Erst nach elf Tagen erfährt Schulleiterin von positivem Corona-Test

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Ein Kind wird positiv auf das Coronavirus getestet. Erst elf Tage später erfahren die Schulleiterin und Eltern von dem Ergebnis. Es werden Tests angeboten. Doch machen die noch Sinn?

Habinghorst

, 11.09.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Abdelcader Errafai (45) ist sauer. Und besorgt. Am Freitag (4.9.) wurde er von der Schulleitung der Erich-Kästner-Schule informiert, dass in der Klasse seiner neunjährigen Tochter ein positiver Corona-Fall bestätigt worden ist. So weit, so gut, nur: Das Kind wurde bereits elf Tage zuvor, am 24. August, getestet.

Er hat Fragen: „Warum wurden alle Eltern so spät über das Testergebnis informiert? Macht es überhaupt Sinn, alle betroffenen Kinder so spät noch zu testen?“ Fragen, für deren Beantwortung er viele Hebel in Bewegung gesetzt hat. Wie er berichtet, hat er Gesundheitsamt, Bürgermeister Rajko Kravanja, die Fraktionen im Rat, sogar das Bundesministerium für Gesundheit angeschrieben. Die Reaktionen: sehr unterschiedlich.

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Die gleichen Fragen wie Abdelcader Errafai hat auch Heike Wichmann, Leiterin der Erich-Kästner-Grundschule in Habinghorst. Im Gespräch mit unserer Redaktion bestätigt sie den Corona-Fall. Sie sei am Freitag, 4. September, vom Gesundheitsamt informiert worden, dass es seit dem 24. August einen positiven Fall an ihrer Schule gebe. Warum sie das jetzt erst erfahre, hat sie gefragt. „Man sagte mir, die Labore seien so überlastet.“

Gesundheitsamt bot auch nach Ende der Quarantänezeit Tests an

Gesprochen habe sie mit dem Gesundheitsamt auch darüber, dass die Inkubationszeit, für die man fünf bis zehn Tage rechne, ja vorbei sei, und am Montag (7.9.) auch die Quarantänezeit. Das betroffene Kind war seit dem Tag der Testung zu Hause. „Es ist noch nicht wieder in der Schule“, sagte die Schulleiterin am Donnerstag (10.9.). Das Gesundheitsamt habe ihr gesagt, man könne anbieten, dass sich die Schulkinder selbst testen lassen könnten. Deren Geschwisterkinder und deren Eltern würden nicht als Risikopersonen bewertet und deshalb nicht getestet.

An der Erich-Kästner-Schule gab es einen Corona-Fall.

An der Erich-Kästner-Schule gab es einen Corona-Fall. © Michael Fritsch (Archiv)

Diese Informationen hat Heike Wichmann an die Eltern weitergegeben, deren Kinder mit dem coronakranken Kind bis zum 24. August engen Kontakt hatten. Bei einem dieser Kinder meldeten die Eltern später auch Symptome. Es war dann doch nur eine Erkältung, das Kind ist inzwischen wieder in der Schule.

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Etwa 27 Kinder wurden als Kontaktpersonen ermittelt. 12 oder 13, so Heike Wichmann, werden getestet. Auch die Tochter von Abdelcader Errafai gehört dazu. Die Zahl war zu klein für eine Gruppentestung vor Ort. Also fuhren Eltern am Mittwoch, teilweise auch noch am Donnerstag zum Testzentrum des Kreises nach Recklinghausen. Die Quarantänezeit ist inzwischen endgültig abgelaufen.

Was wäre, wenn sich nur ein, zwei Kinder angesteckt hätten

Für Abdelcader Errafai ist das nicht entscheidend. „Man hat uns gesagt, wir müssen uns keine Sorgen machen. Aber warum bieten sie mir dann einen Test an?“, sagt der Castrop-Rauxeler, der selbst als Risikoperson gilt und deshalb als Bundesbeamter im Homeoffice arbeitet. „Angenommen, es hätten sich ein oder zwei Kinder angesteckt, was das für eine Kette in Gang gesetzt haben könnte...“

Die Magenschmerzen, über die seine Tochter einige Tage klagte, sieht er heute mit anderem Blick. Er selbst betätige sich ehrenamtlich in einem Verein, am Sonntag ist er Wahlhelfer – auch darüber denke man dann plötzlich noch einmal nach.

Abdelcader Errafai hofft, das Stadt und Kreis das Problem angehen

Auch wenn er davon ausgeht, dass sein Kind sich nicht angesteckt hat: Die Familie wartet jetzt auf das Testergebnis. Wie lange das dauern könne, hat er beim Termin in Recklinghausen gefragt. Die Antwort: „In den nächsten Tagen.“

Abdelcader Errafai weiß, dass der Fall an der Grundschule in Habinghorst kein Einzelfall ist. Auch deshalb hat er viele Mails geschrieben und telefoniert. Manche antworteten gar nicht, andere zeigten sich hilflos. Einem Gespräch mit der Beigeordneten für Soziales, Regina Kleff, hat er am Ende entnommen, dass die Castrop-Rauxeler Stadtspitze das Thema in der kommenden Woche beim Landrat besprechen will.

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