Dingener mahnen: Wie geht der Investor mit dem Gift um, das im Boden steckt?

rnSchacht Graf Schwerin

Die letzte Industriebrache der Stadt? So nannte Daniel Molloisch (SPD) bei der Bürgerversammlung in Dingen das geplante Wohnbaugebiet auf Schacht 3/4. Was ist da eigentlich mit Altlasten?

Dingen

, 02.11.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Etwa 60 Personen kamen zur Bürgerversammlung in Dingen am Montag. Viele teilen eine Sorge: Was ist mit den Altlasten, die dort im Boden stecken, wo bald ein neues Wohnbaugebiet entwickelt werden soll? Gifte, Staub, Matsch - Überbleibsel aus Jahrzehnten Bergbaugeschichte.

Als eine Drahtsteilbahn die Kohle transportierte

Hier war die Schachtanlage 3/4 der Zeche Graf Schwerin. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Schacht eröffnet, seit 1908 auch als Förderschacht betrieben. Eine Drahtseilbahn verband diesen Standort mit der Kokerei auf dem Schweriner Berg.

Dingener mahnen: Wie geht der Investor mit dem Gift um, das im Boden steckt?

Die Zeche Graf Schwerin 3/4 in Dingen, hier auf einer Aufnahme von der Schieferbergstraße / Ecke Dorlohstraße um 1965. © Helmut Orwat

Nach einer Förderpause in den 30er-Jahren ging im Zweiten Weltkrieg Wetterschacht 4 in Betrieb. 50 Jahre wurde hier Kohle gefördert, bis die Arbeiten 1960 eingestellt wurden. Dingen hatte lange Jahre Arbeitersiedlungen, von denen mit der Entwicklung des Neubaugebietes Bogenweg und den Neubauten auf der Talstraße heute nichts mehr übrig ist.

Die Zeche ist weg, die Altlasten sind geblieben

Von den Altlasten aber ist noch was da: Auf dem Gelände verblieben abgerissene Werksgebäude als Schotter. Darüber wuchsen Gräser, Büsche, Bäume, die das Gelände heute zu einem Kleinod machen.

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Vor einigen Jahren baute Benedikt Lessmann mit der Gropius-Projektentwicklung aus Herne direkt nebenan eine Stadtvillen-Siedlung: nur ein paar Häuser, die aber direkt am Hang zum Gelände angesiedelt sind. Einer der Bewohner äußerte auf der Versammlung seine Angst, andere taten ihm das gleich.

Bauarbeiten werden Staub aufwedeln

Es geht den Anwohnern um die Bauphase, wenn das Gelände vorbereitet wird: Kanäle graben, Bäume rausreißen, Untergrund fertig machen für den Bau von Straßen, Fundamenten, Leitungen.

Ein Anwohner der Schieferbergstraße, der der Redaktion bekannt ist, meint: „Es gab in der Vergangenheit mehrere Interessenten, die Bodenproben erstellt haben. Die Stadt scheint diese Informationen entweder nicht zu haben oder möchte die Anwohner nicht darüber in Kenntnis setzen“, schreibt er in einer Stellungnahme. „Einer geplanten Bebauung stand immer eine Sanierung im Millionenbereich entgegen.“

TBG Dobrindt hielt Aufbereitung für unwirtschaftlich

Das schreibt er vor dem Hintergrund einer Aussage des einstigen Technischen Beigeordneten Heiko Dobrindt. Der sagte 2018 in einem Stadtteil-Ausschuss im BBZ Dingen, dass dort viel Platz zur Verfügung stünde, aber die notwendige Aufbereitung eine wirtschaftliche Nutzung unmöglich mache.

„Das Gelände ist verseucht“, sagt ein Dingener beim Infoabend in der Runde. „Man muss doch prüfen, wie tief man gehen muss, um das Gelände abzutragen. Alle Anwohner haben dann den Dreck in ihrem Garten.“ André Schuster geht noch weiter: „Hier sind wir nicht mehr kompromissbereit. Sollte eine Sanierung ohne Gefährdung der Gesundheit der Bewohner des Stadtteils nicht möglich sein, werden wir alle Hebel in Bewegung setzen, um im Zweifelsfall die Planung zu stoppen.“

„Investor muss Sanierungskonzept vorlegen“

Bettina Lenort, die neue TBG, wies auf zu erstellende Gutachten hin und distanzierte sich von Aussagen von Amtsvorgängern. Isabel Rojo Pulido vom Bauordnungsamt sagte: „Der Investor muss ein Sanierungskonzept vorlegen.“

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