Neu im Angebot: Digitaler Gehstock für Senioren alarmiert im Notfall selbst die Helfer

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Ein intelligenter Gehstock, der Alarm schlägt; ein Kissen, das einen überhörten Anruf per Vibration meldet: In der Stadtbibliothek Castrop-Rauxel kann man nicht nur Bücher ausleihen.

Castrop-Rauxel

, 11.12.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein vernetzter Gehstock, ein Akustik-Vibrationskissen oder ein Navi für Fußgänger: Digitale Geräte sind längst nicht mehr nur jungen Menschen vorbehalten. Die Digitalisierung erreicht mittlerweile auch ältere und alte Menschen.

Bei denen gibt es aber oft das Problem, dass sie überhaupt keinen Zugang zu digitalen Geräten haben, schon von einer komplizierteren Fernbedienung oder einem Smartphone völlig überfordert werden. Dann hilft oft nur noch der Hilferuf an die Enkelkinder.

Dabei gibt es - wie oben beschrieben - inzwischen viele Geräte, die das Leben im Alter einfacher, komfortabler, sicherer oder einfach auch nur schöner machen.

Eine „Bibliothek der Dinge“ eingerichtet

Um hier den Zugang zu erleichtern, Hemmschwellen abzubauen und Testmöglichkeiten zu schaffen, haben sich nun die Stadtbibliothek Castrop-Rauxel und das in Habinghorst angesiedelte Projekt DigiQuartier zusammen getan und in der Bibliothek in der Fußgängerzone der Altstadt eine „Bibliothek der Dinge“ eingerichtet.

Hier kann man sich ab sofort an einem Repertoire an technischen Helferlein bedienen. Das funktioniert genau wie die Buchausleihe: Mit dem Bibliotheks- oder einem extra ausgestellten-Digi-Ausweis kann ich mir eines der digitalen Geräte für zwei Wochen kostenlos ausleihen. Danach gebe ich es zurück oder, wenn keine Vormerkungen vorliegen, verlängere die Leihfrist.

Was gibt es in der Bibliothek konkret zu entdecken?

  • Da ist der eingangs erwähnte digitale Gehstock. Der höhenverstellbare Stock aus leichtem Karbonmaterial ist mit einer Lokalisierungsfunktion ausgerüstet. „Wenn der Stock irgendwo vergessen wird, kann man ihn problemlos wiederfinden“, so Ringo Schoepke-Diekmann, Projektleiter des DigiQuartiers. Man kann im Stock-Chip aber auch einen Radius programmieren. Verlässt der Nutzer diesen Bereich, wird ein Signal verschickt - an Kinder, einen Pflegedienst oder wen auch immer. Der Nutzer kann aber auch selber einen Alarm auslösen. „Gerade bei dementen Menschen sehr hilfreich“, so Schoepke-Diekmann. Im Geschäft kostet ein solcher Stock rund 200 Euro.
  • Da ist außerdem das Akustik-Vibrationskissen. Das lässt sich per langem Kabel etwa mit dem Telefon oder einem Wecker verbinden. Hörgeschädigte Menschen können so auf Telefonanrufe aufmerksam gemacht werden oder sich vom Vibrationsmechanismus des Kissens wecken lassen.
  • Was für Autofahrer längst die Allzweckwaffe in Sachen Orientierung ist, gibt es inzwischen auch für Radfahrer und Fußgänger: das Navigationsgerät. So kann man sich auch zu Fuß in fremden Städten orientieren, kann auch beim ausgedehnten Spaziergang nicht mehr vom Weg abkommen, gewinnt an Sicherheit im Alltagsleben.

Geräte, die das Leben bunter machen

Neben weiteren nützlichen Geräten wie dem Schritt- und Kalorienzähler, dem Blutdruckmessgerät, dem Seniorenhandy, dem Hausnotrufsystem, einem Tolino-E-Reader oder der LED-Leselupe gibt es aber auch Gerätschaften, die das Leben bunter machen. So etwa eine Wii-Spielekonsole samt Sportspiel, das Menschen in Bewegung bringt, einen digitalen Bilderrahmen, ein Fitnessarmband oder - für ganz mutige Digital-Senioren, eine VR-Brille.

Wer bei der Anwendung der Geräte Hilfe braucht, kann sich erst einmal ans Bibliotheks-Personal wenden, bekommt darüber hinaus aber auch Unterstützung bei Jan Erdmann im Digi-Treff, der regelmäßig im Haus der Begegnung an der Langen Straße in Habinghorst angeboten wird.

Wenn das Angebot in der Bibliothek gut angenommen wird, kann sich Melanie Heine, Bereichsleiterin Kultur, Weiterbildung, Qualifizierung, auch vorstellen, „dass die bisherigen Teilnehmer des Digi-Treffs ihr dort erworbenes Wissen zu gewissen Sprechzeiten hier in der Bibliothek an neue Interessenten weiter geben.“

Informationen und Zeiten

  • Ansprechpartner für das Projekt Digi-Qartier ist Jan Erdmann, zu erreichen unter Tel. (02305) 106-2899.
  • Fördergeber für die digitalen Produkte ist das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW.
  • Die Stadtbibliothek, Im Ort 2, ist geöffnet dienstags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags von 10 bis 18 Uhr, freitags von 13.30 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr.

Die Bibliothek erhofft sich vom neuen Angebot, das als Projekt erst einmal bis Ende April 2021 existieren wird, natürlich auch noch den einen oder anderen neuen Leser. „Wir denken zwar, dass das Angebot erst einmal verhalten angenommen wird“, so Bibliothekarin Elisabeth Langohr. Bislang mache die Gruppe der über 60-Jährigen etwa ein Drittel der Bibliotheks-Kunden aus, das neue Angebot passe da also gut in das Portfolio.

„Unser Gedanke dabei ist es, die Menschen mit moderner Technik in Kontakt zu bringen, die ihnen helfen kann, bis ins hohe Alter selbstständig bleiben zu können“, so Jan Erdmann, der das Projekt DigiQuartier in Habinghorst betreut.

Das Projekt DigiQuartier fördert eine alters-, familien- und behindertengerechte Quartiersentwicklung in der Region. Im Mittelpunkt steht der Nutzen der Digitalisierung für Jüngere, Ältere, Pflegebedürftige und Pflegende.

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Da die digitalen Helfer in der Regel nicht ganz preiswert sind, bietet die Bibliotheks-Variante zwei Vorteile: Wer ein Digital-Gerät tatsächlich nur hin und wieder braucht, muss sich kein Gerät selber anschaffen. Wer aber den Kauf eines solchen Produkts plant, könne sich hier erst einmal mit der Funktion vertraut machen, das Produkt kostenlos testen.

Das Angebot zielt dabei einmal auf die ältere Generation selbst ab, aber natürlich auch auf die Kinder- oder Enkel-Generation. Die kann in der Bibliothek gucken, was für Eltern/Großeltern in Frage kommt und als Ausleiher tätig werden.

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