Ein Buch über den Castrop-Rauxeler "Palmenmann"

Interview zur Gründerszene

14 Gründer, 14 Geschichten: Im Buch „Palmen in Castrop-Rauxel“ geht es um mutige Menschen, die neben dem Beruf den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben. Der „Palmenmann“ Thomas Knappe aus Castrop-Rauxel ist einer von ihnen. Wir haben mit den Buchautoren über die Gründerszene Deutschlands gesprochen.

CASTROP-RAUXEL

, 26.08.2017, 06:39 Uhr / Lesedauer: 5 min
Ein Buch über den Castrop-Rauxeler "Palmenmann"

Das Cover des Buchs "Palmen in Castrop-Rauxel", das am 11. September erscheint.

Die Erfolgsgeschichte von Thomas Knappe voller Umwege soll jungen Gründern Mut machen, mutig zu sein, um ihren Traum zu verwirklichen. Wir sprachen mit den Autoren Dennis Betzholz und Felix Plötz über die Generation Y, die angeblich nichts auf die Kette kriegt, über das Herauskommen aus der Komfortzone und warum Palmen wunderbar zu Castrop-Rauxel passen.

 

2014 ist das Buch zunächst bei euch im Selbstverlag erschienen. Jetzt wird es neu herausgegeben. Warum?

Dennis Betzholz: Damals war das ein Selfpublishing-Projekt das durch Crowdfunding finanziert wurde. 2014 hatte es auch nur zwölf Geschichten. Jetzt gab es die Entscheidung des Verlags, es noch einmal neu herauszugeben. Das Thema Start-ups ist aktueller denn je. Wir habe noch zwei Geschichten hinzufügt, es ist also eine erweiterte Neuauflage.

Jetzt lesen

Woher kam die Buchidee?

Felix Plötz: Die Kurzfassung ist: Ich hatte eine Buchidee im Kopf. 2013 habe ich mein erstes kleines Büchlein veröffentlicht. Danach kam der Begriff Generation Y auf, zu der ich auch gehöre. Irgendwo konnte man immer lesen: Wir kriegen nichts auf die Kette. Ich war aber damals dabei, mein erstes Start-up zu gründen, neben dem Beruf. Ich fand diese Pauschalkritik unfair, aber ich glaube schon, dass viele Leute ihre Träume nicht verwirklichen und lieber in ihrem Job rumnörgeln. Es ist ganz viel Potenzial da in unserer und in allen Generationen, aber es fehlen einfach anfassbare Vorbilder. Die Erfolgsstorys aus unserem Buch sind auch mit Momenten des Scheiterns entstanden. Das Buch basiert also auch aus meiner persönlichen Erfahrung. Ich hatte Angst, meinen Job zu kündigen. Das hätte zu der Zeit auch das Problem nicht gelöst.

 

Im Buch heißt es, ihr kennt euch durch eine zufällige Begegnung und nur daher ist das Buch entstanden. Wie habt ihr euch kennengelernt?

Dennis Betzholz: Das war tatsächlich zufällig. Ich habe im Januar 2013 meinen Job verloren und eine neue Stelle beim Generalanzeiger in Bonn angefangen. Dort bin ich in eine 20-Personen-WG gezogen und Felix war quasi mein Vermieter. Er hat sein Zimmer untervermietet, weil er drei Monate durch Asien gereist ist. Als er zurückgekommen ist, wurde das Zimmer daneben frei und wir haben Tür an Tür zusammengewohnt. Felix hat mir von seiner Buchidee erzählt. Und mein größter Traum war es immer, bevor ich 30 werde, ein Buch zu veröffentlichen. Nachdem wir viele Abende darüber geredet hatten, wie man ein Buch schreibt und Interviews führt, haben wir überlegt, das zusammen zu machen. Die Idee zu „Palmen in Castrop-Rauxel war geboren.“

Wie seid ihr an die Start-ups gekommen?

