„Die hatten kein Interesse an uns“: Bagger macht Biker-Paradies platt

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Das Biker-Paradies in einem Waldstück auf Schwerin gibt es nicht mehr. Ein Bagger hat es platt gemacht. Kinder wollen dafür kämpfen, dass sie es neu aufbauen dürfen. Ohne hohe Sprungschanze.

Schwerin

, 27.06.2020, 14:55 Uhr

Die drei Jungs sind tieftraurig. Und so ganz verstehen sie die Welt nicht mehr, also die der Erwachsenen. Aber Aufgeben ist nicht ihrs. Sie wollen für ihr Paradies kämpfen. Das liegt zwischen Schwerin und Merklinde im Wald. Genauer: In dem Bereich zwischen Hellweg und Erlenweg, wenn man von Schwerin über den Hellweg kommt. Auch wenn davon seit Mittwoch (24. Juni) kaum etwas übrig geblieben ist. Ein mächtiger Bagger hatte das Biker-Eldorado am Morgen zerstört.

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Bagger räumt Mountainbike-Parcours ab

„Das gab es hier schon ganz lange“, sagt Lasse. Lasse ist 12, genauso alt wie Paul. Robin, der Dritte im Bunde, der dazu stößt, ist 13. Er musste eben noch sein Zeugnis abholen. Nach und nach, wissen die drei, hätten die Großen, also Männer über 20, den Radparcours aufgebaut, mit vier hohen Sprungschanzen. „Acht Meter lang konnte so ein Sprung sein“, berichtet Paul. Die Sprungschanzen seien um die zwei Meter hoch gewesen.

So sah es auf der Anlage aus, bevor der Bagger anrollte.

So sah es auf der Anlage aus, bevor der Bagger anrollte. © privat

Es gab wohl Beschwerden von Nachbarn bei der Stadt

Sie seien vielleicht ein bisschen hoch gewesen, die Sprungschanzen, überlegen die Drei. Und es müsse manchmal auch laut gewesen sein, vermuten sie. So laut, dass sich wohl Anwohner bei der Stadt beschwert hätten. „Aber die Anlage hier war das Leben der Großen“, sagt Lasse und fügt hinzu: „Und unsers auch.“ Alle eingerechnet, seien sie in der Gruppe bestimmt 30 bis 40 Leute gewesen, meint Lasse. Und dem Hörensagen nach habe es die Anlage schon 20 Jahre gegeben.

Als Lasse am Mittwoch um 8.30 Uhr in dem Waldstück war, da sei der Bagger schon im Einsatz gewesen und hätte alles umgerissen. „Wir haben dann bei der Stadt angerufen“, berichtet der Schüler. Aber man habe gesagt, da könne man nichts machen, die Anlage sei nicht genehmigt gewesen. „Ich glaube, die hatten kein Interesse an uns“, meint Lasse.

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Das Waldstück ist kein Naturschutzgebiet

Der Wald gehöre einem Verwandten von ihm, aber der wohne nicht hier. „Wenn das hier Naturschutzgebiet ist“, sagt Robin, „dann hätte ja auch der Bagger hier nicht reinfahren dürfen.“ Um ein Naturschutzgebiet handelt es sich nach Informationen unserer Redaktion nicht, sondern tatsächlich um privaten Wald.

Die begeisterten Radfahrer wollen sich jetzt mit dem Bürgermeister in Verbindung setzen. Und hoffen, dass es okay ist, wenn sie ein paar kleine Rampen anlegen. Die Jungs sind am letzten Schultag vor den großen Ferien schon mit Schüppen und Eimern ausgerüstet und überlegen, wie sie es am besten anstellen.

Fahren sie in den Ferien nicht weg? „Wir sind doch hier im Wald“, sagt Lasse wie aus der Pistole geschossen. Wobei das Waldstück hier gehöriges Gefälle hat. Das ideale Gelände für kleine und große Mountainbiker.

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