Diese Castrop-Rauxeler Brücken haben Schäden

Prüfung von 2016

In Castrop-Rauxel gibt es viele Brücken - und die müssen regelmäßig geprüft werden. Ein Ingenieursbüro aus Kamen hat das 2016 getan und kam zu einem teuren Ergebnis: 1,5 Millionen Euro kostet die Reparatur der kritischsten Stellen. Hier gibt es Fragen und Antworten zum Prüfungsablauf und eine Hitliste der Brücken, um die es am schlechtesten bestellt ist.

CASTROP-RAUXEL

, 17.03.2017, 07:33 Uhr / Lesedauer: 3 min
Der Krickesteg, eine kunstvolle Brücke aus dem Jahr 1994. 2016 stand eine turnusmäßige Flächensanierung an.

Der Krickesteg, eine kunstvolle Brücke aus dem Jahr 1994. 2016 stand eine turnusmäßige Flächensanierung an.

Damit die Brücken in der Stadt sicher sind, werden sie nach einem genauen Verfahren geprüft – und zwar regelmäßig. 2016 war das Ingenieursbüro BAB aus Kamen unterwegs und hat sich die Bauwerke angeschaut. Ergebnis: Für die Reparatur der kritischsten Schäden werden rund 1,5 Millionen Euro veranschlagt. Aber das ist noch nicht alles. Ein Einblick in den Brückenprüfungs-Ablauf.

Welche Brücken müssen geprüft werden? Es geht bei den Brückenprüfungen nicht nur um Brücken – aber vor allem: um alle kommunalen Brücken und Ingenieurbauwerke im Stadtgebiet. Der EUV ist für die Bauwerke zuständig und lässt sie alle drei Jahre im Auftrag der Stadt prüfen.

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Wie genau wird geprüft? Das ist von der Tiefe der Prüfung abhängig: Alle sechs Jahre gibt es eine Hauptprüfung für jedes der von der Stadt gelisteten 29 Bauwerke. Bei einer solchen schaut sich ein Ingenieur alle Bauteile an und führt dabei eine Mängelliste, falls erforderlich. 19 solcher Hauptprüfungen gab es 2016 an Brücken, dazu zwei an Überdachungen am Hauptbahnhof und Busbahnhof sowie eine an der Lärmschutzwand an der B 235. Bei einer einfachen Prüfung (drei Jahre nach einer Hauptprüfung) schaut ein Ingenieur auf Basis der Hauptprüfung sich das Bauwerk noch einmal an. Acht Nebenprüfungen standen 2016 an.

Wo ist der Druck, etwas zu tun, am größten? Konkretes Ergebnis ist eine Einstufung der Bauwerke in drei Schadensklassen. Die Ingenieure vergeben Schadenspunkte, die höchste Schadensklasse reicht von 3,9 bis 3,0. In dieser Stufe finden sich acht Brücken. Die bekannteste ist der Krickesteg, der die Altstadt übers Einkaufszentrum Widumer Tor mit dem Erinpark verbindet. „Bei einigen Brücken müssen wir Wirtschaftlichkeitsrechnungen anstellen, ob sich die Sanierung noch lohnt oder der Wert, der heute noch in den Büchern steht, zu gering ist“, sagt EUV-Vorstand Michael Werner. Das sei dann Abwägungssache für die Politik. „Eine Brücke hat eine Lebenszeit von 60 bis 80 Jahren. Manchmal ist es besser, eine Brücke neu zu bauen“, so Werner.

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Was ist nun konkret mit der Erinbrücke „Krickesteg“? Auf der Brücke gibt es Probleme mit dem Ablauf des Regenwassers. „Wir sind permanent wegen der Entwässerung der Brücke vor Ort“, sagt Michael Werner. „Das macht uns viel Arbeit.“ Außerdem ist die Oberfläche des Fußwegs aus einem Vlies-Asphalt, der auf dem Stahl aufgebracht ist. Bei Sonnenschein erhitzt sich das Metall stark, kühlt dann aber auch schnell wieder ab. Das führt zu Problemen wegen des Materials, das sich dehnt und zusammenzieht. Andere Schäden, die immer wieder auftreten, sind solche an Geländern, an Widerlagern der Brücken, am Anstrich oder an der Beschaffenheit der Oberflächen.

Sind es immer gleich die großen Dinge? Genau das nicht. Acht Brücken sind in den Schadensklassen von 3,0 aufwärts einsortiert. Sie sind mit Priorität zu behandeln, der EUV bemisst den Sanierungsbedarf auf rund 1,5 Millionen Euro. Bis zur nächsten Ausschusssitzung in einigen Wochen soll eine Abwägung zum Sanierungsplan vorgelegt werden.

Höchste Schadensklasse, 3,9 bis 3,0:

  • Emscher, Schöttelkamp
  • Schwarzer Weg, B 235
  • Emscher, Horststraße
  • Schwarzer Weg über Deininghauser Bach
  • Südliche Dorlohstraße am Deininghauser Bach
  • Stettiner Straße / Herdicksbach
  • Krickesteg / Erinbrücke über den Altstadtring
  • Oststraße über den Deininghauser Bach (südlich)

Für Schadensklasse II (2,1 bis 2,9 Punkte) besteht ebenfalls Handlungsbedarf, jedoch kein dringender. Hier rechnet der EUV mit 755.000 Euro. 

Mittlere Schadensklasse, 2,9 bis 2,1:

  • Wirtschaftsweg Herdicksbach
  • Emscher, Borghagener Str.
  • Emscher, Friedhof Ickern
  • Wartburgstraße, Viehtrift
  • Reitweg Zechenbahn
  • Westerfilder Straße, Mühlenbach
  • Beckumer Straße, Zechenbahn
  • Dach Busbahnhof
  • Stützwand Altstadtring
  • Dorlohstraße, Deininghauser Bach
  • Nierholzstraße, Deininghauser Bach
  • Dortmunder Straße, Golfplatz
  • Gabionenwand B 235
  • Emscher, Waldenburger Straße
  • Groppenbach, Rittershofer Straße

Alles unterhalb von 2,1 Punkten gehört der Schadensklasse III an. Einfache Unterhaltungsmaßnahmen reichen hier aus, die der EUV selbst bei seinen Jahresuntersuchungen regeln will. Sie sind mit 26.000 Euro beziffert.

Untere Schadensklasse: 

  • Fuckmühle
  • Albrechtstraße
  • Ernststraße
  • Dach Hauptbahnhof
  • Cottenburgstraße
  • Lärmschutzwand A 42

Bei manchen Brücken behilft man sich auch mal damit, das maximal zulässige Gesamtgewicht der Fahrzeuge auf 3,5 Tonnen zurückzusetzen – wie derzeit auf der Horststraße, so Werner.

Gibt es Besonderheiten im Bericht? Schon. Wer sich mit diesen Dingen nicht auskennt, wird sich wundern: Die Lärmschutzwand an der B 235 in Habinghorst ist so ein Beispiel. Die Gabionenwand, die aus Stahlkäfigen mit Steinschotter gebaut ist, ist an einer Stelle inzwischen von einer Rankenpflanze überwuchert. Darf das so sein? Das ist eine der Fragen, die man sich laut Prüfung stellen muss. Klar, die Wand steht „nur“ auf Position 21 von 29, ist also nicht mit hoher Priorität versehen. „Die Ranken greifen die Steine und die Käfige an“, sagt Michael Werner. Nun wird geprüft, ob die Pflanze entfernt werden muss – auch wenn sie optisch vielleicht gar nicht so ungelegen kommt. 

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