Privatdetektiv aus Castrop-Rauxel packt aus: Von Frauenunterwäsche und lüsternen Pastoren

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Es macht ihm Spaß, Menschen zu überführen, die sich für besonders clever halten. Ein Privatdetektiv aus Castrop-Rauxel plaudert im Interview aus dem Nähkästchen.

Castrop-Rauxel

, 17.10.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der anonyme Privatdetektiv fährt einen Wagen mit Castrop-Rauxeler Kennzeichen. Wo er wohnt, sagt er nicht. Seinen Namen erst recht nicht, er dürfe bei seinen Einsätzen schließlich nicht erkannt werden. Der 57-Jährige ist seit 38 Jahren Privatermittler und leitender Mitarbeiter der Detektei „A Plus Detective“ mit Sitz in Gladbeck.

Eines seiner Einsatzgebiete ist Castrop-Rauxel, aber er sei dienstlich weltweit unterwegs. Er ist verheiratet und hat Kinder. Wie viele, lässt er ebenfalls offen.

Mit welchen Problemen kommen die Kunden aus Castrop-Rauxel und Umgebung in Ihre Kanzlei?

Der Klassiker sind Partner in einer Beziehung, die vermuten, dass der jeweils andere fremdgeht. Häufig beauftragen uns auch Arbeitgeber, um zu kontrollieren, ob ihre Mitarbeiter tatsächlich krank sind oder nur simulieren. Fast wöchentlich erhalten wir außerdem Frauenunterwäsche, weil uns die Partner darum bitten, diese auf Spermaspuren zu untersuchen.

Wie kommen Sie den Beschuldigten auf die Schliche?

Die Unterwäsche schicken wir ins Labor und dann wissen wir, ob es sich um Sperma oder eine andere Flüssigkeit handelt. Wir können zwar nicht sagen, von wem das Sperma ist. Aber wenn eine Frau behauptet, sie war mit Freundinnen Kegeln und kommt mit einem spermabefleckten Höschen nach Hause, dann ist die Sache klar. Außerdem gehört Observation in unserer Arbeit zur täglichen Routine.

Was zahlen die Kunden für Ihre Dienste?

Über Geld reden wir öffentlich prinzipiell nicht, aber es gibt nicht den einen Preis. Wenn ein Fall bei der ersten Observation aufgedeckt wird, zahlt ein Kunde natürlich weniger, als wenn mehrere Versuche notwendig sind. Von 200 Euro bis 200.000 Euro ist alles dabei. Größere Summen werden fällig, wenn es um Diebstähle in Millionenhöhe geht.

Warum gehen Ihre Klienten nicht zur Polizei?

Viele Unternehmen möchten nicht, dass interne Angelegenheiten an die Öffentlichkeit gelangen. Das gleiche gilt für Familien, in denen jemand des Diebstahls bezichtigt wird.

Wie sind Sie Privatdetektiv geworden?

Es wurde mir in die Wiege gelegt, weil mein Vater schon Privatdetektiv war. In den 70er-Jahren hat er mich als Jugendlicher mit zu den Einsätzen genommen. Dabei habe ich ihm über die Schulter geschaut und habe auch geholfen.

Mit 18 war ich bei der Bundeswehr und habe parallel als Privatdetektiv gearbeitet und bin dort nach meinem Wehrdienst geblieben. Meine 22-jährige Tochter arbeitet jetzt auch in meiner Firma und tritt in meine Fußstapfen.

Was ist Ihre Motivation für diesen Beruf?

Es ist sehr abwechslungsreich, weil ich jeden Tag mit anderen Fällen zu tun habe. Es macht mir vor allem Spaß, Menschen zu überführen, die sich für besonders clever halten.

Was für Menschen arbeiten in ihrer Detektei?

Es gibt nicht den einen Privatdetektiv. Etwa 75 Prozent der Mitarbeiter sind ehemalige Soldaten, Geheimdienstler vom Militärischen Abschirmdienst, dem Bundesnachrichtendienst oder pensionierte Polizisten. Als Soldat ist man mit 53 Jahren Rentner. Statt zu Hause mit den Frauen zu streiten, kommen einige dann zu uns.

Die anderen 25 Prozent sind Quereinsteiger. Wir haben Elektriker in unserer Lauschabwehreinheit, die vor allem nach Wanzen suchen. Wir haben auch Videotechniker, die damit beauftragt werden, kaum sichtbare Überwachungskameras zu installieren. Wer aus einem fachfremden Beruf zu uns wechselt, bekommt eine Schulung in den Grundlagen der Detektivarbeit.

Welche Qualifikationen sollten Ermittler mitbringen?

Geduld ist sehr wichtig, gerade wenn es um Observation geht. Einwandfreies Deutsch ist unbedingt notwendig, wenn Berichte zur Dokumentation verfasst werden. Ohne Führerschein geht nichts, weil wir als Detektive viel unterwegs sind und unsere Mitarbeiter dürfen außerdem keine Vorstrafen haben.

Können Sie mir von einem skurrilen Fall in Ihren 39 Jahren als Detektiv berichten?

Jemand hatte uns beauftragt, seine Ehefrau in ihrer Freizeit zu beschatten. Sie stand unter Verdacht fremdzugehen. Wir observierten sie und fanden heraus, dass sie mit einem Mann für mehrere Stunden im Hotelzimmer verschwand. Wir hatten somit eine Beschreibung der Begleitperson und das Autokennzeichen. Dem Ehemann war aufgrund der Informationen klar, dass es sich um den Pastor der Heimatgemeinde handeln musste. Die haben bestimmt nicht den Rosenkranz gebetet.

Wissen Sie, wie der Ehemann reagiert hat?

In dem Fall hat er sich nicht gemeldet. Selten sagen uns die Auftraggeber, wie es danach weitergegangen ist. Manche sagen, dass sie selbst nicht mehr treu sind und wieder andere lassen sich anschließend scheiden.

Haben Sie kein schlechtes Gewissen, wenn durch ihre Arbeit Ehen zugrunde gehen?

Nein, überhaupt nicht. Ich forsche und berichte. Das ist so ähnlich, wie der Job eines Journalisten. Ich lasse keine Blondine à la Heidi Klum jemanden anmachen, um Personen auf diese Weise zu überführen. Da könnte ich auch nicht widerstehen.

Hatten Sie auch schon Misserfolge als Privatdetektiv?

Ja, die gehören dazu. Und wer das Gegenteil behauptet, der lügt. Selbst Johann Lafer hat schon einen Auflauf vergeigt. Ich habe mal die Zielperson verloren oder bin bei einer Observation aufgeflogen.

Laut der Kriminalstatistik war die Kriminalität 2018 so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Können Sie diesen Trend auch bei Ihrer Arbeit beobachten?

Wir hatten 2018 die höchste Fallzahl überhaupt. Gerade im Bereich der Cyber-Kriminalität steigen die Aufträge. Im Netz wimmelt es vor Heiratsschwindlern oder es werden Produkte angeboten, die es gar nicht gibt. Unser Job ist es, die Hintermänner zu finden.

Wie werden die Kunden auf Sie aufmerksam?

Ein Großteil der Kunden kommt über Empfehlungen oder nimmt unsere Dienste wiederholt in Anspruch, darunter sind viele Versicherungen und Rechtsanwälte. Die meisten finden uns über das Internet und Werbeanzeigen.

Wie viele Fälle haben Sie in Castrop-Rauxel?

Das wüsste unsere Konkurrenz gerne. Es ist ein Betriebsgeheimnis.

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