Bürokratie behindert Digitalisierung an Schulen – auch in Castrop-Rauxel

rnSerie: Digitalisierung an Schulen

Fünf Milliarden Euro schwer ist der Digitalpakt, der 2019 gestartet ist. Bislang ist wenig davon in den Schulen angekommen. Wie es in Castrop-Rauxel aussieht, sagt Beigeordnete Regina Kleff.

Castrop-Rauxel

, 06.11.2020, 13:09 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Corona-Pandemie hat der Digitalisierung einen Schub gegeben. Auch in den Schulen sind Lern-Plattformen, iPads und White Boards inzwischen Alltag. „In die Digitalisierung ist Dynamik gekommen“, sagt die Beigeordnete Regina Kleff. „Und sie hat eine andere Richtung genommen.“ Doch an den Schulen in Castrop-Rauxel ist noch viel zu tun. Es gibt viele Baustellen.

Aus dem Digitalpakt und anderen Förderprogramme von und Land steht Geld bereit. Bereits im Frühjahr 2019 wurde der Digitalpakt verabschiedet. Nach Castrop-Rauxel fließen daraus 3,5 Millionen Euro. Für die Sofortausstattung mit Geräten für Schüler gibt es 532.300 Euro, für die Sofortausstattung mit Geräten für Lehrer 309.500 Euro.

Jetzt lesen

Beim Digital-Pakt geht es um Präsentationstechnik, um Infrastruktur und um Endgeräte. Die Grundschulen sollen zudem aus dem normalen Investitionsprogramm der Stadt und Förderprogrammen Tablet-Koffer anschaffen.

Nur ein Bruchteil von 5 Milliarden Euro wurde bundesweit abgerufen

Fünf Milliarden Euro stellt der Bund seit 2019 im Digitalpakt bereit. Nur ein Bruchteil wurde bundesweit bislang abgerufen. Auch in Castrop-Rauxel geht es schleppend. Regina Kleff ist deshalb froh, dass die Antragsfristen verlängert wurden. Sie sagt: „Wir werden keinen Euro liegen lassen.“

Castrop-Rauxels Sozialdezernentin Regina Kleff sagt, dass die Digitalisierung an Schulen Fahrt aufgenommen hat.

Sozialdezernentin Regina Kleff sagt, dass die Digitalisierung an Schulen Fahrt aufgenommen hat. © Stadt

Weshalb dauert alles so lange? Alle Schulen mussten ein „technisch-pädagogisches Konzept“ erstellen, um Gelder aus dem Digitalpakt zu bekommen. Um das zu schreiben, fehlen häufig Zeit und Personal. Zum anderen musste die Stadt die Anträge für alle Schulen gemeinsam einreichen. „Das war eine ausufernde Excel-Datei“, sagt Regina Kleff. Jetzt würden die Gelder nach und nach abgerufen. Das ist ein Grund.

Das Geld hilft. Aber es sei zu wenig, sagt Regina Kleff und nennt als Beispiel das Programm für die Sofortausstattung der Schüler. „1000 Geräte werden wir besorgen. 7500 Schüler müssten wir versorgen.“ Es muss also eine Auswahl getroffen werden. „Die bedürftigen Familien“ stehen im Fokus. „Eine undankbare Aufgabe, hier Fairness herzustellen“, sagt Regina Kleff. Die Stadt möchte mit jeder Schule einzeln besprechen, wie die Geräte, meistens iPads, verteilt werden. Diese Geräte werden an die Schüler übrigens nur verliehen.

Lieferzeiten sind unberechenbar, Engpässe werden befürchtet

Auch bei den Endgeräten kann die Stadtverwaltung wohl nicht alle Wünsche erfüllen. „Die Förderung über den Digitalpakt selbst ist pro Schule auf 25.000 Euro gedeckelt“, sagt die Beigeordnete.

