Klaus Ehemann war Polizeibeamter und hat unter anderem 1972 in dem Tatort „Der Fall Geisterbahn" mitgespielt. „Das war ein tolles Erlebnis", erinnert er sich heute noch gern daran. © Thomas Schroeter
Tatort-Jubiläum

Echter Polizist Klaus Ehemann jagte im „Tatort“ einen Mörder

Klaus Ehemann ist Polizist gewesen. Und hat als solcher in einem Tatort und einem anderen Krimi Mörder gejagt. Ohne Gage, aber mit viel Spaß. Erinnerungen an Pyrotechnik und falsche Wappen.

Klaus Ehemann war Polizist. Erst in seiner Heimatstadt Castrop-Rauxel, wo er noch heute an der Amtstraße in Dorf Rauxel zu Hause ist, später in Dortmund. Bis zur Pensionierung.

Seinen sicher spektakulärsten und nachhaltigsten Einsatz als Polizeibeamter hatte er aber nicht in der realen Verbrecherverfolgung, sondern im Film. Genauer gesagt: in zwei Filmen.

Denn der heute 79 Jahre alte Klaus Ehemann und einige seiner Kollegen der Castrop-Rauxeler Wache, die damals noch an der Bahnhofstraße lag, spielten im Tatort „Der Fall Geisterbahn“ und auch in dem Krimi „Gefährliche Neugier“ mit, die der damalige WLT-Intendant Klaus Dieter Schwarze zu Beginn der 70er-Jahre als Regisseur in Castrop-Rauxel drehte.

Chef suchte Polizisten für Dreharbeiten

„Eines Tages kam mein Chef zu mir und sagte mir, ich solle mal die Kollegen fragen, wer Lust habe, in einem Film mitzuspielen“, erinnert sich Ehemann an den Auslöser seiner zweiten Karriere.

Natürlich fanden sich schnell Polizeibeamte, die Lust auf etwas Abwechslung vom Alltag als Streifenbeamte hatten. „Ich war da schon im Innendienst, habe mich aber auch sofort für den Filmeinsatz gemeldet“, sagt Ehemann.

Und so wirkte der Dorf Rauxeler 1970 zum ersten Mal vor der Kamera mit. In dem Streifen „Gefährliche Neugier“, in dem Claus Biederstaedt als Hobbydetektiv in einer angeblich norddeutschen Stadt eine Mordserie aufklärt. Allzu viel zu tun hatte Ehemann in diesem Film nicht, der seinerzeit von der Presse als „spannender Krimi für Zuschauer ab 15 Jahren“ empfohlen wurde, wie ein auf Krimis spezialisiertes Internet-Portal berichtet.

In der finalen Szene aber, als der Täter (gespielt von Günther Strack, der damals auch am WLT tätig war) in einer Villa festgenommen wird, ist Ehemann dabei und kümmert sich um die Ehefrau des Mörders.

Diese Frau wurde von Elisabeth Wiedemann gespielt, einem breiten Publikum noch heute bekannt als „dusslige Kuh“, wie Else Tetzlaff in der Fernsehserie „Ein Herz und eine Seele“ gern von ihrem charmanten Ehemann, „Ekel“ Alfred Tetzlaff (gespielt von Heinz Schubert) genannt wurde. Gedreht wurde die Szene in einer Villa in der Nähe des Bahnhofs Süd, so erinnert sich Ehemann.

Klaus Ehemann in dem weißen Polizei-Bulli, mit dem er und sein Kollege im Tatort „Der Fall Geisterbahn“ zur Kirmes rasen.
Klaus Ehemann in dem weißen Polizei-Bulli, mit dem er und sein Kollege im Tatort „Der Fall Geisterbahn“ zur Kirmes rasen. © Thomas Schroeter © Thomas Schroeter

Mehr zu tun und mehr Präsenz auf der Mattscheibe hatte Klaus Ehemann zwei Jahre später im „Geisterbahn“-Tatort, der schwerpunktmäßig auf der Kirmes in Castrop-Rauxel gedreht wurde. „In meiner ersten Szene fahre ich den weißen Polizei-Bulli, der zum Tatort gerufen wird“, erzählt Klaus Ehemann. Der hat ein DO-Kennzeichen, weil die Wache in der Europastadt damals noch zum Dortmunder Polizeipräsidium gehörte.

