Die Haftstrafe könnte für den 34-Jährigen ein Weg aus der langen Obdachlosigkeit sein

rnDiebstahl-Prozess

Noch während der laufenden Bewährung beging der 34-jährige Angeklagte die nächste Straftat. Die erneute Haftstrafe sieht er als Chance, sein Leben endlich auf die Reihe zu bekommen.

Castrop-Rauxel

, 09.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Fakten der Gerichtsverhandlung sind schnell erzählt: Angeklagt wegen gemeinsamen Diebstahls in einem besonders schweren Fall wurde der 34-Jährige zu einer Haftstrafe von sechs Monaten verurteilt. Der Angeklagte hatte im Gefängnis mit einem Mithäftling den Spind eines Dritten aufgebrochen und geplündert. Bewährung gab es nicht.

Dass der Mann das Urteil mit den Worten „Das ist genau das Richtige“ entgegennahm, zeigt, dass hinter der Geschichte noch eine andere steckt. Eine, die das Leben des Angeklagten schlaglichtartig beleuchtet und dokumentiert, dass ihm sein Leben schon früh entglitten ist.

Zerwürfnis mit dem Vater

Statt Abschlusszeugnis gab es lediglich ein Abgangszeugnis am Ende der Schulzeit. Die letzten beiden Schuljahre habe er „verkifft“, sagte der
Angeklagte. Und gab zu, dass das zu einem vollständigen Zerwürfnis mit dem Vater geführt habe. Der habe sein Leben lang hart malocht, hatte kein Verständnis für den Sohn, nur Wut.

Mit 17 verließ der junge Mann das Elternhaus, lebt seither auf der Straße. Kontakt zur Mutter gibt es sporadisch. Mit Hartz IV schlägt er sich durch, für Bier reicht’s und auch für Amphetamine. Harte Drogen, so beteuerte er, habe er noch nie genommen. Will sich davon auch fernhalten.

Ein Hoffnungsschimmer? Auch der Strafrichter möchte das gern glauben, doch die zitierten Fakten halten dagegen. Denn der 34-Jährige hatte die angeklagte Tat im Oktober 2017 begangen, einem Zeitpunkt, als er wegen zwei anderer Verurteilungen unter laufender Bewährung stand. In Haft war er damals, weil er anstelle einer Geldstrafe eine Ersatzfreiheitsstrafe verbüßen musste.

Angeklagter hat ein langes Vorstrafen-Register

Ein halbes Dutzend Vorstrafen gibt es. Diebstahl und Betäubungsmittel, Besitz wie auch Anbau und Handel damit, sind die Gründe. Es fällt auf, dass die Serie der Delikte erst 2011 begann. Da war der Angeklagte bereits 27, war schon zehn Jahre ohne festen Wohnsitz. Und das lässt dann doch wieder Hoffnung zu. Was der Richter so formulierte: „Sie können noch was reißen, können noch 30 Jahre schackern und ihr Leben in den Griff bekommen.“

Ja, es müsse sich was ändern, zeigte sich der Angeklagte einsichtig. Gab an, sich einen Betreuer zu wünschen. Zunächst gab ihm der Richter Telefonnummer und Adresse seiner Bewährungshelferin mit. Ihr Name war dem 34-Jährigen fremd, obwohl sie seit Jahren für ihn zuständig ist. Doch aufgesucht, wie bei den Bewährungsstrafen auferlegt, hat er sie nie. Deswegen war sie auch nicht vor Gericht erschienen, konnte nichts über ihn berichten.

Vielleicht kann sie ihm jetzt helfen, den Vorsätzen Taten folgen zu lassen, das Ruder herumzureißen. Weil die Bewährungsstrafen vermutlich widerrufen werden, erhöht sich die anstehende Haftzeit noch um einige Monate. Zeit, die der Mann für eine Therapie nutzen kann. Eine Chance.

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