Castrop-Rauxel, die Europastadt im Trockenen

rnKlimawandel

Die Hitze der vergangenen Jahre hat Castrop-Rauxel zugesetzt. Stadtbaurätin Bettina Lenort erläutert die Pläne der Stadt, um dem Klimawandel entgegenzutreten.

Castrop-Rauxel

, 19.08.2020, 13:59 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schon bei einem kleinen Spaziergang durch das Castroper Holz fällt auf, dass es deutlich herbstlicher aussieht, als es im Mitte August sein sollte. Die Bäume lassen die Blätter hängen. einige werden bereits braun und lassen das Laub fallen. Vereinzelt sind die Bäume sogar vollständig kahl und ausgetrocknet.

Die Dürre in den Wäldern ist kein neues Thema. Seit Jahren haben Städte, Wälder und Forstämter mit den Konsequenzen des Wassermangels zu kämpfen. Doch der Kampf wird immer schwerer. Strategien und Pläne der Castrop-Rauxeler Stadtverwaltung rund um das Thema Wassermangel hat uns Stadtbaurätin Bettina Lenort erläutert.?

Wie trocken ist der Wald in Castrop-Rauxel?

Es ist bereits der dritte Sommer in Folge, der sehr trocken ist. Dieses Mal ist die Hitzeperiode zwar kürzer, aber Niederschlag gab es trotzdem viel zu wenig und wenn es dann doch mal regnet, dann kann der Boden das Wasser nicht aufnehmen.

Der Präsident des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) Nordrhein-Westfalen Dr. Thomas Delschen, drückt es in einer Pressemitteilung so aus: „Das Niederschlagsdefizit ist so groß geworden, dass mehrere Jahre mit überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen nötig sind, um wieder einen Normalzustand zu erreichen.“

Das Blätterdach des Waldes wird immer wieder unterbrochen von kahlen und toten Bäumen.

Das Blätterdach des Waldes wird immer wieder unterbrochen von kahlen und toten Bäumen. © Nora Varga


Wie geht es den Wäldern in Castrop-Rauxel?

Es gibt mehrere Stressfaktoren, die dem Wald zusetzten. Es gibt den Trockenstress und den Hitzestress und das mittlerweile über einen langen Zeitraum. Mit Hitze kann der Wald sonst eigentlich gut umgehen, aber nicht in Kombination mit Trockenheit und über so einen langen Zeitraum.

Die Bäume sind geschwächt und können sich schlechter gegen Schädlinge wehren. Angeschlagene Bäume können nicht gut mit der Trockenheit umgehen: „Es ist ein Teufelskreis“, erklärt Bettina Lenort.

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Wie geht es den Bewohnern des Waldes?

Zumindest der Borkenkäfer freut sich. Vielen Insekten machen die Hitze und die Trockenheit nichts aus. Die Kreisjägerschaft füttert Wildtiere zu und stellt Tränken auf. Besonders die Säugetiere leiden unter der Hitze, ein massenhaftes Sterben der Waldtiere steht allerdings aus.

Das Castroper Holz ist Naherholungsgebiet für Familien, Hundebesitzer oder Jogger.

Das Castroper Holz ist Naherholungsgebiet für Familien, Hundebesitzer oder Jogger. Wer auf seinem Spaziergang genauer hinsieht, entdeckt, dass der Wald leidet. © Nora Varga

Was tut die Stadt gegen die Trockenheit im Wald?

Es ist sehr schwierig, die Trockenheit im Wald zu bekämpfen. Zum einen bringt es kaum etwas mit einer Gießkanne in den Wald zu gehen, auch nicht mit Hunderten Kannen. Zum anderen gehören die meisten Wälder nicht der Stadt.

Natürlich leidet nicht nur der Wald in Castrop-Rauxel unter den Folgen von Wassermangel, auch Parks, Stadtbäume und Wiesen trocknen aus. Hier kann die Stadt besser eingreifen. Die Parks werden im Rahmen der personellen Möglichkeiten gewässert und auch den Stadtbäumen wird unter die Arme gegriffen.

Die Dürre ist eine Folge des Klimawandels, der unaufhaltsam auf uns zukommt. Die Stadt möchte sich auch dafür wappnen und hat das Klima-Anpassungskonzept auf den Weg gebracht.

Was ist Bestandteil des Klima-Anpassungskonzept?

Das Klima-Anpassungskonzept soll die Stadt rüsten für die immer deutlicher werdenden Folgen des Klimawandels. Klimaextreme wie Dürre und Unwetter gehören dazu. Bis hinunter auf die Ebene einzelner Projekte will das Konzept gehen, zu dem auch Workshops gehören sollen, bei denen Bürger eingebunden werden.

Unter anderem ist es Teil des Planes, weniger Flächen zu versiegeln, also zuzupflastern und zu asphaltieren. Denn auf solchen Flächen kann das Wasser nicht wieder in den Boden sinken und Teil des Grundwassers werden, sondern verdunstet einfach. Flüsse, Seen und auch Wiesen und Baumflächen haben außerdem einen kühlende Wirkung in Städten.

Wer durch die Castroper Altstadt geht, der wird schnell bemerken, dass sie fast vollständig versiegelt ist. Nicht umsonst gehört das Zentrum zu einem der Hitzehotspots.

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Das Klima-Anpassungskonzept ist Anfang des Jahres in die Planung gegangen und steht also noch in den Kinderschuhen. Ideen gibt es aber schon jede Menge. So könnten Dachbegrünungen gefördert, Urban Gardening betrieben und Vorgärten unterstützt werden, die nicht versiegelt werden.

In einem ersten Schritt wird jetzt eine Bestandsaufnahme gemacht, darauf aufbauend soll das Konzept erarbeitet werden.

Die Treegator, die auch von den Castrop-Rauxelern aufgefüllt werden können, haben sich in diesem Sommer bewährt und sollen weiterhin eingesetzt werden.

Die Treegator, die auch von den Castrop-Rauxelern aufgefüllt werden können, haben sich in diesem Sommer bewährt und sollen weiterhin eingesetzt werden. © dpa


Was können die Castrop-Rauxeler tun?

NSie können zum Klimaschutz beitragen, indem sie beispielsweise das Auto stehenlassen und Tieren eine Vogeltränke zur Verfügung stellen. Speziell gegen die Trockenheit können die Castrop-Rauxeler einiges unternehmen:

Jeder Stadtbaum auf einer Verkehrsinsel freut sich über ein paar Eimer Wasser. Wer die Wasserwerke entlasten will, sollte nicht in den Abendstunden gießen, sondern morgens, damit der Verbrauch abends nicht so hoch ist. Wer seinen Vorgarten nicht versiegelt, der gibt dem Boden die Chance Wasser aufzunehmen und die Stadt zu kühlen.

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