Drei Monate Haft für taubstummen Einbrecher

Nach Zeugenaussagen

Er hatte behauptet, nur in Ruhe pinkeln zu wollen. Mit der Geschichte kam ein taubstummer Einbrecher aber nicht davon. Wegen anderen Diebstählen und Drogendelikten war er noch auf Bewährung, als ein Zeuge ihn in einem Lagerraum erwischte, wie er Diebesgut einsammelte. Jetzt wurde er zu drei Monaten Haft verurteilt.

CASTROP-RAUXEL

, 08.11.2016, 18:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vermutlich hat er gut daran getan, am Dienstag nicht im Amtsgericht nicht zu erscheinen: Für den 41-jährigen taubstummen Angeklagten lag inzwischen ein Haftbefehl vor. Ihm wird versuchter Diebstahl vorgeworfen. 

Der Gebärdendolmetscher wurde im Gerichtssaal daher nicht gebraucht. Verhandelt wurde trotzdem. Dieses Mal sagte der Zeuge aus, der den Angeklagten im Februar in Lagerräumen ertappt hatte, wo er sich seine Diebesbeute zurechtgelegt haben soll. Der 33-Jährige war zur Hauptverhandlung Ende Oktober nicht erschienen und konnte deshalb erst am Dienstag aussagen. Dafür musste er ein Ordnungsgeld zahlen und wurde von der Polizei zum Gericht gebracht, um sein Erscheinen sicherzustellen.

Zeuge schildert die Ereignisse in anderem Licht

Die Schilderung des 33-Jährigen ließ den Vorfall vom Februar in einem anderen Licht erscheinen, als der Angeklagte es zu Prozessbeginn dargestellt hatte. Der Angeklagte hatte angegeben, eine abgelegene Ecke gesucht zu haben, um seine Notdurft verrichten zu können. Er sei nur in die Lagerräume eingedrungen, weil die Tür dazu offen stand.

Der Zeuge dagegen sagte, er habe den 41-Jährigen in seinem Schuppen ertappt, als er dabei war, diverse Dinge wie Modeschmuck, alte Autoradios und Spiele in einen gelben Plastiksack zu verstauen. Irritiert, weil der ungebetene Gast auf Zuruf nicht reagierte, habe er ihm auf die Schulter getippt. „Erst da habe ich gemerkt, dass der Mann wohl taubstumm war“, sagte er. „Der ist dann geflohen und ich hinterher. Ich habe ihn gestellt und die Polizei gerufen.“

Drei Monate Haft ohne Bewährung

Auch eine weitere Zeugin wurde gehört. Sie konnte aus gesundheitlichen Gründen bei der Hauptverhandlung nicht dabei sein. Die Bewährungshelferin machte die Probleme des Angeklagten deutlich: Während der laufenden Bewährung wegen Diebstahls hatte ihr Klient, der auch einen gesetzlichen Betreuer hat, zunächst gut mitgearbeitet – bis der Kontakt im April plötzlich abbrach. Alkohol und Drogen hätten wohl wieder die Oberhand gewonnen, so die Vermutung. Zudem sei er vermutlich obdachlos geworden. Das hatte der Angeklagte auch selbst schon in der Hauptverhandlung erzählt.

„Keine gute Sozialprognose“, konstatierte die Staatsanwältin und forderte für den versuchten Diebstahl eine Freiheitsstrafe von drei Monaten ohne Bewährung. Es gab acht Vorstrafen, die meisten wegen Diebstahls und Betäubungsmitteldelikten.

Ein Diebstahl war es auch, der den Haftbefehl veranlasst hatte: Der Angeklagte hatte Waren im Wert von 8,53 Euro gestohlen. Dennoch hat er nicht nur die dreimonatige Haftstrafe kassiert, sondern auch seine laufende Bewährung verspielt. Bald wird er wieder eine feste Adresse haben: im Gefängnis.

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