Die fünf Verlierer der Kommunalwahl in Castrop-Rauxel

rnKommunalwahl 2020

Jede Wahl hat Verlierer und Gewinner. Bei einer Kommunalwahl sind Menschen vor Ort direkt betroffen. Ein Castrop-Rauxeler an diesem Abend besonders. Das sind für uns die fünf größten Verlierer.

Castrop-Rauxel

, 14.09.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kommunalwahl ist ausgezählt, der neue Stadtrat steht im Prinzip fest. Gewinner und Verlierer sind gekürt. Aber wer steht nun auf welcher Seite? Es gibt fünf eindeutige Verlierer, darunter drei Bürgermeisterkandidaten. Aber auch Wählergruppen und Parteien.

Nils Bettinger: Ob Bettinger persönlich der größte Verlierer der Wahl ist oder die ganze FDP in Castrop-Rauxel sei dahin gestellt. Fest steht: Wenn ein Politiker, der Lokalpolitik liebt, der immer fair ist, gute Argumente für seine Positionen hat, sie offen kommuniziert und (unter anderem) bei Facebook debattiert, weniger Stimmen bekommt als ein Einzelbewerber, der vor allem mit Populismus auf Stimmenfang ging, dann ist das schmerzhaft.

Bettinger bekam viel Trost zugesprochen, aber es wird den Informatiklehrer nicht beirren: Er zieht zwar als Spitzenkandidat über die Liste in den Rat ein, wird aber nie wieder Bürgermeisterkandidat für die FDP sein. Die Partei hat in Castrop-Rauxel keine Lobby.

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FWI: Die Freie Wählerinitiative entschied 2018, weiter zu machen. Sie musste den Tod von Manfred Postel verkraften, ihrem mächtigen Zugpferd. Er war Lautsprecher, bereicherte die Politik aus der Opposition heraus mit Querschüssen und fundierter Argumentation. Ohne ihn würde es für die FWI schwer, das war klar.

Dennoch stellte sie sich mit Annette Korte im Stadtrat als kompetente Sprecherin und Harald Piehl als engagiertem Vereiner im Hintergrund neu auf – und verlor doch 3,2 Prozentpunkte, fiel von 7,5 auf 4,3 Prozent. Sie bekommt statt vier Sitzen nun zwei Sitze im Stadtrat.

Piehl sagte zu seinen Mitstreitern: „Egal, wie die Wahl ausgeht: Wir sind jetzt schon Gewinner, dass es uns gibt und wir auf der politischen Bühne agieren, ist viel wert.“ Annette Korte meinte später am Abend: „Wir bleiben dran, wir geben nicht auf. “

Manfred Fiedler: Lange war unklar, ob die Grünen einen Bürgermeisterkandidaten stellen. Am Ende hoben sie ihren Ratsherrn Fiedler aufs Schild, aber der machte zur Bedingung, als gemeinsamer Kandidat auch für FWI und Linke anzutreten. Das brachte dem einstigen Krankenhaus-Manager, der nun an der Uni arbeitet, am Ende nichts. Er bekam zwar 16,6 Prozent der Stimmen und wurde damit Dritter, immerhin. Aber mit allen Stimmen, die FWI, Linke und Grüne zusammen bekamen, hätte er 23 Prozent bekommen müssen. Er hatte sogar 30 Prozent angepeilt. Dass für ihn schon vor der Wahl klar war, dass er nicht mehr für den Stadtrat kandidiert, schmälerte seine Glaubwürdigkeit. Nun verschwindet der Henrichenburger von der politischen Bühne.

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Oliver Lind: Die CDU kam in NRW bei der Kommunalwahl auf 34,3 Prozent und wurde damit Wahlsieger, auch wenn sie etwa drei Prozentpunkte verlor. In Castrop-Rauxel sank ihre Zustimmung von 30,6 auf 26,8 Prozent. Auch wenn die SPD hier leicht verlor (von 40,1 auf 38,9 Prozent): Die Europastadt bleibt eine Hochburg der Sozialdemokratie.

Nur Becklem, Henrichenburg und Frohlinde bleiben davon ausgenommen – dort gewannen der 23-jährige Neuling Jonas Ehm, der arrivierte Josef Berkel und Frank Steinbach. Lind selbst ist als Fachmann für Stadtentwicklung zurecht anerkannt, aber spricht nicht die Sprache, die man als Bürgermeisterkandidat sprechen muss.

25,1 Prozent der Stimmen sind noch weniger, als seine Partei bekam. Sein Vorgänger-Kandidat Michael Breilmann bekam noch 39,9 Prozent. Ein himmelweiter Unterschied.

Der Präsenz-Wähler: Glücklich schätzen konnte sich, wer Briefwahl beantragt hatte – und das war mehr als die Hälfte der Wähler. Der Antrag war simpel, und man konnte sich eine Wartezeit von mitunter bis zu einer Stunde am Wahltag vor einem der 27 Wahllokale ersparen. Die Streichung von 30 Wahllokalen zugunsten von 12 zusätzlichen Briefwahl-Bezirken war zuviel des Guten. Aus dem Rathaus wurden noch Wahlurnen nachgeliefert. Alle 92 waren am Ende im Stadtgebiet verteilt. Das aber kam zu spät. Wer die Wahlbeteiligung fördern will, muss einen besseren Service bieten!

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