Im Oktober 1927 wird der Bauunternehmer Wilhelm Voigt erschossen. Schnell gibt es erste Tatverdächtige. Doch der Mord konnte nie aufgeklärt werden.

Rauxel

, 25.04.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit es Menschen gibt, gibt es auch Streit. Und der endet manchmal mit Toten. So wie beim Kaufmannsmord von 1927, der sich in Castrop-Rauxel ereignete.

Die Geschichte um den Bauunternehmer Wilhelm Voigt beginnt in der Nacht zum 22. Oktober 1927. Er wohnt zu der Zeit mit seiner Frau an der Bahnhofstraße. Mitten in der Nacht wird er von einer Alarmglocke geweckt. Als er aufsteht, hört er eigenartige Geräusche aus dem Erdgeschoss des Hauses.

Täter kann unerkannt flüchten

Er geht die Treppe hinunter, um nachzusehen. Seine Frau ist mittlerweile auch wach und folgt ihm. Dann fallen Schüsse. Die Frau erstarrt, ein Mann kommt ihr entgegen und richtet die Waffe auf sie. Ihr Glück: Das Magazin der Pistole ist leer. Der Mann flüchtet aus dem Haus.

Ihr Mann hatte dieses Glück nicht. Die Frau findet ihn röchelnd und in einer Blutlache in einem Raum neben der Küche. Der Notarzt ist schnell vor Ort, doch auch die Ärzte können ihn nicht mehr retten. Wilhelm Voigt stirbt im Evangelischen Krankenhaus gegen 7.45 Uhr an einem Kopfschuss.

Bevölkerung soll Hinweise liefern

In den Wochen darauf war die Polizei im Dauereinsatz. Auch Spürhunde halfen bei der Suche des Mörders. Die Witwe gab an, dass der Täter nur 1,55 Meter groß war und lange zottelige Haare hatte. Zeugen hingegen berichten von zwei Männern, die aus dem Haus der Voigts geflohen waren.

Am 16. März 1928 berichtet die Zeitung, dass der Mord aufgeklärt ist. „Den eifrigen Bemühungen der Polizei, Landjägerei und Landeskriminal-Polizei zu Dortmund ist es gelungen, die scheußliche Tat an dem Bauunternehmer Voigt aufzuklären“, hieß es damals. „Die Täter sind in Haft. Es handelt sich um ganz raffinierte, schwer vorbestrafte Einbrecher, die lange Zeit im ganzen rheinisch-westfälischen Industriegebiet schwere Einbrüche verübten.“

Polizei nimmt zehn Personen fest

Daher gebe es noch weitere Verbrechen, vor allem Einbrüche, die den Tätern zur Last gelegt würden. So sollen sie auch in Verbindung mit einer Einbrecherbande gestanden haben, die in Herne-Sodingen gefasst worden war. Zehn Personen wurden verhaftet, zwei von ihnen wird der Mord an Wilhelm Voigt zugeordnet. Einer ist der polizeibekannte Wilhelm Giboni.

„Es handelt sich um ganz raffinierte, schwer vorbestrafte Einbrecher.“
Aus einem Zeitungsartikel von 1928

Die Zeitung schrieb dazu: „Die Bürgerschaft von Castrop-Rauxel begrüßt es besonders freudig, dass endlich Licht in eines der vielen immer noch unaufgeklärten Verbrechen gebracht wird, die den letzten Monaten die hiesige Bevölkerung beunruhigten.“

Die Polizei hatte das Warenlager der Castrop-Rauxeler Bande im Pöppinghauser Wald gefunden. Es befand sich etwa 150 Meter vom Hafen entfernt, im dichten Untergehölz, circa 20 Zentimeter in der Erde verborgen. Dort befand sich unter dem Diebesgut auch der Schlüsselbund aus der Villa des beim Einbruch erschossenen Baumeisters Voigt. Die Ehefrau des Getöteten hatte die Schlüssel bei der Polizei wiedererkannt.

Das Diebesgut im Lager

Im Diebeslager befanden sich auch Wertpapiere und Aktien der Rhein-Ruhr-Gesellschaft, eine braune Geldkassette, eine Revolvertasche, sechs Schlüsselbunde mit 66 Schlüsseln, ein grün gestreifter wollener Kaffeewärmer, ein Handtuch und ein kleiner Holzkasten, der mit roter Seide ausgelegt war.

Einige der gefundenen Schlüssel wurden als Schlüssel der Rütgerswerke identifiziert. Dort hatte es zuvor mehrere Einbrüche gegeben.

Männer wieder auf freiem Fuß

Doch am 28. Oktober 1928 gab es eine überraschende Wendung: Die beiden Männer, die im Mordfall Voigt festgenommen worden waren, wurden wieder auf freien Fuß gesetzt, weil man ihnen nichts nachweisen konnte. Sie wurden kurze Zeit später wegen diverser Einbrüche zu Zuchthausstrafen verurteilt - zu dem Mord an Wilhelm Voigt aber schwiegen sie.

So ist der Mord bis heute nicht aufgeklärt und die Frage bleibt: Wer hat Wilhelm Voigt 1927 bei einem Einbruch in sein Haus erschossen?

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