Die Stadt hat den Bagger im Biker-Paradies nicht ins Rollen gebracht

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Der Besitzer eines Waldes hat für das Ende des Biker-Paradieses auf Schwerin gesorgt - nicht etwa die Stadt Castrop-Rauxel. Ein Mountainbike-Fan spricht von der Notwendigkeit neuer Konzepte.

Schwerin

, 01.07.2020, 08:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das dürfte für die Jungs vom zerstörten Biker-Paradies überraschend und unerwartet kommen: Die Stadt hat mit dem Einsatz des Baggers am 24. Juni nichts zu tun, der ihre Mountainbike-Strecke hat verschwinden lassen.

Viele Fragen waren seit dem Besuch unserer Redaktion vor Ort in dem Waldstück am Hellweg auf Schwerin am letzten Schultag vor den Sommerferien noch offen geblieben. In allererster Linie die Frage, wer den Bagger und damit das mutmaßliche Ende des Freizeit-Eldorados von heranwachsenden und großen Jungs oder vielleicht auch Mädchen ins Rollen gebracht hat.

Und es ging um die Klärung, ob nicht möglicherweise auch ein Kompromiss und eine kleinere Lösung auf dem Gesprächsweg zu erreichen gewesen wären. Stadtsprecherin Julia Schulz schreibt am Dienstag, 30. Juni: „Bei dem betreffenden Waldstück handelt es sich um einen öffentlich zugänglichen Wald in Privatbesitz.

Hinsichtlich der Abtragung der dortigen Montainbikestrecke ist der Grundstückseigentümer, bei dem auch die Verkehrssicherungspflicht liegt, nun selbst tätig geworden. Dies auch zum Schutz des Baumbestandes in seinem Wald.“

Stadt sagt: Kommunaler Ordnungsdienst war nicht beteiligt

Und weil die grundsätzliche Zuständigkeit für den Privatwald ordnungsrechtlich bei der Forstbehörde liege, habe weder die Stadt noch der EUV-Stadtbetrieb Maßnahmen veranlasst. Auch der Kommunale Ordnungsdienst (KOD), nach dessen möglicher Beteiligung unsere Redaktion gefragt hatte, sei nicht involviert gewesen.

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Bleibt die Frage, wer den bei Köln wohnenden Besitzer nach der Beschwerde zweier Anwohner von der Geschichte in Kenntnis gesetzt hat. „Stadt und EUV nicht“, bekräftigt Julia Schulze. Dirk Middelmann, Leiter des zuständigen Forstbetriebsbezirkes Recklinghausen und seit vielen Jahren der Ansprechpartner vor Ort in allen Fragen um Bäume und Co., ist erst ab 13. Juli wieder im Dienst.

Tongruben bei Lessmöllmann und Wald in Bodelschwingh als Alternativen?

Aber vielleicht gibt es zur weiteren Klärung ja auch erst mal ein Gespräch zwischen dem Großonkel, dem der Wald gehört, und dem zwölfjährigen Lasse, dem Großneffen.

Der Verlust oder vielleicht besser die Aufgabe des Biker-Paradieses hat schon eine Menge Menschen berührt. Ein 74-Jähriger erzählt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Mein 12-jähriger Enkel Max war von dem Gelände auch begeistert und ist da auch jeden Nachmittag hingeradelt.“

Paul, Lasse und Robin (v.l.) wollen für ihr Paradies kämpfen.

Paul, Lasse und Robin (v.l.) wollen für ihr Paradies kämpfen. © Abi Schlehenkamp

Jetzt gälten die alten Tongruben bei Lessmöllmann und der Wald in Bodelschwingh als mögliche neue Ziele. „Aber bitte nicht über die Todesstrecke auf der Schlossstraße“, sagt der Merklinder. Der zu erzählen weiß, dass das Waldstück in seiner Kindheit Schülkens-Busch genannt worden sei. Dies in der irrigen Annahme, dass Wald und Felder dem Landwirt Schülken gehörten.

Verschiedene Partner und Behörden stärker vernetzen

Aber das ist Schnee von Gestern. Mittlerweile gibt es nur noch das freilich große Feld am Erlenweg. Gegenüber geht es nach der Wohnbebauung zügig zum Golfplatz.

Das Biker-Paradies vor dem Bagger-Einsatz am 24. Juni. So hoch war diese Sprungschanze.

Das Biker-Paradies vor dem Bagger-Einsatz am 24. Juni. So hoch war diese Sprungschanze. © privat

Thorsten Rudolph aus Rauxel sagt: „Ich bin selbst begeisterter Mountainbiker, und ich kann die Jungs so gut verstehen.“ Er will sich stark machen dafür, dass ein Projekt aufgelegt wird, bei der sich auch verschiedene Behörden stärker untereinander vernetzen. Und spricht konkret von Städten in der Region und vom Kommunalverband. Er selbst, Mitglied im Community-Projekt „bikeparkruhrpott.de“, sei extrem gut vernetzt.

„Corona hat den Druck auf die Wälder noch erhöht“

Und der 52-jährige Rauxeler sagt auch: „Durch Corona ist der Druck auf die Wälder noch stärker geworden.“ Rudolph, übrigens Fachübungsleiter Mountainbike im Deutschen Alpenverein mit 5000 Mitgliedern in Dortmund und 1800 in Recklinghausen, glaubt an die Notwendigkeit von Entwicklungskonzepten für Erlebnisflächen mit dem Rad. Ein großes Stück Arbeit gewiss noch.

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