Es ist Zeit für ein Verbot des Feuerwerksverkaufs! Endlich ziehen die ersten Läden mit

rnBöller und Raketen

Keine Böller und Raketen für den Umwelt- und Tierschutz: So handhaben es erste Supermärkte. Das ist gut so, findet unser Autor Said Rezek. Er ist für ein Feuerwerksverbot in Castrop-Rauxel.

Castrop-Rauxel

, 16.12.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit gutem Beispiel geht die Rewe-Filiale in Dortmund-Hombruch auf dem Höchsten voran. Dort werden keine Böller und Raketen mehr verkauft. Und das ist keine Ausnahme. In Schleswig-Holstein etwa bleibt in der Edeka-Filiale Meyer’s in Neumünster erstmals die Feuerwerks-Auslage leer.

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In einem Facebook-Post der Filiale heißt es dazu: Man wolle nicht noch mehr „zur enormen Feinstaubbelastung“ und „massiven Verängstigung der Tiere“ beitragen. Man sei zwar nicht grundsätzlich gegen Feuerwerk, aber für eine „öffentliche Lösung an tollen Plätzen bzw. Stadtteilen in geordneten Bahnen“.

Der Facebook-Post hat im größten sozialen Netzwerk hohe Wellen geschlagen. Er wurde über 4300 Mal gelikt, mehr als 1600 Mal geteilt und 1355 Mal kommentiert (Stand: 10.12.2019). Der Edeka-Markt hat in sozialen Netzwerken polarisiert.

Das Böllern wird emotional im Netz diskutiert

Die überwiegende Mehrheit der User begrüßt den Schritt des Supermarktes. So schreibt jemand: „Konsequente und mutige Entscheidung. Ich find es toll, dass ihr euren Prinzipien treu bleibt - auch wenn etwas Umsatz auf der Strecke bleibt. Toll.“

Aber Kritik bleibt nicht aus. Ein User entgegnet: „Tja dann werde ich mich wohl abwenden. Es gibt wichtigere Dinge wo man Ansätzen sollte. Feuerwerk hat Tradition und muss bleiben. Nie wieder Meyers.“

Einerseits hat der User recht: Feuerwerke haben eine lange Tradition in Deutschland. Aber das heißt natürlich nicht, dass wir hierzulande für immer daran festhalten müssen. Erst recht nicht, wenn es wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, die gegen das Böllern sprechen.

Wissenschaftliche Erkenntnisse gegen das Böllern

Laut der Deutschen Umwelthilfe werden an Silvester in nur wenigen Stunden bis zu 5.000 Tonnen Feinstaub freigesetzt. Dies entspreche etwa 16 Prozent der gesamten jährlichen Feinstaubmenge, die im Straßenverkehr entsteht. Hinzu kommen zahlreiche Haus- und Wohnungsbrände und vermüllte Straßen oder Grünanlagen.

Außerdem lösen die Feuerwerkskörper bei Tieren oft Stress aus. Besonders für Hunde und Katzen ist der Krach belastend, da sie ein wesentlich feineres Gehör haben als Menschen. Bei vielen Vierbeinern löst die Knallerei sogar Panik aus.

Einzelhändler in Castrop-Rauxel verkaufen weiter

Wenn Umwelt- und Tierschutz keine guten Gründe sind das Böllern einzustellen, dann weiß ich auch nicht weiter. In Castrop-Rauxel ist mir kein Super- oder Baumarkt bekannt, der den Feuerwerksverkauf eingestellt hätte.

Nachgefragt habe ich bei Rewe Pöttinger, Real und Kaufland. Beim Edeka Center Gronemann überlegt sich der Inhaber Jens Gronemann immerhin, ob der Verkauf im nächsten Jahr ein Ende hat. Die Chancen stünden 50 zu 50, sagt er.

„Für den Verkauf spricht der Umsatz, denn der ist nicht unbeachtlich“, so der Inhaber. Andererseits sei er noch nie ein Freund von Feuerwerkskörpern gewesen. Aber wenn der Kunde danach fragt, dann werde er es auch verkaufen.

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Beim Baumarktriesen Hornbach, unter anderem mit einer Filiale in Datteln, werden Feuerwerkskörper 2019 das letzte Mal im Sortiment sein. Ab 2020 ist europaweit Schluss. „Das ist eine bewusste Entscheidung, die wir dieses Jahr getroffen haben“, sagt Sprecher Florian Preuß zu t-online.de. „Vor allem wegen des Tier- und Umweltschutzes“, ergänzt er.

Folgen wir der Vernunft, nicht der Tradition

Es ist gut, dass mittlerweile alte Traditionen angezweifelt werden, auch wenn das nicht leicht ist. Sie werden oft praktiziert, ohne sie zu hinterfragen, sind identitätsstiftend und stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Aber im Zweifel sollten wir uns gegen die Traditionen entscheiden! Vor allem, wenn negative Konsequenzen für das Klima und den Tieren damit verbunden sind. Wenn die Kosnumenten nicht in der Lage sind, dies nachzuvollziehen, dann sollte der Gesetzgeber aktiv werden und ein Verbot verhängen. Bis dahin muss jedoch weiter über die Gefahren aufgeklärt werden.

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