Endgültiges Aus für die Give-Box auf Schwerin

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Der erneute Rettungsversuch für die Give-Box auf Schwerin ist gescheitert. Die Alu-Box wird abgebaut. Trotz des Einsatzes einer Mini-Jobberin gab es weiter Vermüllung. Und Fäkalien.

Schwerin

, 14.08.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Ende ist unrühmlich, traurig und macht sogar Sorgen: Es geht um die Give-Box auf Schwerin. Jetzt steht fest, dass ihre Tage gezählt sind. Sie wird abgebaut. Ein erneuter Versuch, das Angebot aufrecht zu erhalten, ist gescheitert.

„Ich bin so was von entsetzt und enttäuscht,“ sagt Eva Steininger-Bludau, Kreistagsabgeordnete, Vorsitzende des Sozialausschusses im Kreis und stellvertretende Chefin des SPD-Ortsvereins Schwerin-Frohlinde-Dingen, dessen Vorstand am Mittwoch, 12. August, den entsprechenden Beschluss fasste. Und die ehemalige Landtagsabgeordnete fügt hinzu, sie sei mindestens irritiert über den offensichtlichen sozialen Zerfall der Gesellschaft.

Ein Kampf gegen Windmühlenflügel

Was ist passiert? Nachdem die Klagen und die Feststellung über die Vermüllung der Give-Box im Frühsommer 2020 erneut Fahrt aufgenommen hatten und das Aus besiegelt schien, hatte Steininger-Bludau den Versuch gewagt, über einen Mini-Job die Give-Box zu retten. Sie wurde komplett leer geräumt und gesäubert. Fortan kümmerte sich eine Anwohnerin zwei Mal in der Woche um die von Bürgerinnen und Bürgern eingebrachten Tauschartikel und um Sauberkeit.

Offensichtlich ein Kampf gegen Windmühlenflügel. „Einen Tag nach dem Einsatz der Mini-Jobberin sah es wieder absolut chaotisch aus“, sagt Eva Steininger-Bludau in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Soll heißen, es gab wieder nächtliche Besuche in und an der Give-Box am Neuroder Platz.

Am 12. August standen u.a. ein Flachbildschirm, eine Kaffeemaschine und ein Staubsauger in der Give-Box.

Am 12. August standen u.a. ein Flachbildschirm, eine Kaffeemaschine und ein Staubsauger in der Give-Box. © Schlehenkamp

Ungebetene Besucher verrichteten wieder ihre Notdurft

Es sei Müll illegal abgekippt worden, Geschirr zerdeppert, die „Besucher“ hätten ihre Notdurft dort verrichtet und die Kleidung sei als Toilettenpapier benutzt worden. „Wir sind doch nicht für die Müllentsorgung da“, empört sich Steininger-Bludau.

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Wissen muss man in diesem Zusammenhang, dass es sich bei der Give-Box um ein gemeinsames Projekt von Jusos und SPD-Ortsverein handelt – aus der Taufe gehoben vor sieben Jahren. Mit der Absicht, dass damit ein Beitrag geleistet werden sollte, der Wegwerfgesellschaft etwas entgegen zu setzen. Bürgerinnen und Bürger waren eingeladen, gut erhaltene Sachen in die Give-Box zu bringen und bei entsprechendem Bedarf oder Gefallen selbst etwas mitnehmen zu dürfen.

Appelle nach dem Neustart verpfufften

In der Vergangenheit war die Give-Box vorübergehend geschlossen worden, weil Sperrmüll abgekippt worden war und es äußerst unappetitliche Hinterlassenschaften der menschlichen Ausscheidungsorgane gegeben hatte. Appelle nach dem Neustart verpufften offenbar ungehört. „Ich kann auch die Kritik aus den Reihen von Anwohnern verstehen“, erklärt Steininger-Bludau.

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Da hatte es Beschwerden unter anderem wegen Geruchsbelästigung gegeben. Eine Bewohnerin, die die Anlieferer nachts angesprochen hätte, sei beschimpft und bedroht worden.

Eigentlich war der Standort optimal

Jetzt wird die Give-Box abgebaut und eingelagert. Dank der Zusammenarbeit mit dem Meisenhof war die alte Holzbude zwischenzeitlich durch eine Alu-Konstruktion ersetzt worden. „Vielleicht kann sie ein anderer SPD-Ortsverein an einem anderen Standort nutzen oder wir unternehmen vielleicht in zwei Jahren einen erneuten Versuch“, sagt Steininger-Bludau. Denn eigentlich sei der Standort im Herzen von Schwerin an Ärztehaus, Sparkasse und Bushaltestelle optimal.

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