Mehrere Auftritte im Tatort „Geisterbahn“

Außerdem ist er in Szenen auf der Kirmes zu sehen, etwa als Polizeibeamter, „der mit dem Kommissar spricht, als dieser in der Gondel sitzend aus der Geisterbahn fährt“, so Ehemann. Und Ehemann ist auch in der diesmal sehr spektakulären Festnahme des Film-Bösewichts zu sehen, die im und am Haus Goldschmieding in Szene gesetzt wurde. „Das wurde abends nach Feierabend in der Dunkelheit gedreht mit viel Aufwand und ordentlich Einsatz von Pyrotechnik“, erzählt der Ex-Polizist.

Auch bei der Festnahme des Film-Bösewichts am Haus Goldschmieding waren Klaus Ehemann und andere Polizisten der Castrop-Rauxeler Wache dabei.
Auch bei der Festnahme des Film-Bösewichts am Haus Goldschmieding waren Klaus Ehemann und andere Polizisten der Castrop-Rauxeler Wache dabei. © Thomas Schroeter © Thomas Schroeter

Ein Drehbuch hätten weder er noch seine Kollegen jemals gesehen. Regisseur Hans Dieter Schwarze und dessen Mitarbeiter hätten immer direkt vor Ort erzählt, was man von den Polizisten sehen wollte. „Das klappte auch gut, da musste nicht viel wiederholt werden“, zeigt sich der Laiendarsteller noch heute etwas stolz auf seine Leistung.

Die Dreharbeiten hätten allen echten Polizisten, die unentgeltlich im Einsatz waren, überhaupt viel Spaß gemacht. „Es war spannend zu erleben, wie so ein Film gemacht wird und die echten Schauspieler mal so hautnah bei der Arbeit erleben zu können“, sagt Klaus Ehemann heute. Auch wenn man keine große Gelegenheit gehabt habe, mit einem Darsteller zu sprechen.

Die Polizeibullis mussten damals übrigens aus hoheitlichen Gründen ihre Dortmund-Kennzeichen behalten, auch wenn der Film angeblich in einer fiktiven Stadt spielte und bei fast allen anderen Nummernschildern im Streifen das „CAS“ in ein „OAS“ umgemalt wurde.

„Die Fahrzeuge mit OAS durften dafür nur in abgesperrten Bereichen genutzt werden und nicht im normalen Verkehr“, waren die Regeln laut Ehemann damals schon sehr penibel.

Und auch die lauten Polizeisirenen-Fahrten fanden nicht wirklich in der Stadt statt. „Für die Töne der Sirenen sind wir mit dem Polizeiwagen extra raus an den Kanal gefahren. Denn die Festnahme-Szenen spielten am Abend und da wollte man die Bürger nicht mit dem lauten Tatütata verstören“, erzählt der 79-Jährige von den Tricks der Filmemacher.

Weniger penibel war das Filmteam allerdings mit den Uniformen der echten Polizeibeamten am Set. Die hatten natürlich alle das Wappen Nordrhein-Westfalens auf dem Arm. „Die wurden für den Film überklebt mit dem hessischen Wappen, weil der Film für den Hessischen Rundfunk gedreht wurde.“

Zu weiterem Filmruhm ist Klaus Ehemann, der mit seiner Ehefrau Ulrike lange Jahre den Seniorentreff der Evangelischen Kirche in Dorf Rauxel ehrenamtlich geleitet hat, nicht mehr gekommen. Und im wahren Berufsleben als Polizeibeamter musste er keine Mörder jagen.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
Zur Autorenseite
Thomas Schroeter