Dorf Rauxel: Vorwürfe gegen "Altro Mondo"

Mieter-Beschwerde über Immobilienfirma

"Schöner wohnen" steht auf dem Schild vor den Häusern. Bewohner des Schophofs in Dorf Rauxel behaupten jedoch das Gegenteil. Aus den Gebäuden von "Altro Mondo" hört man Klagen. Wir haben uns vor Ort umgesehen und die Immobilienfirma mit den Vorwürfen konfrontiert. Die setzt sich zur Wehr.

DORF RAUXEL

, 28.09.2017, 13:18 Uhr / Lesedauer: 3 min
Dorf Rauxel: Vorwürfe gegen "Altro Mondo"

Links: So sah es am 5. September in der Wohnsiedlung am Schophof aus. Das Gebäude Schophof 10 ist seit Monaten eingerüstet. Bauarbeiter wollen Bewohner dort schon seit Monaten nicht mehr gesehen haben. Rechts oben: Die Beleuchtung des fensterlosen Treppenhauses ist teilweise kaputt. Rechts unten: Die Vorgärten waren wochenlang nicht gepflegt worden, inzwischen wurde aber gemäht.

Ungepflegte Grünanlagen, verdreckte Treppenhäuser mit defekter Beleuchtung und eine Baustelle, die seit geraumer Zeit verwaist sein soll und die Nutzung des eigenen Balkones unmöglich macht. Der Kontakt zur Eigentümergesellschaft sei schwierig. Mit diesen Aussagen wendete sich ein Mieter, der in einem der Wohnhäuser am Schophof 2 bis 10 in Dorf Rauxel lebt, an unsere Redaktion. Wir machten uns ein Bild von der Lage vor Ort.

Im ersten Gespräch vor inzwischen vier Wochen schilderte uns ein Mieter aus Schophof 8, der seinen Namen nicht in diesem Artikel lesen möchte, den Zustand der Rasenflächen rund um die Häuser 2 bis 10: „Da kümmert sich seit Monaten niemand mehr drum. Genau wie um die Hausflure. Die werden nicht mehr geputzt und die Treppenbeleuchtung funktioniert nur auf jeder zweiten Halb-Etage.“

Probleme mit Schimmel

Das sei so, seit der Hausmeister und die Reinigungskräfte nicht mehr hier arbeiten würden. Bei den innen liegenden Hausfluren ohne Fenster ist eine anständige Beleuchtung aber wichtig. „Wenn die anderen Lampen auch noch ausfallen, tappen wir hier bald im Dunkeln“, sagte der Mieter. Als wir am Mittwoch (27.9.) noch mal die Anlagen begutachteten, stellten wir fest: Gemäht wurde inzwischen. Häufchen mit langem Gras liegen auf den Wiesen herum.

Auch habe der Mieter bereits im ersten Winter – die renovierte Wohnung bezog er vor anderthalb Jahren – mit Schimmel zu kämpfen gehabt. „Ich habe das damals dem Hausmeister gemeldet. Der hat Fotos gemacht und die an die Eigentümergesellschaft Altro Mondo weitergeleitet“, berichtet er. Nach einigen Wochen habe er noch einmal nachgefragt. „Man ließ mir ausrichten, ich würde falsch lüften.“

Kein Hausmeister da

Daran habe er Zweifel, denn viele Mieter der Häuser hätten ähnliche Probleme. So wie Ingrid Tregel: „Auch ich habe immer wieder feuchte Wände und meine Nachbarn kämpfen mit Schimmel“, sagt die Mieterin, die seit fünf Jahren im Gebäude am Schophof 4 wohnt, bei einem zweiten Vor-Ort-Termin vor zehn Tagen. „Das haben wir dem Hausmeister immer wieder gemeldet. Er hat es weitergegeben, aber es ist nie etwas gemacht worden.“

Der Hausmeister habe sich für die Mieter eingesetzt, aber sei nun nicht mehr da. Warum genau, kann Ingrid Tregel nicht sagen. Es gebe nur Gerüchte. Seit März habe sie zwei Etagen im Hausflur selbst geputzt. „Dass es keine Putzfrau mehr gibt, ist ärgerlich, aber der Dreck ist nun einmal da.“

Stillstand auf der Baustelle

Seit wir recherchieren (4.9.) - unter anderem mit einem Fragenkatalog an Altro Mondo  - kommt auch hier Bewegung ins Thema: Im Laufe der vergangenen Wochen seien seit geraumer Zeit wieder zwei externe Reinigungskräfte da gewesen und hätten den Hausflur gewischt. „Putzmittel habe ich keine gesehen, nur einen Eimer Wasser“, sagt Tregel.

Ein Mieter aus Haus 4 erzählt von der nicht zu übersehenden Baustelle am Haus 10. Anfang des Jahres hätten die Arbeiten dort begonnen, die Balkongeländer wurden abgebaut. „Das war eine Fachfirma“, so seine Einschätzung. Die weiteren Arbeiten an der Fassade des Gebäudes seien nach seiner Ansicht nicht fachgerecht ausgeführt worden, so der gelernte Maler und Lackierer. Seit einiger Zeit ist auf der Baustelle Stillstand. Warum, ist unklar.

Fragenkatalog an Altro Mondo

„Weil die Geländer fehlen, können wir unsere Balkone nicht betreten“, sagt eine Mieterin aus Haus 10. Auch sie will ihren Namen nicht nennen. „Den Balkon unserer Wohnung nutzen wir eigentlich, um unsere Wäsche zu trocknen. Das geht nicht.“ Die Arbeiter seien irgendwann einfach nicht mehr erschienen. „Einige Wohnungen sind nicht vermietet, da haben Arbeiter Balkontüren einfach offen gelassen“, erzählt die Frau. Dort hätten sich Vögel eingenistet, vieles sei verdreckt. Teile der Fassade am Haus 10 sind aufgebrochen und liegen seit Monaten offen, ohne dass dort gearbeitet wird.

Einen ausführlichen Fragenkatalog unserer Redaktion von Anfang September beantwortet eine Anwaltskanzlei im Auftrag der Altro Mondo in einem neunseitigen Schreiben. Daraus im Einzelnen zu zitieren, wird unserer Redaktion allerdings untersagt. Auch auf erneute Nachfrage gab es am Mittwoch keine Genehmigung einzelner Zitate, die Antworten auf die Beschwerden der einzelnen Mieter geben.

"Ich werde hier wohl wegziehen"

Darum sinngemäß nur in aller Kürze: Im Hausmeisterservice hat es einen Dienstleisterwechsel gegeben. Mieter bekommen für vier Wochen entsprechende Nebenkosten erstattet. Dem Lichtdefekt im Flur geht man umgehend nach. Bei Schimmelfällen wurde das Lüftungsverhalten von einem Fachbetrieb als Ursache festgestellt. Und die Fassaden und Balkone sind baufällig, die Arbeiten dienen dem Schutz der Mieter. Die Mieten werden für Betroffene reduziert.

„Ich werde hier wohl wegziehen“, sagt Ingrid Tregel. Schade eigentlich, denn die Wohngegend sei nicht schlecht. „Aber so geht das für mich einfach nicht weiter.“

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