Diese Castrop-Rauxeler l(i)eben den FC Schalke 04

Fanclubs

Die Bundesligasaison wirft ihre Schatten voraus. Wie schneidet der Lieblingsverein ab? Und was erwarten die Fans von ihrer Mannschaft? Wir haben dieses Mal bei zwei Castrop-Rauxeler Fanclubs des FC Schalke 04 nachgefragt und gemerkt: Die Erwartungshaltung ist nach der wenig erfolgreichen vergangenen Saison hoch.

CASTROP-RAUXEL

von Rolf Langenhuisen

, 16.08.2017, 11:44 Uhr / Lesedauer: 3 min

Blau-Weiße Eurofighter

Wenn man sich einen Schalker malen dürfte, käme das Porträt von Peter Stratmann dabei heraus. Der 58-Jährige ist ein rechtschaffener Mann, der sein Geld als Postbote verdient. Der Vater war Schalker, die Mutter war Schalker, die Frau ist Schalker und der Sohn auch.

Ihre Wohnung in Henrichenburg hat die Familie zu einem Museum in Königsblau und Weiß umgestaltet. Stratmann fährt zu den Spielen, verbringt den Urlaub im Trainingslager, und falls die Schicht es erlaubt, schaut er bei den täglichen Übungseinheiten vorbei. Wenn der Vorsitzende des Fanclubs „Blau-Weiße Eurofighter“ über seinen Verein redet, redet er…

… über ehrliche Arbeit: „Ich muss keine Stars haben, aber Kämpfer. Männer, die das Herz in die Hand nehmen. Solche Typen haben uns in der vergangenen Saison gefehlt. Früher war das anders. Beim UEFA-Cup-Sieg 1997 hatten wir keine Stars. Aber wir hatten Leute wie Marc Wilmots, die die Ärmel aufgekrempelt haben. Wenn einer den Ball verloren hat, war der andere da, um das wieder auszubügeln. Ich sehe derzeit keinen, der die Anführer-Rolle übernehmen kann.“

… über Treue zum Verein: „Wer spielt denn heute noch aus Liebe zum Verein?“, fragt Kirsten Stratmann. Sie ist 49, arbeitet als Servicekraft in einer Großbäckerei und führt die Kasse des Fanclubs. „Am ehesten Benni Höwedes, der ist durch und durch Schalker“, antwortet ihr Mann. Aber Höwedes wurde vom neuen Trainer Tedesco als Kapitän abgesetzt und durch Ralf Fährmann ersetzt. War das richtig? „Ich glaube schon, denn Höwedes hat in den letzten Jahren stark nachgelassen und kam auch nicht mehr so richtig an die Mannschaft ran. Fährmann ist der Einzige, der kaum Fehler macht. Er redet nicht alles schön und staucht seine Mitspieler auch schon mal zusammen.“ 

Blau-Weiße Eurofighter
gegründet: 2005
Mitglieder: 14
Treffpunkt/Kontakt: Peter Stratmann, Lambertstraße 31
Zitat: „Tausend Freunde, die zusammensteh’n, dann wird der FC Schalke niemals untergeh’n.“

… über die Hoffnung: „Im Trainingslager fiel uns auf, dass die Mannschaft wieder richtig Spaß hatte. Domenico Tedesco macht einen guten Job“, urteilt Kirsten Stratmann. „Der Kader dürfte ähnlich stark sein wie bisher. Von den Neuen gefallen mir Flügelstürmer Harit und Linksverteidiger Oczipka. Und Konoplyanka, den Trainer Weinzierl links hat liegenlassen, blüht richtig auf“, analysiert ihr Mann. „Platz 6 ist das Mindestziel. Mit dem Kader und dem Etat ist ein europäischer Wettbewerb Pflicht“, stellt Christoph fest.

