Das fünfte Studioalbum von Eskimo Callboy hat einige Überraschungen für die Fans parat

rnEskimo Callboy

Nach seiner Hochzeit spricht Sänger Kevin Ratajczak über das kommende Album „Rehab“, künftige Konzerte und warum seine Band trotz kommerziellem Erfolg, die „Kurve kriegen will“.

Castrop-Rauxel

, 06.09.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das fünfte Studio-Album der Castrop-Rauxeler Metalcore-Band Eskimo Callboy heißt „Rehab“. Es erscheint am 1. November. Die vergangenen beiden Studio-Alben stiegen jeweils auf Platz sechs der deutschen Charts ein. Ab 1. Dezember sind Eskimo Callboy auf Europa-Tourne. Mit Sänger Kevin Ratajczak sprach Christian Püls über das neue Werk, das Älter werden und eine intensive Songwriting-Phase.

Kevin, das neue Album heißt „Rehab“, zu deutsch also ungefähr „Rehabilitation“. Du und Deine Band suchen aber offenbar keine Rehabilitation bei Fans, die die Single „Supernova“ zu soft fanden. Das hattest Du ja im Gespräch zur Single ausgeschlossen. Wie kam es also zu dem Titel?

Wir hatten da unterschiedliche Ideen zum Albumtitel. Rehab ist ein Song auf dem Album. Darin geht es um eine Person, die irgendwie an einer Wegkreuzung zwischen zwei Welten steht...

Daher dieses dystopische Cover, auf dem eine andere Welt im Hintergrund durchscheint?

Ja, genau. Im Song wird der Person gesagt, sie soll von ihrem Lifestyle runterkommen. Aber die Person will das eigentlich gar nicht. Am Ende ist die Person sozusagen gerettet. Aber dann schlägt die musikalische Stimmung noch mal um und es gibt richtig auf die Zwölf. Diesen Part haben wir aber diesmal vom eigentlichen Song gelöst. Da prallen zwei Welten aufeinander. Beim Album mussten wir uns über Vieles klar werden. Wir sind inzwischen fast alle über 30, da will man sich auch privat weiter entwickeln, die Kurve kriegen, Familienplanung machen.

Das fünfte Studioalbum von Eskimo Callboy hat einige Überraschungen für die Fans parat

Eskimo Callboy (v.l.): Daniel Haniß, Pascal Schillo (beide Gitarre), Kevin Ratajczak, Sebastian „Sushi“ Biesler (beide Gesang) Daniel Klossek (Bass), David Friedrich (Schlagzeug). © Christian Ripkens


„Wegkreuzung“, „von einem Lifestyle runterkommen“, „die Kurve kriegen“ - verbirgt sich da eine Botschaft, eine Ankündigung, sich aus dem Musikbusiness zurück zu ziehen?

Nein, auf keinen Fall, wir werden nicht quitten, wir werden nicht aufhören. Eskimo Callboy ist unser Job und den machen wir sehr gerne. Wir sind alle älter geworden, haben uns auch privat weiterentwickelt. Aber das ist kein Grund Eskimo Callboy wegzuschmeißen. Inzwischen müssen wir das alles nur ein wenig anders organisieren.

Was bedeutet das?

Daniel (Bassist Daniel Klossek; Anm.d.Red) beispielweise wird in Kürze Vater. Daher gucken wir inzwischen schon, wo und wann wir künftig spielen, weil da nun Frau und Kind auf Mann und Vater warten. Früher hieß ein Extrakonzert ja eigentlich nur, dass die Freundin einen weiteren Tag selbst auf die Piste geht. Früher haben wir auch mal just for fun gespielt, also, dass es gerade so kostendeckend war. Über zehn Jahre haben wir uns so einen guten Ruf erspielt. An Musik und Tourleben haben wir immer noch unheimlich viel Spaß.

Das fünfte Studioalbum von Eskimo Callboy hat einige Überraschungen für die Fans parat

Kevin Ratajczak hat seine langjährige Freundin Janine Schulte geheiratet. © Christian Püls


Ab 1. Dezember seid Ihr dann wieder auf Europatournee. In der Zwischenzeit, an Deinem Hochzeitstag um genau zu sein, ist die zweite Single erschienen. Wird „Hurricane“ jene Fans versöhnen, denen „Supernova“ zu poppig war?

Musikalisch geht es da zurück zu unseren Wurzeln. Das ist aber kein typischer Mosh-Song, sondern ganz gerade, four to the floor, gut tanzbar. Dazu haben wir uns den perfekten Tag mit Eskimo Callboy aus der Sicht eines fiktiven Fans ausgedacht und ein entsprechendes Video gedreht.

Hast Du einen persönlichen Lieblingssong auf dem Album?

„Prism“ ist ein Song auf den ich mich sehr freue, von dem ich völlig überzeugt bin. Es geht um Leute, die durch äußere oder innere Einflüsse davon abgehalten werden, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. „Prism“ ist ziemlich Mainstream und voll radiotauglich Ein Killer-Song. Und er ist an nur einem Tag entstanden, mit Vocals und Melodie.

Aber vermutlich lief nicht alles so glatt bei Eurem fünften Studio-Album?

Dieses Album war ein Prozess, sich klar zu werden, was wir machen wollen; oder was wir machen, nur weil wir es jahrelang gemacht haben. Das wollten wir nun hinterfragen. Wir haben nachgedacht, gestritten. Vieles kam dadurch ins Stocken, weil man sich die Zeit nehmen musste, zu reflektieren. Dieses Album ist unsere persönliche Rehabilitation. Dabei ist Vieles klar geworden, wie wir künftig alles bestreiten wollen, auch hinsichtlich der individuellen privaten Ziele.

Wird man das dem Album anhören?

Wir haben versucht, ein paar Sachen organischer, dynamischer und beweglicher zu machen, haben Knister- und Atemgeräusche eingesetzt. Bei den poppigeren Songs, haben wir versucht, sie auch ein wenig poppiger zu mischen. Es ist immer ein Spagat zwischen unserer bewährten harten Partymusik und den soften Nummern.

Was wird Dir bei diesem Album rückblickend im Gedächtnis bleiben?

Die Songwriting-Phase war diesmal komisch, so was habe ich noch nicht erlebt. Wir haben uns viele Gedanken gemacht, es war sehr intensiv. Wenn man über Grenzen hinausgeht, hat man auch ein wenig Angst, vor der Reaktion der Menschen. Für Musiker ist ja auch wichtig, wie die Leute das finden.

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