept Emscherland 2020 haben wir uns Ende 2015 um eine Zuwendung aus dem EFRE NRW / Grüne Infrastruktur beworben, Förderanträge erarbeitet, die die Prüfprozesse der Bezirksregierungen erfolgreich durchlaufen haben und erwarten nun Anfang 2020 die Zuwendungsbescheide“, erklärt die Emschergenossenschaft auf Nachfrage.

EFRE sind Europäische Fonds für regionale Entwicklung. Auch Landes- und Bundesmittel wurden an der Emscher angefragt.

24 Hektar großer Natur- und Erlebnispark

Und nun sollen in Castrop-Rauxel Fakten auf einer Fläche von 24 Hektar am Wasserkreuz mit der Errichtung eines Natur- und Erlebnisparks geschaffen werden. Auf weiteren 8 Hektar sollen die Emscher-Terrassen entstehen, ein Gebiet, das im Sommer zum Sonnenbaden und Entspannen einladen soll.

Weiterhin ist die sogenannte Emscher-Promenade in die Planungen integriert: Auf 17,4 Kilometern Länge soll diese Promenade vom Hochwasserrückhaltebecken Castrop-Rauxel-Ickern / Dortmund-Mengede bis zum Schellenbruchgraben in Herten führen und zukünftige Emscherland-Projekte miteinander verbinden.

Das Wahrzeichen des neu gestalteten Geländes soll der „Sprung über die Emscher“ werden: Ein nationales Brückenprojekt des Städtebaus, so nennt die Stadtverwaltung Castrop-Rauxel die geplante Fußgänger- und Radwegbrücke, die eine Spannweite von 105 Metern haben soll.

Die Brücke „Sprung über die Emscher“ soll im Jahr 2021 fertiggestellt sein

Der Sprung über die Emscher wird nach diesem Konzept gebaut. © Tobias Weckenbrock

Architektonisch soll das Gebilde Maßstäbe setzen und bereits Ende 2021 über die Emscher führen. Bis Ende 2022 sollen die Umbauarbeiten generell abgeschlossen sein. Im Moment gibt es noch kein Baugeschehen, sondern der Park ist eine landwirtschaftliche Nutzfläche. Der Emscher-Weg ist vorhanden. Mit der freiräumlichen Aufwertung wird ebenso wie mit dem Park erst 2020 begonnen.

Ein besonderer Aussichtspunkt in Castrop-Rauxel soll außerdem ein Weinberg werden. Weinanbau trägt zur Multifunktionalität der Kulturlandschaft bei, heißt es dazu von der Emschergenossenschaft.

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Er dient dem Erosionsschutz, der Bodenentwicklung und dem Bodenschutz. Er unterstützt unter anderem Filtrations- und Speicherungsprozesse im Boden. Außerdem dient Weinanbau der Biodiversität, also der Artenvielfalt von Flora und Fauna und unterstützt das Bemühen um Klimaanpassungsprozesse.

Der Weinbau dient aber auch den Insekten und Vögeln als Nahrung und Bestäubungsgrundlage und ist Bestandteil der Nahrungsketten für Lebewesen. Weinanbau fördert zudem die Vielfalt der Kulturlandschaft und Ästhetik und ist Bestandteil des Kultur- und Naturerbes, ist eine wertvolle ökonomische Wertschöpfung.

Die Emschergenossenschaft macht mit dem Weinanbau übrigens seit Jahren gute Erfahrungen. Denn nicht nur am Wasserkreuz wird Ruhrgebietswein angebaut. Auch am Phoenix-See in der Nachbarstadt Dortmund ist ein Weinberg entstanden, an dem man bereits sehr positive Erkenntnisse gewinnen konnte.

Ökologischer Schwerpunkt des Emscher-Umbaus

Die Umgestaltung des Mündungsbereiches des Suderwicher Baches und die Aufweitung der Emscher westlich des Wasserkreuzes bilden gemeinsam einen ökologischen Schwerpunkt des Emscher-Umbaus, sind also ein elementarer und wichtiger Bestandteil des Emscher-Umbaus und der eigendynamischen ökologischen Entwicklung der Emscher. An diesem Ort hat das Gewässersystem ein hohes ökologisches Entwicklungspotenzial.

Eine saubere Emscher? 1992 ein ehrgeiziges Zukunftsprojekt. Heute nicht nur Realität, sondern selbst zukunftsweisend, da der Umbau für viele andere Industrieregionen als Vorbild dienen kann.

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