Wann die Geräte kommen werden, kann niemand genau sagen. Zurzeit liegt der Antrag für die Schülergeräte der Bezirksregierung vor. Bei den Geräten für die Lehrer gibt es noch einen Haken. „Da die Förderung in diesem Fall nur die Anschaffungskosten, nicht aber den Unterhalt, die Wartungskosten und ähnliche Folgekosten deckt, liegt dem Kreis aktuell eine Stellungnahme der Stadt Castrop-Rauxel vor. Sobald diese beantwortet ist, erfolgt die Antragsstellung“, informiert die Stadt.

Dazu kommt: Die Lieferzeiten sind lang. Alle Städte und Gemeinden haben das Gleiche vor. Kritik gab es kürzlich, als das Ernst-Barlach-Gymnasium monierte, dass selbst 2018 bewilligte Geräte noch nicht in der Schule seien. Regina Kleff erinnert sich gut: „Die Ausschreibung für Beamer und die Befestigung liefen damals zweimal ins Leere.“

Der bürokratische Aufwand mit europäischem Vergaberecht und Ausschreibungen sei groß. Beim Elternstammtisch der Schulpflegschaften vor den Herbstferien habe sie den Verwaltungsablauf als „Durchblutungsstörung schlechthin in dem Digitalisierungsprozess“ bezeichnet, erzählt Regina Kleff. Was sie sich wünscht außer schlankeren Strukturen: „Mehr Unterstützung für Personal im Rathaus bei der Beschaffung und im IT-Bereich“.

Zur Situation: Den Schulen hat die Stadt im Laufe des zweiten Schulhalbjahrs, nachdem alle Schüler zu Hause blieben, die Lernplattform MNSpro Cloud zur Verfügung gestellt - und nicht auf die Lernplattform des Landes gewartet. Eine gute Entscheidung, kommentieren das die Schulen durchweg.

WLAN-Ausbau wird in den weiterführenden Schulen vorangetrieben

Über das „Gute Schule“-Programm wird der WLAN-Ausbau an den weiterführenden Schulen vorangetrieben. 2021 sollen die Grundschulen und die Hans-Christian-Andersen-Förderschule folgen. Aber es bleiben Baustellen: Fortbildungen für die Lehrer, Lizenzen für die Apps und Folgekosten sind für die Beigeordnete Stichworte.

In den Castrop-Rauxeler Schulen wurde in den Herbstferien am WLAN-Ausbau gearbeitet. Die Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen.

In den Schulen wurde in den Herbstferien am WLAN-Ausbau gearbeitet. Die Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen. © Stadt Castrop-Rauxel

Der Teufel stecke manchmal im Detail: Der WLAN-Ausbau umfasst die reine Verkabelung. Ein Breitbandanschluss ist damit noch nicht verbunden. Das sei „in Arbeit“, sagt die Stadt. Einen genauen Zeitplan könne man nicht nennen, es handele sich um ein kreisweites Projekt.

Wie sind die Schulen auf einen neuen Lockdown vorbereitet? „Es gibt jetzt viel mehr Infos über die Cloud. Lehrer sind geschult im Umgang mit der Cloud und geben das Wissen weiter. Es gibt auch einen Austausch unter den Schulen in Arbeitskreisen, die auch von Vertretern des Landes begleitet werden“, sagt Regina Kleff. Sie betont: „Ich nehme ein Riesenengagement in den Schulen wahr.“

Noch eines ist ihr wichtig. Es gehe um mobiles Arbeiten, falls Schüler in Quarantäne müssten oder es gar wieder Homeschooling für alle gebe. „Wie kann man Kinder punktuell zuschalten, das ist didaktisch spannend“, so Regina Kleff. Das sei das eine. Zudem gehe es um neue, pädagogisch sinnvolle Arbeitsformen direkt vor Ort in den Schulen. Darüber nachzudenken, das macht ihr abseits von Bürokratie und Hardware richtig Freude.

Serie

SIND UNSERE SCHULEN DIGITAL?

Die Corona-Pandemie wird oft als Beschleuniger der Digitalisierung beschrieben. In dieser Serie beschäftigen wir uns mit dem Stand der Digitalisierung in Castrop-Rauxels Schulen in zahlreichen Facetten – vom persönlichen Erleben von Lehrern und Schülern und Eltern bis zu übergreifenden Themen wie Ausstattung und Fördermitteln.
Lesen Sie jetzt