EvK bleibt auf Chefarzt-Behandlungskosten sitzen

Falsches Kreuz im Krankenhaus

Eine Mutter, die vor der Geburt ihres Kindes im Evangelischen Krankenhaus Chefarztbehandlung bekam, muss die zusätzlichen Kosten dafür nicht bezahlen. Das Krankenhaus hatte sie wegen Betrug angezeigt - aber das Gericht urteilte, das Kreuzchen bei "Chefarztbehandlung" könnte auch ein Fehler des EvK gewesen sein.

Castrop-Rauxel

, 29.08.2016, 15:16 Uhr / Lesedauer: 1 min
EvK bleibt auf Chefarzt-Behandlungskosten sitzen

Dem Evangelischen Krankenhaus könnte auch selbst ein Fehler unterlaufen sein, urteilte das Amtsgericht.

Das Kind ist inzwischen fast zwei Jahre alt, gesund und quirlig. Die Mutter glücklich, das Evangelische Krankenhaus weniger. Denn dort wartet man, obwohl die Geburtshilfliche Abteilung seit Jahresbeginn geschlossen ist, noch immer auf exakt 1467,83 Euro für die Chefarztbehandlung.

Und die können wohl abgeschrieben werden, denn die 32-jährige Angeklagte wurde im Amtsgericht von der Anklage wegen Betruges freigesprochen.

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Rund sechs Wochen musste die werdende Mutter vor der Geburt im Krankenhaus verbringen, wo sie vom Chefarzt der Gynäkologie persönlich behandelt wurde. Ein Kreuzchen auf dem Anmeldeschein war die Grundlage dafür. Doch dieses Kreuzchen war zuviel. Zwar hatte die Patientin – ergänzend zu ihrer gesetzlichen Krankenversicherung – eine private Zusatzversicherung, doch die umfasste lediglich die Unterbringung auf einem Ein- oder Zweibettzimmer. Das war auf den dem Strafrichter vorliegenden Meldeunterlagen ebenfalls angekreuzt – zu Recht. Doch warum das dritte Kreuzchen erfolgte, ließ sich in der Verhandlung nicht aufklären.

Mutter unterschrieb in der Aufregung einfach

Der Ehemann, als Zeuge geladen, hatte seine Frau bei der Einlieferung angemeldet und beide Karten vorgelegt. „Schauen Sie, was Sie benötigen“, habe er gesagt und darauf gesetzt, dass alles in Ordnung ist. Darauf habe sich auch die Frau verlassen, als sie, aufgeregt in Sorge um das ungeborene Kind, die Anmeldung unterschrieb, ohne sie groß zu kontrollieren.

Als Wochen nach der Geburt die Rechnung ins Haus flatterte, war die Aufregung groß, das Guthaben auf dem Konto aber nicht. Die unerwartete Rechnung konnte nicht bezahlt werden. So wurde der Fall einem Inkassounternehmen übertragen, das das Geld ebenfalls nicht eintreiben konnte. Der nächste Schritt: eine Anzeige. Das Gericht hat die Patientin nun freigesprochen.

„Sie hat sich die Chefarzt-Behandlung nicht erschlichen“, so die Begründung. Es könne ebenso gut sein, dass bei der Anmeldung seitens des Krankenhauses ein Fehler unterlaufen sei.

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