In diesem Jahr wachsen wieder besonders viele Bucheckern. Das soll vor allem dem Klimawandel geschuldet sein. Für die Pflanzen bedeutet das echten Stress.

Castrop-Rauxel

, 19.07.2018, 19:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

2018 ist ein sogenanntes Mastjahr. Was das bedeutet, konnten die Teilnehmer bei einer Kräuterwanderung mit Heilpraktikerin Rosalie Surmann aus Ickern in Deininghausen erfahren, als es fast zweieinhalb Stunden vor allem darum ging, was Knoblauchrauke, Wiesenkerbel und Co. am Wegesrand zu suchen haben und was man wie tatsächlich wozu essen kann.

Es wird besonders viel Samen produziert

Unter einem Mastjahr versteht man Jahre, in denen Bäume in einem größeren geografischen Gebiet besonders viele Samen produzieren. Solche Jahre treten in unregelmäßigen Abständen auf und werden auch durch das Wetter maßgeblich beeinflusst. So ein Mastjahr bedeutete eigentlich erst einmal etwas Gutes.

Aber das ist schon lange her. Inzwischen, das weiß Klaus Breuer, Bereichsleiter bei der Stadt für Stadtgrün und Friedhofswesen, ist die zunehmende Häufigkeit von Mastjahren in erster Linie auf die Klimaveränderung zurückzuführen. Das heißt: Auf die langen Trockenphasen und die heißen Temperaturen – bei uns wie überall in unserer Region nicht nur mit Starkregen und Stürmen als Botschafter.

„Die dauerhafte Mast stresst die Bäume“

„Die dauerhafte Mast stresst die Bäume“, sagt Breuer auf Anfrage unserer Zeitung. 2009, 2011, 2014 und 2016 hatten wir schon Mastjahre, von denen vor allem die Buche betroffen war und jetzt wieder ist. Die Eiche bei weitem nicht so stark, sagt Breuer. Normalerweise hat jede Baumart artspezifische unregelmäßige Zyklen, in denen sich fruchtbare und unfruchtbare Jahre abwechseln.

Wie groß die Abstände zwischen den Mastjahren sind, hängt nicht nur am Biorhythmus der Arten, sondern von Umwelteinflüssen und Stress ab, schreibt der Naturschutzbund (Nabu) zu diesem Thema. Und weiter: Merke ein Baum, dass sich seine Gesundheit oder seine Umweltbedingungen verschlechtern, kurbele er die Blüten- und Samenproduktion an, um seine Chancen auf Nachkommen zu erhöhen und seine Gene zu verbreiten. In diesem Fall über die Bucheckern, die sich an den Ästen drubbeln.

Der Name Mastjahr rührt übrigens aus Zeiten her, als das Vieh noch in den Wald getrieben wurde. Da waren Mastjahre an Buchen und Eichen willkommen und lohnend, denn in diesen Mastjahren liegen bis zu einer Millionen Bucheckern auf einem Hektar Waldboden.

Wassermangel schwächt

„Aktuell sind die Buchen durch den Wassermangel geschwächt“, sagt Breuer. Und was ist nun dran an jenem oft kolportierten Gerücht, dass die grünen Lebewesen in Wald und Feld miteinander kommunizieren? „Ist bei Bäumen nicht nachgewiesen“, sagt Breuer lapidar. Und gibt gleich ein Beispiel dafür: Was soll eine Buche tun, selbst wenn eine andere sie warnen würde: Pass‘ auf, da kommt ein Reh. Sie kann ja nicht abwandern, erklärt Breuer.

Bei Chrysanthemen hingegen sei das mit der Verständigung tatsächlich so und auch wissenschaftlich untersucht und nachgewiesen. Das gelte für Pflanzen und Blumen, die unter Stressbedingungen Giftstoffe entwickeln können, sagt Breuer.

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