Eskalierter Streit im Hotel: Gast bekommt Bewährung

Urteil in Gerichtsprozess

Bei einem Kurzurlaub im Ruhrgebiet soll ein Mann aus Hessen bei einem Streit einen Hotelier aus Castrop-Rauxel beleidigt, bedroht und verprügelt haben. So stellte es zumindest der Wirt dar, der den Hessener verklagt hatte. Der Angeklagte sah die Sache genau anders herum. Jetzt ist das Urteil gesprochen worden.

CASTROP-RAUXEL

, 15.07.2016, 18:03 Uhr / Lesedauer: 1 min

Zunächst sah es so aus, als wäre im Verfahren um den Streit im Hotel ein fünfter Termin erforderlich: Weder der 45-jährige Angeklagte noch ein als Zeugen geladenes Ehepaar waren am Freitag erschienen. Und auch der Hotelier als Nebenkläger ließ sich durch seinen Anwalt vertreten. 

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Der Strafantrag des Nebenklägers umfasste Beleidigung, Bedrohung und schwere Körperverletzung. Da jedoch Angeklagter wie Nebenkläger bei einer Schlägerei erhebliche Blessuren davongetragen haben, gab es in dieser Sache einen Teilfreispruch.

Dagegen hielt es der Richter aufgrund von Telefonaufzeichnungen für ausreichend bewiesen, dass der Hotelier zur zunächst verbalen, dann handfesten Auseinandersetzung mit dem Gast eine dritte Person mitgebracht hatte.

Diese aufgezeichneten Telefonate lieferten zudem genügend Material, den Tatbestand der Bedrohung zu untermauern. „Ich habe selten gehört, dass jemand so genüsslich schildert, wie er seinen Kontrahenten ins Jenseits befördern will“, so der Strafrichter über die Ausdrucksweise des Angeklagten.

Angeklagter war offenbar extrem unglücklich über das Hotel

Der Angeklagte hatte angegeben, sich über den miserablen Zustand des Hotelzimmers, das er im Voraus bezahlt hatte, geärgert zu haben. Vergilbtes Kopfkissen, verdrecktes Bad, defekter Fernseher und in der Minibar Wasser in der Whiskyflasche - so lauteten die Vorwürfe. Dies hatte vor Gericht auch die Freundin des Angeklagten bestätigt. Sie hatte zudem ausgesagt, mit dem Freund nach Mitternacht das Hotel verlassen gehabt zu haben. Dann habe sie ihn jedoch verloren, weil sie sich im Biergarten versteckt habe, als der Mann in eine Schlägerei verwickelt worden und dann mit einem Taxi davon gefahren sei. Stunden später habe man sich in Bochum wiedergefunden. Eine Geschichte, an der der Richter seine Zweifel hatte.

Schließlich blieben am Freitag vor Gericht die Tatbestände Bedrohung und Beleidigung übrig. Per Post wird dem 45-Jährigen das Urteil mitgeteilt: sechs Monate Haft auf Bewährung und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit. 

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