Die Givebox auf Schwerin bleibt nach Diebstahl vorübergehend geschlossen

rnRegale gestohlen

Immer wieder wurde Sperrmüll an der Givebox auf dem Neuroder Platz abgeladen. Und jetzt sind sogar die Regale gestohlen worden. Die Box bliebt jetzt geschlossen.

Schwerin

, 28.08.2018, 11:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich hätte an diesem Freitag wieder ein kleines Fest rund um die Givebox am Neuroder Platz auf Schwerin gefeiert werden sollen. Als Dankeschön und zur Belohnung für ein erfolgreiches Geben und Nehmen. Damit ist es jetzt Essig. Die Feier zum fünfjährigen Bestehen mit Grillwürstchen und Co. ist abgesagt. Die SPD-Ortsvereins-Chefin und stellvertretende Bürgermeisterin Katrin Lasser-Moryson hat die Reißleine gezogen.

Gestohlene Regale haben Fass überlaufen lassen

Um die Givebox neben dem Café Zuhause kommt Flatterband, sie wird abgesperrt. Pause für die Idee, die einst die Jusos gemeinsam mit der SPD entwickelt hatte und die vom Prinzip ganz einfach ist: Wer guterhaltene Dinge nicht mehr braucht, bringt sie vorbei und guckt, ob er vielleicht selbst etwas von den Utensilien in den Regalen gebrauchen kann. Dass jetzt die Regale selbst geklaut worden sind, hat das Fass zum Überlaufen gebracht.

„Das ist einfach unglaublich“, sagt Katrin Lasser-Moryson. Genauso wie der Umstand, dass seit Wochen immer mal wieder Sperrmüll neben der Givebox stand. Sofas, Fernsehgeräte, Schränke, Sessel. Ein Aushang mit der Info, dies sei nicht okay, wurde kurzerhand wieder entfernt. Jetzt hängt dort ein laminiertes Papier von Bürgermeister Rajko Kravanja, dass die Givebox kein Ort für Sperrmüll sei – verbunden mit dem Hinweis, das Abstellen sei eine Ordnungswidrigkeit, die geahndet werde, wenn der Umweltsünder erwischt oder sonstwie identifiziert wird – und dem Hinweis, dass der Stadtbetrieb EUV für den Sperrmüll zuständig ist. Der holt den einmal im Jahr kostenlos bis zu einem Gewicht von 1000 Kilo bei den Bürgerinnen und Bürgern ab.

„Geschichte mit dem Sperrmüll ist wirklich krass“

Die Givebox aus Edelstahl, die deutlich stabiler ist als die alte Holzhütte zu Beginn, hatte vor zwei Jahren die JVA Meisenhof zur Verfügung gestellt. „Zwischendurch hatten wir ja schon einige Mal leider Ärger, aber diese Geschichte mit dem Sperrmüll ist wirklich krass“, so Lasser-Moryson. Und dass niemand etwas mitkriegt, wenn dort etwa ein dreisitziges Sofa abgeladen werde, wundere sie auch. „Bitte einfach beim SPD-Ortsverein Schwerin-Frohlinde-Dingen melden oder im Café Zuhause Bescheid sagen, wenn man so eine Schweinerei mitkriegt“, sagt die Schwerinerin.

Ein amtliches Schreiben an der Box weist darauf hin, dass hier kein Sperrmüll abgeladen werden darf. Viel genützt hat er nicht.

Ein amtliches Schreiben an der Box weist darauf hin, dass hier kein Sperrmüll abgeladen werden darf. Viel genützt hat er nicht. © Abi Schlehenkamp

Die Regale aus der Box seien offenbar gestohlen worden, als das Café Urlaubspause hatte. Jetzt sieht es in der Givebox, die ja dafür gedacht ist, Ressourcen zu schonen, aus wie Kraut und Rüben. Leider daneben auch, wo Leute einfach Sachen abgestellt haben. „Wir werden auf- und ausräumen“, kündigt Lasser-Moryson an. Dann werden neue Regale angeschafft. Und dann wird nach einer Pause wieder geöffnet. Den Sperrmüll abgeholt hat übrigens der EUV. Aber der – auch das müsste allgemein bekannt sein – kann das nicht umsonst machen, sondern bezieht die Beseitigung von willkürlich abgekipptem Abfall in die allgemeine Müllgebühr mit ein, die alle Bürger unserer Stadt zahlen.

Keine Bücher mehr in der Box abstellen

„Kaputt machen lassen wir uns die Sache mit der Givebox nicht“, erklärt die 40-Jährige Lasser-Moryson. Zumal es ehrenamtliche Helferinnen gibt, die nach dem Rechten schauen und sich kümmern. Künftig, sagt Katrin Lasser-Moryson, sollten keine Bücher mehr in der Givebox abgestellt werden, die litten unter der Witterung. Sie hat schon den Kontakt zur Mercatorstiftung gesucht mit der Intention, dass auf dem Neuroder Platz vielleicht auch ein Bücherschrank aufgestellt wird – so wie der auf der Langen Straße. Aber die Stiftung stelle keine Schränke mehr auf, erfuhr die Politikerin. Wer künftig Bücher los werden möchte, kann sich damit etwa an die Caritas oder die Verbraucherzentrale wenden, die einmal im Jahr Bücher sammeln. Oder eben den Bücherschrank in Habinghorst füttern.

Erst einmal bleibt die Givebox jetzt zu. Möglicherweise wird sie erst Mitte Oktober wieder eröffnet. „Wir müssen jetzt in Vorleistung gehen und neue Regale kaufen“, sagt Lasser-Moryson.

Der Kommentar von Abi Schlehenkamp Geht‘s noch? Seit fünf Jahren haben wir jetzt die Givebox auf Schwerin – eine prima und nachahmenswerte Einrichtung für alle Bürgerinnen und Bürger, die einfach nur ein bisschen mitdenken, um die Umwelt zu schonen, anderen zu helfen und sich vielleicht selbst eine Freude zu machen. Etwa so, wie ich aus der Givebox mal kleine Ammoniten-Abdrücke mitgenommen habe. Also bitte Augen auf, einfach mal aufpassen, wenn man vorbeikommt und Bescheid sagen, wenn irgendein Idiot meint, seinen Sperrmüll an der Givebox abkippen zu können.
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