DNA-Gutachterin: Fremdübertragung unwahrscheinlich

Mord vor 25 Jahren

Wie kam eine Hautschuppe des Angeklagten auf den Leichnam von Nicole-Denise Schalla? Dazu hat das Schwurgericht am Donnerstag eine weitere DNA-Gutachterin gehört. Doch es bleiben Fragen.

Dortmund, Castrop-Rauxel

, 24.01.2019, 19:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
DNA-Gutachterin: Fremdübertragung unwahrscheinlich

Nicole Denise Schalla wurde 1993 getötet. © Archiv

Die mikroskopisch kleine Hautschuppe war im Leistenbereich der damals 16-jährigen Dortmunder Schülerin entdeckt worden. Aber wie ist sie dort hingekommen? "Es muss auf jeden Fall mehr als ein flüchtiger Kontakt gewesen sein", sagte die Gutachterin den Richtern des Dortmunder Schwurgerichts am Donnerstag. "Es reicht nicht aus, im Bus einfach aneinander vorbeigegangen zu sein." Die Leiche müsse schon angefasst oder es müsse auf ihr gekniet worden sein.

Da sich DNA-Spuren jedoch tatsächlich von Person zu Person übertrügen, sei es natürlich auch möglich, dass ein anderer Täter die DNA des Castrop-Rauxeler Angeklagten auf der Leiche hinterlassen habe. "Ausschließen kann man das niemals", so die Gutachterin. Trotzdem sei das in diesem Fall unwahrscheinlich. In der Regel finde man dann nämlich auch Hautschuppen des sogenannten Dritten.

Hautschuppen rieseln nicht einfach so herunter

Der Regen, der damals in der Tatnacht gefallen sein soll, dürfe bei diesen Überlegungen ebenfalls nicht außen vorgelassen werden. "Es wäre schon seltsam, wenn tatsächlich nur die DNA des Täters abgespült werde - und nicht die des Angeklagten", sagte die Gutachterin den Richtern.

Um eine heruntergerieselte Hautschuppe könne es sich eigentlich auch nicht handeln. Zum Beispiel von einer Person, die sich über den Leichnam gebeugt und zufälligerweise DNA-Spuren des Angeklagten auf der Kleidung getragen habe. "Das ist sehr unwahrscheinlich", so die DNA-Expertin. "Hautschuppen halten sich relativ gut." Und zwar auf der Kleidung genauso wie auf der Haut, zum Beispiel an einer Handfläche.

Angeklagter gibt sich weiter ahnungslos

Ralf H., der angeklagte Castrop-Rauxeler, gab sich auch am Donnerstag weiter ahnungslos. "Ich bin auch daran interessiert zu erfahren, wie meine DNA-Spur dorthin gekommen ist", sagte der 53-Jährige der Gutachterin. Möglicherweise, so seine Überlegung, habe sich Nicole-Denise Schalla im Bus an der gleichen Schlaufe festgehalten wie er. Vielleicht sei das sogar schon am Tag vor ihrem Tod passiert.

DNA-Gutachterin: Fremdübertragung unwahrscheinlich

Versteckt hinter einem Aktenordner: der Angeklagte. © Jörn Hartwich

Dann, so die Gutachterin, bleibe jedoch immer noch die Frage, wie die Hautschuppe dorthin gekommen ist, wo sie später gefunden worden sei. "DNA-Spuren wandern nicht", sagte sie den Richtern. Außerdem hätte sich die 16-jährige Schülerin dann einen Tag lang nicht waschen beziehungsweise duschen dürfen.

Die Staatsanwaltschaft wirft Ralf H. vor, Denise-Nicole Schalla im Oktober 1993 nach Verlassen eines Linienbusses im Dortmunder Jungferntal erwürgt zu haben. Er war nach dem Einsatz neuester DNA-Analysen im vergangenen Sommer festgenommen worden. Im Falle einer Verurteilung wegen Mordes droht ihm lebenslange Haft.

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