Erhöhte Bierpreise sind für Wirte "ein Horror"

Gastronomie in Castrop-Rauxel

Neue Runde im Existenzkampf der Kneipen: Nach Rauchverbot und steigenden Kosten für Fußball-Übertragungen müssen die Wirte jetzt damit zurechtkommen, dass die Brauereien die Bierpreise anheben. Jetzt müssen sie entscheiden: Geben sie die gestiegenen Einkaufskosten an ihre Kunden weiter?

CASTROP-RAUXEL

von Mario Bartlewski, Anissa Sawatzki

, 02.02.2017, 12:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Brauereien heben die Bierpreise für Gastronomen an. „Ein Horror“, sagt „Corny“ Hilpert vom Haus Oestreich.

Brauereien heben die Bierpreise für Gastronomen an. „Ein Horror“, sagt „Corny“ Hilpert vom Haus Oestreich.

Zur Entscheidung der Brauereien, für Gastronomen die Bierpreise zu erhöhen, hat Alfred "Corny" Hilpert vom Haus Oestreich in Castrop-Rauxel eine eindeutige Meinung: „Es ist ein Horror für uns“, sagt er. Der Wirt auf Schwerin ärgert sich über die anstehende Preiserhöhung der Brauereien. Knapp 8 Euro müsse er mehr für 100 Liter Bier zahlen. Ein Betrag, der wehtut.

„Nach dem Rauchverbot ist das der nächste Nackenschlag für uns“, so Hilpert. Die höheren Kosten an seine Kunden weiterzugeben, komme für ihn nicht infrage – aus Angst davor, Kunden zu verlieren: „Geht das so weiter, gibt es in zehn Jahren keine einzige Kneipe mehr.“

Personalkosten einsparen

Auch Tatjana Tetyana Rippl von der Gaststätte Zum Treppchen muss ab dem 1. Februar mehr für das Bier bezahlen, das sie von der Radeberger-Gruppe bezieht. „Ich bin als Chefin selbst oft vor Ort“, sagt Rippl – dadurch könne sie Personalkosten einsparen und eine Erhöhung der Preise vermeiden.

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Die Gewinnspanne würde trotzdem merkbar sinken. Wie viel mehr sie für das Bier zahlen muss, möchte die Geschäftsführerin aus Wettbewerbsgründen nicht verraten. Warum die Brauereien die Preise für Fassbier aber „so deutlich“ anziehen, sei für die Gastronomin ein Rätsel.

Keine andere Möglichkeit

„Insbesondere die gestiegenen Kosten in der Gastronomievermarktung machen diese Maßnahme leider notwendig“, sagt Uwe Helmich, Geschäftsführer der Dortmunder Brauereien, die ein Unternehmen der Radeberger-Gruppe sind. Durch Optimierungsmaßnahmen habe das Unternehmen die gestiegenen Kosten bislang ausgleichen können.

Jetzt habe man aber laut Helmich keine andere Möglichkeit mehr. Die neuen Preise wolle man nicht veröffentlichen, da „die Gestaltung der Endverbraucherpreise den Partnern in der Gastronomie obliegt“, so Helmich.

Eine interne Liste für Gastronomen, die dieser Redaktion vorliegt, zeigt auf, dass sich die Preiserhöhungen jeglicher Brauereien in einem Preisrahmen von 8 bis 16 Euro pro 100 Liter bewegen. Runtergerechnet auf ein 0,2-Liter-Glas macht das 2 bis 3 Cent weniger Gewinn bei einem verkauftem Bier. Das klingt zunächst wenig, summiert sich aber für die Gastronomen zu einer echten Last.

Die Klapsmühle kann die Erhöhung voraussichtlich nicht kompensieren. „Wir haben das noch nicht genau kalkuliert“, sagt Christina Brost. „Aber wir werden wohl zukünftig unsere Bierpreise erhöhen müssen.“ Mit geringeren Einnahmen rechnet die 28-Jährige trotzdem. Besonders Stammkunden könnten sich über die neuen Preise beschweren – und im schlimmsten Fall einen Bogen um die Kneipe machen. Sollten zu viele Gäste ausbleiben, müssten die Preise allerdings neu überdacht werden.

Flaschenbier und Cocktails

Inan Acar vom Gleis 4 möchte diesen Schritt nicht riskieren. Knapp 16 Euro mehr muss er pro 100 Liter Bier bezahlen, das er von der Brauerei Warsteiner bezieht. „Es wird schwieriger für uns“, sagt der 39-Jährige, auch wenn seine Kneipe nicht so abhängig vom Bierverkauf sei: „Wir verkaufen viele Cocktails. Dadurch können wir das ausgleichen.“

Welche Entscheidung die erfolgreichste ist, bleibt abzuwarten. Für „Corny“ Hilpert steht eins fest: „Aus finanzieller Sicht dürften wir eigentlich nur Flaschenbier verkaufen. Da bleibt der Preis stabil.“ Damit verschwände aber der Charme der „guten, alten Kneipe“. 

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