Für jedes Kind ein Tablet: Das können nicht alle Eltern finanzieren

rnSerie: Digitalisierung an Schulen

Wenn digitales Lernen zu Hause funktionieren soll, braucht es eine gute technische Ausstattung. 1000 Geräte will die Stadt besorgen. Für viele Eltern bleibt es eine finanzielle Kraftanstrengung.

Castrop-Rauxel

, 06.11.2020, 11:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Handy hat fast jeder Schüler. Aber reicht das, um im Homeschooling perfekt mitmachen zu können? Nein, sagen Lehrer, Schüler, Eltern. Ein Smartphone kann kein Arbeitsgerät sein. 1000 Endgeräte, vorzugsweise iPads, will die Stadt Castrop-Rauxel mit Bundesmitteln anschaffen und als Leihgeräte Schülern zur Verfügung stellen. Doch wie sie bei insgesamt 7500 Schülern verteilt werden, das steht noch nicht fest. Bedürftigkeit ist das Stichwort.

Mit Sorge sieht Alfred Horn, Schulleiter der Fridtjof-Nansen-Realschule, dass längst nicht jede Familie die passende Arbeitsumgebung bieten kann. Bei nicht wenigen Familien stehe eben nur ein Smartphone zur Verfügung. Wenn jetzt iPads kommen, sei es schwierig zu entscheiden, wer eines bekommen solle. Und wann die iPads kommen, weiß niemand. Angesichts der vielen Schulen im Lande, die auf dem gleichen Weg sind, erwartet der Realschulleiter Lieferschwierigkeiten.

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Für Alfred Horn zeigt die Situation eines: „Da sehen wir, dass es wichtig ist, dass die Schüler in die Schulen kommen.“ Dankbar ist er deshalb auch, dass der Lions-Club seiner Schule 20 iPads gespendet hat. So kann wenigstens in der Schule digitales Lernen ab und an erprobt werden.

Kinder aus sozial schwachen Familien bleiben auf der Strecke

An der Willy-Brandt-Gesamtschule wird, abgesehen von dem Stadt-Kontingent, nach einem Leasing-Verfahren gesucht, damit die Schüler auf diese Weise günstig zu einem Endgerät kommen. Schulleiterin Violetta Kroll-Baues sagt: „Wir sprechen mit den Eltern, was finanzierbar ist.“ Sie sagt ganz deutlich: „Jeder Schüler muss ein Endgerät haben.“ Davon sei man aber weit entfernt. „Es bleiben die auf der Strecke, deren Eltern das finanziell nicht leisten können.“

Eltern, die sich bei unserer Redaktion gemeldet haben, erzählen, dass es schwierig sei, Kindern die notwendige Ausstattung zu beschaffen. Wenn auch die Eltern zu Hause arbeiten, ist der einzige Rechner im Haushalt oft belegt. Vor allem, wenn es mehrere Kinder gibt, können nicht alle gleichzeitig digital ihre Hausaufgaben erledigen.

Mutter sagt, dass auch Leasing-Verträge nicht für jeden finanzierbar sind

„Unser Sohn ist jetzt in der 8. Klasse. Er hat das Ganze über sein Handy gemacht, da wir keinen Computer haben“, berichtet Sandra Rost. „Er selber fand es nicht so gut.“ Wenn digital gearbeitet werden solle, dann sollten alle Schulen dieses anbieten, und dabei vom Land unterstützt werden. „Es gibt weitaus genug Eltern, denen es nicht möglich ist, den Kindern die kleinsten Wünsche zu erfüllen. Wie sollen sie dann einen PC oder Laptop kaufen?“, sagt sie.

Dazu zählt für sie auch der Vorschlag, der von den Schulen komme, ein Laptop oder Tablet zu mieten. „Schlappe 27 Euro Monat plus eine 10-Euro-Flat, damit die Kinder auch immer Internet haben und alles nutzen können. Mal im Ernst, das können sich einige nicht leisten“, so Sandra Rost. Aber es werde inzwischen allgemein verlangt. Andere Leser sehen das ähnlich.

Vater setzt Prioritäten und setzt Kinderbonus für digitale Medien ein

Es gibt aber auch andere Meinungen, „Warum sollte jemand Probleme haben, seinem Kind einen guten gebrauchten Laptop/Notebook zu kaufen?“, schreibt uns Sascha Mücke. „Es gab doch 300 Euro von Vater Staat.“ Damit verweist der Castrop-Rauxeler auf den einmaligen Kinderbonus für Familien mit 300 Euro für jedes Kind mit Kindergeldanspruch. Der Vater von fünf Kindern setzt hier Prioritäten: „Dies war das erste, was ich von diesem Geld angeschafft habe.“

Serie

SIND UNSERE SCHULEN DIGITAL?

Die Corona-Pandemie wird oft als Beschleuniger der Digitalisierung beschrieben. In dieser Serie beschäftigen wir uns mit dem Stand der Digitalisierung in Castrop-Rauxels Schulen in zahlreichen Facetten – vom persönlichen Erleben von Lehrern und Schülern und Eltern bis zu übergreifenden Themen wie Ausstattung und Fördermitteln.
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