Felix Plötz: Teilweise waren es Leute aus dem Bekanntenkreis, bei denen man den Aufstieg live miterlebt hat, zum Beispiel bei der Modedesignerin Eva Krsak. Der Palmenmann war mir bekannt durch Freunde, die in Castrop-Rauxel gewohnt haben. Man redet ja auch viel mit Leuten, wenn man so eine Buchidee hat. Und jeder kennt irgendwen, der wen kennt, der ein Start-up gegründet hat. Den DJ Nico Pusch fand ich einfach gut zu der Zeit. Genau wie ich den DJ Robin Schulz (ein heute sehr erfolgreicher deutscher DJ, Produzent und Labelbesitzer, Anm. d. Red.) damals total gut fand. Beide hatten damals nur wenige Follower, waren relativ unbekannt. Ich habe beide DJs angeschrieben, aber Robin Schulz hat sich nie gemeldet. Wie wir heute wissen, weil er total schüchtern war – vor allem in seiner Anfangszeit. Es ging alles unglaublich schnell. Die Leute zusammenzubekommen hat fünf Tage gedauert.

Dennis Betzholz: Wir wollten eine gewisse Auswahl haben, die das gesamte gesellschaftliche Leben widerspiegelt und Beispiele aus jedem Bereich haben. Der Traum von vielen Menschen ist es, Musiker zu sein, oder Modedesigner. Wir wollten die Träume der Großzahl der Leute aufgreifen. Denn wenn es nur abstruse Ideen gewesen wären, hätte das Buch einen anderen Dreh gehabt. Wir haben aber bei allen darauf geachtet, das drei Kriterien erfüllt sind: Das Start-up musste neben dem Job, ohne großes Startkapital, und nur durch machen und einfach ausprobieren entstanden sein.

 

Ihr selbst seid ja junge Gründer. Habt ihr Momente des Scheiterns erlebt, und wart kurz davor aufzugeben?

Dennis Betzholz: Ich muss mich noch mal selbst daran erinnern, wie es war. Es lief alles sehr schnell. 2013 haben wir mit dem Buch angefangen, 2014 ist es erschienen...

Felix Plötz: Ja, Ende 2014 kam dann die Idee zum Verlag, weil einer der zwölf Gründer aus dem Buch ein Youtuber war. Wir wussten jetzt, wie man Bücher macht, aber wir hatten keinen Flächenvertrieb. Youtuber haben etwas zu erzählen und sie brauchen keinen Flächenvertrieb, das passte also. Anfang 2015 kam das erste Projekt reingeflogen, was wir umgesetzt haben. Mit unserem Businessplan haben wir uns beim Wettbewerb der Frankfurter Buchmesse beworben und gewonnen. Das war die Eintrittskarte in die Buchbranche.

Es ist schon eine Erfolgsgeschichte. Es gab nie einen Moment, wo wir dachten, jetzt geht alles den Bach runter. Es gab zwar Rückschläge und man steckt viel Zeit und Energie in zehn Dinge von denen man weiß, dass neun nicht funktionieren. Aber dann gibt es eben das eine, das funktioniert. Und das weiß man auch.

Ihr wisst also von vorneherein, dass nicht alles funktioniert?

Dennis Betzholz: Ja. In unserem ersten Buch zum Beispiel ging es um Mobbing. Wir dachten, das passt perfekt an Schulen, weil dort Mobbing häufig passiert. Wir haben Dutzende Schulen angeschrieben – ohne Erfolg. Erst eine Krankenkasse hat das Buch in ein Anti-Mobbing-Projekt aufgenommen. Mittlerweile hat das Buch dadurch den Weg in Hunderte Schulen gefunden.

Felix Plötz: Wir haben uns eine Verlagsnische ausgesucht, in der es um Stars geht, die haben eigene Netzwerke. Es ist große Kraftanstrengung Kontakt aufzubauen und die von dem Projekt zu überzeugen.

