Drei Generationen vor Gericht: Trio wollte tonnenschweren Scherenkopf als Schrott verkaufen

rnRiesen-Bauteil

Drei Generationen drückten gemeinsam die Anklagebank. Hatten sie einen tonnenschweren Scherenkopf gestohlen? Als der als Schrott verkauft werden sollte, wurde der Verwerter aufmerksam.

Castrop-Rauxel

, 18.03.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vater, Sohn und Enkel: Kein nettes Familientreffen, sondern eine gemeinsame Anklage brachte drei Generationen auf die Anklagebank im Castrop-Rauxeler Amtsgericht.

Es war nicht leicht, das Trio zusammen zu bekommen. Weil der 62-jährige Senior auf keine Post antwortete, wurde er in Berlin inhaftiert und musste drei Wochen auf die Verhandlung warten. Auch der Sohn musste gesucht werden. Der 43-Jährige wohnt wie sein Sohn (23) im westlichen Ruhrgebiet. Alle sind im Schrotthandel tätig.

Bauteil für Schrottpressen

Schrott brachte sie auch vor den Richter. Ihnen wurde vorgeworfen, im Mai 2018 von einem Industriegelände an der Klöcknerstraße einen riesigen Scherenkopf entwendet zu haben: Das ist ein Bauteil zur Herstellung von Schrottpressen.

In diesem Fall sollte es selbst in die Presse. Opa und Enkel hatten es schon mit einem Tieflader zu einem Schrottverwertungsbetrieb im Duisburger Hafen transportiert. Dort erkannte man die Herstellerfirma und hakte nach.

Der Scherenkopf hätte als Bauteil einen Wert von rund 100.000 Euro gehabt, so die Tochter des geschädigten Firmeninhabers, die selbst mit im Betrieb tätig ist. Den Schrottwert schätzte sie auf 2000 Euro.

Die Zeugin kannte den 43-jährigen Angeklagten. Der hatte, wie er selbst bestätigte, mit dem Vater Kontakt aufgenommen. Er wollte per Mietkauf auf dessen Gelände eine Firma aufbauen, gab er vor.

Angeklagter sagt: Aufräumaktion

„Wir hatten alles abgesprochen. Ich wollte zunächst monatlich 4000 Euro Miete zahlen und später das Gelände kaufen“, sagte der Angeklagte aus. Abgesprochen habe man auch, dass er das Gelände aufräumen könne.

Die Zeugin gab zu, dass das Gelände in einem unordentlichen Zustand gewesen sei: durch wiederholten Vandalismus. Aber von einer Entsorgung großer Bauteile wäre nie die Rede gewesen.

Der Mietkauf-Vertrag kam letztendlich nicht zustande. Und der Opa und der Enkel kamen nur ins Spiel, weil der 43-Jährige Schrotthändler an jenem Tag keine Zeit für den Abtransport gehabt habe. Er übertrug also diesen Job an die beiden. „Ich kannte das Gelände und die Firma gar nicht“, so der Senior. „Wir haben meinem Sohn nur einen Gefallen getan.“

Unglückliche Formulierung

Ein Schaden ist dem Firmeninhaber durch die Aktion nicht entstanden. Und weil der entworfene Vertrag unglücklich formuliert war – es stand tatsächlich darin, dass beim Aufräumen des Geländes „Teile“ entsorgt werden dürften – entschied der Richter auf Strafverzicht. Das ist möglich, wenn kein anderer Schaden erlitten hat und der Angeklagte durch die Folgen gestraft genug ist.

Gegen Opa und Enkel wurde das Verfahren ohne Auflagen eingestellt. Der Sohn muss 1500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.

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