Hambi Potter schießt weiter gegen die Castrop-Rauxeler Politik

rnAlte Eiche

Die Eichen-Rettung scheint in Sicht, vier Parteien haben schon einen entsprechenden Antrag an den Rat formuliert. Aber der Eichen-Besetzer trübt jetzt die Stimmung durch einen Facebook-Post.

Castrop-Rauxel

, 16.04.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

ANMERKUNG: In einer ersten Version dieses Textes schrieben wir, dass der Facebook-Post, der unten angeführt wird, vom Verein „Rettet die Eiche“ stammt. Der war im Impressum des Facebook-Accounts „Alte Eiche bleibt“ als Kontakt aufgeführt.

Nun ist das Impressum am Donnerstagmittag geändert worden. Dort gibt sich nun Johannes/ @HambiPotter als Kontakt an.

Darum haben wir den Text nun im Vergleich zum Ursprungswortlaut korrigiert.

Die Reaktionen auf die Nachricht, dass sich Stadt, Investor und Bund unter Moderation von Oliver Lind auf eine Rettung der Alten Eiche geeinigt haben, sind sehr unterschiedlich.

SPD, CDU, FWI und Grüne haben bereits einen gemeinsamen Antrag an den Rat formuliert. Wörtlich heißt es darin: „Der Rat beauftragt die Verwaltung mit der Einleitung eines vorsorglichen Verfahrens nach § 214 BauGB zur Heilung von mutmaßlichen Veröffentlichungsmängeln im Aufstellungsverfahren des Bebauungsplans 245 ‚Wohnen an der Emscher‘.

Dabei ist das Verfahren mit der Zielsetzung zu führen, dass die „Alte Eiche“ innerhalb einer angemessen großen Grünfläche dauerhaft erhalten wird. Die entsprechende Fläche soll bereits zeitnah durch die Stadt übernommen werden. Mittelfristig ist deren Übergabe an eine geeignete Stiftung zur dauerhaften Pflege und Erhaltung geboten.“

Zugeständnisse aller Beteiligten

Zur Begründung wird angeführt, dass der Erhalt der „Alten Eiche“ im Mittelpunkt der Diskussion der vergangenen Monate gestanden habe. Um diesen Fokus herum habe sich ein breites bürgerschaftliches Engagement entwickelt.

„Wir sind der Überzeugung“, so heißt es in dem Vier-Parteien-Antrag, „dass diese Auseinandersetzung einer politischen Klärung nicht nur bedarf, sondern gleichsam dazu auffordert – auch um die Lösungskompetenz und Leistungsfähigkeit des Rates unter Beweis zu stellen. Im Kompromiss müssen die Interessen der Bürgerinnen und Bürger, der Politik und des Investors berücksichtigt und ausgeglichen werden. Solche Kompromisse erfordern dabei Zugeständnisse aller Beteiligten.“

Jetzt lesen

Die CDU feiert das Übereinkommen in den Gesprächen mit Investor Dreigrund in einer Pressemitteilung natürlich als besonderen Erfolg des eigenen Bürgermeisterkandidaten Oliver Lind. Michael Breilmann betont dabei, dass die CDU es als Erfolg ansehe, „dass im gemeinsamen Gespräch nunmehr eine tragfähige Lösung im Gesamtpaket realisiert werden konnte“.

Die SPD-Fraktion sieht es natürlich als gar nicht so entscheidend an, wer für das Einlenken letztlich gesorgt habe. Die SPD Fraktion bedankt sich aber dezidiert bei der Bürgerinitiative „Rettet die alte Eiche“ für die konstruktiven Gespräche, die zu einer Lösung, wie sie jetzt vorliegt, entscheidend beigetragen hat. „Hier ging es um gegenseitiges Vertrauen, dass jetzt bestätigt wurde“, so Molloisch weiter.

Annette Korte: „Allein das Ergebnis zählt“

Und die Grünen freuen sich ausgiebig darüber, „dass sich ihre Initiativen zum Erhalt der Alten Eiche gelohnt haben und jetzt Bewegung in die Angelegenheit kommt.“ Ulrich Werkle betont: „Retter der Alten Eiche sind die Menschen, die sich mit Herzblut und großem persönlichen Engagement schützend vor die „Alte Eiche“ gestellt haben.“

Und Annette Korte von der FWI schriebt: „Ob es nun die Einsicht zu ökologischem Handeln war, oder einfach nur die bevorstehende Kommunal- und Bürgermeisterwahl, wäre eine sehr interessante Frage.“ Nach über einem Jahr des Kämpfens um den Erhalt der Eiche sei man jetzt aber am Ziel. Korte: „Dass diese Vorschläge alle schon mal auch von uns vorgelegt und abgeschmettert wurden, sei dahingestellt. Allein dieses Ergebnis zählt.“

Hambi Potter will weiter kämpfen

In all diesen Wein gießen jetzt aber der „Eichen-Besetzer“ Johannes HambiPotter sowie Dr. Ulrich Häpke, Sprecher der BUND-Ortsgruppe Ost-Vest ziemlich viel Wasser und sorgen damit nicht nur in der Politik, sondern auch auf Facebook für viel Irritation und Kopfschütteln.

Denn obwohl mit Dr. Thomas Krämerkämper vom BUND ein Eichen-Streiter mit am Verhandlungstisch gesessen hat, wird die Übereinkunft jetzt massiv in Zweifel gezogen.

Besonders ein Facebook-Post des Accounts „Alte Eiche bleibt“ sorgt dabei für Unruhe. In dem heißt es unter anderem: „Alte Eiche würde bleiben, sonst würde (fast) alles komplett platt gemacht werden. Soll jetzt durch die Fraktionen und möglichst bald durch den Rat gepeitscht werden, das hätten Oliver Lind (CDU), Thorsten Vehlhorst (Investor Dreigrund) und Bettina Lenort (Stadt) zumindest gerne. Gut, dass es vor einer Ratsentscheidung noch eine öffentliche Auslegung und Bürgerbeteiligung geben muss!“

Und auch Ulrich Häpke sät in einem Brief an die Redaktion Zweifel daran, dass der Kampf beendet sei. Er schreibt unter anderem: „Ist die Alte Eiche an der Heerstraße wirklich gerettet oder geht es um ein Wahlkampfmanöver?“

Ein Blick in den neuen Plan würde aus seiner Sicht weiterhelfen, wenn Höhenlinien eingetragen wären. Die Eiche stehe nämlich am tiefsten Punkt des Geländes, weil ringsherum „rund 40.000 Kubikmeter Bauschutt, industrielle Reststoffe und Bodenaushub aufgeschüttet werden sollen, um die Entwässerung des Baugebietes zu erleichtern“, so Häpke.

Der Standort der Eiche werde daher nach und nach immer feuchter, er werde vernässen und die Baumwurzeln liefen Gefahr, zu faulen. Ulrich Häpke: „Die Alte Eiche soll jetzt zwar nicht mehr abgeholzt werden, stattdessen droht ihr langsames Absterben.“

Lesen Sie jetzt