… über Fans, Ultras und Idioten: „Es gibt viel zu viel Aggression im Stadion. Nicht nur auf Schalke, sondern überall. Wir waren mal auf der Rückfahrt von Hamburg. Da haben Ultras im Zug die Notbremse gezogen, weil sie in einem anderen Zug Werder-Fans gesehen hatten. Erst haben sie sich mit den Bremern, dann mit der Polizei geschlagen. Am Ende mussten wir in Osnabrück im McDonald’s übernachten, weil wir den letzten Zug verpasst hatten“, erzählt die Kassenwartin. Der Eurofighter-Vorsitzende Peter Stratmann hat sich „schon mit vielen angelegt, die meinen, sie müssten Pyro-Fackeln werfen. Ich möchte im Stadion nicht verletzt werden. Diese Idioten sollten mal ihr Gehirn einschalten!“

Auf der zweiten Seite stellen wir den Castrop-Rauxeler Schalke-Fanclub "Bottle-Hawks" vor.

Bottle Hawks

Jörg Beulmann ist 45 Jahre alt und arbeitet als Teileverkäufer bei BMW. Seit mehr als drei Jahrzehnten schlägt sein Herz für Schalke 04. „Ganz ehrlich: Dieses Jahr wackelt meine Dauerkarte“, sagt Beulmann, der in Castrop-Rauxel den Schalke-Fanclub „Bottle Hawks“ leitet. „Ich will nicht zum hundertsten Mal etwas vom ,Neuanfang‘ hören, sondern ich will eine funktionierende Mannschaft sehen. Die müssen endlich mal überzeugen. Es muss etwas passieren!“

Man spürt: Die Geduld der Anhänger ist arg strapaziert. „Die letzte Saison war eine Katastrophe. Da lässt sich nichts schönreden. Wir haben spielerisch keinen Schritt nach vorn gemacht“, schimpft Jörg Beulmann im Rückblick. Die Fans sind ratlos.

480 Euro für eine Dauerkarte schafft Erwartungshaltungen

„Man muss den Eindruck haben, dass teure Neuverpflichtungen das Fußballspielen verlernen, sobald sie ein königsblaues Trikot anhaben“, sagt der Castrop-Rauxeler. Und nennt ein Beispiel: „Franco di Santo, für 6 Millionen Euro geholt, trifft keinen Möbelwagen und fällt ein halbes Jahr wegen einer Bauchmuskelzerrung aus. Ich frage mich: Was ist da los?“

Bottle Hawks 
gegründet: 2015
Mitglieder: 10
Treffpunkt: Gaststätte „Zum Posthörnchen“, Gelsenkirchen
Kontakt: Jörg Beulmann, Ringstraße 55, Castrop-Rauxel
Zitat: „Wir treffen uns vor jedem Spiel im Posthörnchen und schocken. Deshalb musste der Würfelbecher mit drei Würfeln mit aufs Vereinsemblem.“

Im Laufe des Spieljahres tragen die „Bottle Hawks“ (= Flaschenadler) wie alle anderen Fans viel Geld in die Arena. 480 Euro hat Beulmann für seine Dauerkarte („Haupttribüne auf Höhe der Fünf-Meter-Linie“) überwiesen. „Ich bekomme immer stärker das Gefühl, dass den Verein nur mein Geld interessiert“, klagt der 45-Jährige: „Nach dem Motto: Kauft Trikots für 89 Euro, trinkt Bier für 4,30 Euro, aber habt bitte keine Ansprüche. Geht ruhig enttäuscht nach Hause, aber kritisiert uns bloß nicht!“

Beulmann: "Ich will sagen können: Die haben alles gegeben"

Welchen Anspruch stellt Jörg Beulmann an die Berufs-Balltreter? „Ich erwarte gar nicht, dass wir jedes Spiel gewinnen“, antwortet er: „Wenn ich aus dem Stadion rausgehe, will ich sagen können: Die haben gespielt, die haben gekämpft, die haben alles gegeben. Wir können auch gegen den BVB verlieren, wenn der wirklich besser war. Aber rumzulaufen wie ein Hühnerhaufen und sich abschlachten zu lassen, das geht nicht!“

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