Mittlerweile hat sich das bei denen eingetrichtert, dass das ein gutes Projekt ist, mit dem man auch eine andere Zielgruppe erreicht. Wir haben Pionierarbeit leisten müssen. Das war schwierig, denn das Buch als Medium passte nicht zum klassischen Youtuber. Bei Jugendlichen ist das Buch tot und Video lebt, hieß es damals. Da hat sich ein Wandel eingestellt. Viele Youtuber wollen jetzt ein Buch machen, weil sie wissen, dass es auch Werbung für sie ist und sie einen neuen Markt erschließen.

Jetzt lesen

Wieso sind so viele Leute nicht mutig genug, um ein Start-up zu gründen?

Felix Plötz: Es ist eine große Hürde, wie mit allem, wenn man unzufrieden ist. Es braucht erst mal viel Energie und Anlauf, bis man sich aus seiner Lage befreit, egal ob es der Job oder eine Beziehung ist. Viele Menschen haben auch nicht auf dem Schirm, dass es möglich ist, sich neben dem Job zu verwirklichen. Ich habe auch gedacht, das geht gar nicht, zwei Dinge parallel zu machen. Die meisten denken, entweder sie wechseln den Job oder sie machen sich „nur“ selbstständig und geben ihren eigentlichen Job auf.

Dennis Betzholz: Viele denken, wenn man etwas erreichen will, in einem Bereich, in dem man sich nicht so gut auskennt, muss man ein Übermensch sein. Aber das Buch zeigt, dass es ganz normale Menschen sind, wie du und ich, die erfolgreich sind. Jeder kann neben dem Job sein Ding machen, um das Sicherheitsgefühl zu wahren, aber man muss aus der Komfortzone herauskommen.

 

Der Titel bezieht sich ja nur auf eine Geschichte aus dem Buch. Wer hat den Titel festgelegt?

Dennis Betzholz: Nach einer kurzen Brainstorming-Einheit stand der Titel fest. Er symbolisiert, dass man nicht in Berlin, Hamburg oder München sein muss, um seine Ideen zu verwirklichen. Die beste Idee passt manchmal auch nicht zusammen, wie Palmen in Castrop-Rauxel. Das verkörpert dieser Titel, auch wenn es nur eine Geschichte widerspiegelt.

 

Habt ihr eine Lieblings-Gründergeschichte aus dem Buch?

Felix Plötz: Eigentlich steht jede Geschichte auf eine andere Weise für sich, in die Geschichten fließt viel von uns als Autoren ein. Es sind ja nicht nur Lebensläufe der Gründer. Wir wollten die Hürden runterreißen für den Leser. Als Leser kann ich etwas davon mitnehmen und denken „wenn die das geschafft haben, das kann ich das doch auch“.

Das Buch „Palmen in Castrop-Rauxel“ erscheint am Montag, 11. September, im redline Verlag, 288 Seiten, 14,99 Euro.

Das sind Betzholz & Plötz
-Dennis Betzholz ist 1985 in Oberhausen geboren. Er hat Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Uni Duisburg-Essen studiert. Sein Volontariat absolvierte er bei der Funke-Mediengruppe. Er ist Redakteur bei „Die Welt“ in Hamburg.
-Felix Plötz (geboren in Herten, 1983) ist Diplom-Wirtschaftsingenieur und Autor. Sein Buch „Das Vier-Stunden-Start-up“ ist ein Bestseller. Es gehört zu den meistverkauften Wirtschaftsbüchern Deutschlands. Er ist als jüngster Redner in die Riege der renommierten Handelsblatt-Redneragentur aufgenommen worden.
-2015 gründeten Dennis Betzholz und Felix Plötz den Verlag „Betzholz & Plötz“, der mittlerweile von den Ullstein-Verlagen aufgekauft wurde.

Lesen Sie jetzt