Dutzende Reifen illegal in der Natur entsorgt

rnUmwelt

In der Nähe von Schloss Bladenhorst haben Unbekannte eine dreistellige Zahl an Altreifen abgeladen. Die Ermittlungen gestalten sich in solchen Fällen nicht ganz einach.

Castrop-Rauxel

, 02.10.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Selbst die locker weggeschnippte Kippe oder die achtlos weggeworfene Cola-Dose gelten heute nicht mehr als Kavaliersdelikt, doch diese Umweltsünde in Castrop-Rauxel besitzt noch mal eine andere Qualität: Am Regenüberlaufbecken Victorstraße/Kreuzung Westring, unweit von Schloss Bladenhorst, haben Unbekannte alte Autoreifen „entsorgt“. Und zwar nicht einige wenige, sondern gleich eine dreistellige Anzahl.

Rafael Häusler fuhr am Sonntagnachmittag mit dem Rad an der Victorstraße vorbei, als ihm der Reifenberg ins Auge stach und für „Ensetzen“ sorgte. Doch damit nicht genug: Nur ein paar Meter weiter entdeckte er den nächsten Stapel.

Dreiste Mengen

In beiden Fällen vermutet Häusler durchaus begründet „Transporterladungen“, denn ein normaler Pkw reiche für den Transport einer solchen Zahl Reifen schlichtweg nicht aus. „Ich habe ja schon an vielen Stellen illegal abgeladenen Müll gesehen, aber hier bislang noch nicht“, sagt Häusler. „Und vor allem nicht in solch dreisten Mengen.“

Tatsächlich dürfte es sich kaum um einen privaten Verursacher handeln, denn Platz für mehr als 100 Altreifen bieten nur die wenigsten Garagen. Auch typische Kreide-Schriftzüge wie „HL“ für „hinten links“ auf den Reifen deuten darauf hin, dass sich hier jemand seines Mülls entledigt hat, der professionell mit Autos oder Reifen zu tun hat.

Dutzende Reifen illegal in der Natur entsorgt

Wenige Meter vom ersten Reifenstapel entdeckte Rafael Häusler eine weitere große Anzahl illegal entsorgter Altreifen. © Privat

„Solche Größenordnungen werden bei uns als Umweltdelikt bearbeitet“, erläutert Michael Franz, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Recklinghausen, dass es sich nicht um eine Bagatelle handelt. Gerade wenn die Gefahr einer Umweltgefährdung vorliege, beispielsweise die Verunreinigung des Bodens, handele es sich um eine Straftat. Über die Höhe der Strafe müsse letztlich ein Richter entscheiden.

Als Ermittlungsbehörde fahnde die Polizei in solchen Fällen nach dem Verursacher; wobei sich die Ermittlungen bei illegal entsorgtem Müll, der auch Schriftverkehr und damit meist Namen beinhaltet, einfacher gestalten. Nichtsdestotrotz erinnert sich Franz an einen Fall in Recklinghausen, wo sich vor rund zwei Monaten ein Gewerbetreibender als illegaler Reifenentsorger entpuppte.

Anzeige erstatten

Allerdings muss zunächst jemand eine Anzeige erstatten, ehe die Polizei aktiv wird. Rafael Häusler hat seinen Fund auf der Homepage der Stadtverwaltung gemeldet; ob die Stadt tatsächlich Anzeige erstattet, vermochte deren Pressestelle am Montag noch nicht zu beantworten.

Lesen Sie jetzt