Spielen, gucken und lernen: Ein Tag am Schiffshebewerk Henrichenburg

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Der Wasserspielplatz am Schiffshebewerk Henrichenburg würde alleine keine weite Anreise lohnen. Aber die Lage mitten im Industriemuseum macht einen Besuch attraktiv – für Kinder und Erwachsene.

Henrichenburg

, 17.07.2020, 13:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Klar, wir waren schon mal am Schiffshebewerk Henrichenburg. Mit den Rädern, mit dem Auto. Aber auf dem Wasserspielplatz waren wir noch nie. Also los. Ihn zu finden, dürfte kein Problem sein. Selbst Google Maps kennt den Weg dorthin. Denken wir.

Auf der Fahrt zum Spielplatz ignorieren wir deshalb munter alle Hinweise auf die Parkplätze des Schiffshebewerks – bis wir feststellen: Google Maps weiß zwar um den Wasserspielplatz. Der Kartendienst weiß aber nicht, dass kurz vor dem vermeintlichen Ziel zwischen unserem Wagen und dem Spielplatz ein Tor steht. Das ist erstens geschlossen und zweitens kein Eingang zum Spielplatz.

Ein Blick über das große Gelände des Wasserspielplatzes Henrichenburg

Ein Blick über das große Gelände des Wasserspielplatzes Henrichenburg © Matthias Langrock

Wir stellen den Wagen ab und haben nun ein paar hundert Meter mehr zu gehen. Aber der Umweg ist zu verschmerzen. Am Ende werden wir sogar froh sein, dass wir nicht direkt zum Spielplatz fahren konnten.

Kaiser Wilhelm II. weihte das Schiffshebewerk ein

Das liegt an der Attraktivität des Fußwegs, der uns zwischen Museumskasse und Spielplatz am eigentlichen Hebewerk vorbeiführt. Eingeweiht vom Deutschen Kaiser Wilhelm II. am 11. August 1899 haben Schiffe diesen „Aufzug“ bis 1970 lang tatsächlich befahren. Seit 50 Jahren liegt die Anlage jetzt still, aber wie hier über Jahrzehnte Schiffe angehoben (oder abgesenkt) wurden, lässt sich für Besucher gut nachvollziehen.

Gebraucht wurde das Hebewerk, weil der Teil des Dortmund-Ems-Kanals, der Henrichenburg und den 15 Wasser-Kilometer entfernten Dortmunder Hafen verbindet, 15 Meter höher liegt als die drei weiteren Kanäle, die an diesem Wasserkreuz zusammentreffen: der Rhein-Herne-Kanal, der Datteln-Hamm-Kanal und der Dortmund-Ems-Kanal auf seinem Weg in Richtung Emsland.

Im Internet ist das auf der gut gemachten privaten Seite des Autors Sebastian Hellmann (www.ruhrgebiet-industriekultur.de) nachzulesen. Die Höhe wurde nicht etwa mit einem Seilzug überwunden, sondern allein mit Wasserkraft. Der Trog, in den die Schiffe fuhren, ruhte auf Schwimmkörpern in mit Wasser gefüllten Zylindern.

Schiffshebewerk ist Teil des LWL-Industriemuseums

Zum Museum machte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die Anlage 1979. Heute ist das Schiffshebewerk Henrichenburg einer von acht Standorten des LWL-Industriemuseums.

Den Trog besichtigen mein zehnjähriger Begleiter, der heute freiwillig als Testperson fungiert, und ich schon auf dem Weg zum Spielplatz. An diesem Samstag Anfang Juli 2020 ist hier nicht viel los. Um die Dimensionen des Industriedenkmals zu erfassen, ist das ideal: Die Größe des 68 Meter langen Trogs erschließt sich gleich noch mal so gut, weil keine andere Menschen außer uns davor und darin stehen.

Das Schiffshebewerk Henrichenburg hat deutlich mehr zu bieten als nur den Wasserspielplatz. Hier ein Blick von der Rückseite des Hebewerks auf die Hebewerks-Türme.

Das Schiffshebewerk Henrichenburg hat deutlich mehr zu bieten als nur den Wasserspielplatz. Hier ein Blick von der Rückseite des Hebewerks auf die Hebewerks-Türme. © Matthias Langrock

Wie die Technik funktioniert hat, um große Schiffe zu heben oder herunterzulassen, wird sehr verständlich auf Tafeln erläutert. Erklärungen soll auch eine App liefern, die allerdings nur auf Android-Smartphones läuft. Mit meinem iPhone kann ich sie nicht nutzen.

Auf geht’s zum Wasserspielplatz

Auf den besten Blick über die Anlage verzichten wir auf dem Hinweg. Dabei hätte der Weg durchs Treppenhaus auf die Hebewerks-Türme gar nicht mehr so lang gedauert. Hier kann man auf einer Brücke stehen und sowohl das Museumsgelände überblicken als auch die Kanäle sehen. Doch nach der Besichtigung des Trogs (und nach einer Vorab-Bratwurst in der Museums-Pommesbude) wird es nun Zeit für den Wasserspielplatz.

Bei unserer Ankunft präsentiert der sich in einem Zustand, der für einen Check ideal ist: leer. Nur eine einzige Familie verliert sich außer uns auf dem großen Gelände. Warten müssen wir nirgendwo. Das ist an diesem bewölkten 21-Grad-Tag sicher dem Wetter geschuldet, allerdings dürfen sich Corona-bedingt sowieso aktuell nicht mehr als 30 Menschen gleichzeitig auf dem Spielplatz aufhalten. Eine Zahl, die mir angesichts des sehr großzügigen Geländes übervorsichtig bemessen scheint. Aber sei‘s drum.

Für meinen Begleiter ist die erste Attraktion das kleine Floß, das an einem Seil hängt und an dem er sich alleine über den See ziehen kann. Zwei-, dreimal probiert er es aus, dann geht es weiter. Die Kletterwand befindet er für wenig attraktiv und der kleine Kran, aus dem man mit einem Eimer aus dem kleinen Kanal Wasser holen kann, ist eher was für kleinere Kinder.

Schaukel wird zur größten Attraktion unseres Besuchs

Doch da gibt es ja noch mehr. Zum Beispiel die kleine Kletteranlage mit Rutsche – vor allem aber die Schaukel, bei der man auf einem Teller sitzend von einem Rand einer Sandgrube zum anderen schwingt. Die Schaukel wird für die nächsten gefühlt 90 Minuten zum Mekka unseres Besuchs – zuerst nur für den Zehnjährigen, später kann ich mich auch nicht mehr entziehen.

Für uns die größte Attraktion an diesem Nachmittag auf dem Wasserspielplatz Henrichenburg: die große Schaukel über einer Sandgrube.

Für uns die größte Attraktion an diesem Nachmittag auf dem Wasserspielplatz: die große Schaukel über einer Sandgrube. © Volker Engel

Irgendwann ist aber doch eine Pause angesagt, weil wir nun nicht mehr die einzigen Besucher auf dem Spielplatz und bald auch nicht mehr die einzigen Schaukel-Fans sind. Wir nutzen die Unterbrechung, um uns der letzten verbliebenen Attraktion des Spielplatzes zu widmen, die wir uns noch nicht näher angeschaut haben: das kleine Modell des Schiffshebewerks, bei dem man selbst ausprobieren können soll, wie von 1899 bis 1970 die echten Schiffe gehoben und gesenkt wurden.

An einem Modell soll sich nachvollziehen lassen, wie die Schiffe im Hebewerk auf- und abgelassen wurden. Leider funktioniert es bei unserem Besuch nicht richtig.

An einem Modell soll sich nachvollziehen lassen, wie die Schiffe im Hebewerk auf- und abgelassen wurden. Leider funktioniert es bei unserem Besuch nicht richtig. © Volker Engel

Doch leider ist an diesem Tag irgendwas nicht in Ordnung. Das Schiff lässt sich trotz langen Kurbelns kaum bewegen. Auch andere Kinder und Erwachsene scheitern. Doch, Erleichterung, die Schaukel wird bald wieder frei, und die nächste Session dort steht an...

Erst nach mehr als zwei Stunden machen wir uns auf den Rückweg. Klar, er würde jederzeit wiederkommen, befindet der Zehnjährige. Auf dem Rückweg ist er noch fit genug für die Treppenstufen zur Brücke zwischen den Hebewerkstürmen. So nimmt er nicht nur den Spielplatz mit, sondern hat auch noch richtig was gesehen.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Besuch in Corona-Zeiten

  • Das LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 10–18 Uhr.
  • Erwachsene zahlen aktuell 3,50 Euro Eintritt, der ermäßigte Eintritt kostet 1,50 Euro. Für Kinder und Jugendliche sowie generell Schülerinnen und Schüler ist der Eintritt frei. Der reduzierte Eintritt für Erwachsene gilt, weil das Kessel- und Maschinenhaus aufgrund von Bauarbeiten für die neue Dauerausstellung geschlossen ist.
  • Corona-bedingt dürfen sich aktuell nicht mehr als 200 Besucher gleichzeitig auf dem Museumsgelände aufhalten, auf dem Wasserspielplatz ist die Zahl auf 30 Besucher begrenzt.
  • Alle weiteren Informationen gibt es hier: https://www.lwl.org/industriemuseum/standorte/schiffshebewerk-henrichenburg/
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