Facebook: Im Kindergarten der Castrop-Rauxeler Kommunalpolitik

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Das Wort Hetze hat in den vergangenen Tagen in einigen Castrop-Rauxeler Facebook-Gruppen ganz neue Bedeutungen angenommen. Ein deutlicher Appell: Reißt euch mal zusammen!

Castrop-Rauxel

, 07.09.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als ich in der Grundschule einmal wegen einer neuen (nach heutigen Maßstäben tatsächlich sehr albernen) Mütze gehänselt wurde, hat meine Mutter gesagt: „Lass sie doch. Wenn du sie ignorierst, dann wird es irgendwann langweilig und sie hören auf.“ Diesen weisen, mütterlichen Rat würde ich gerne einigen Castrop-Rauxeler Lokalpolitikern einrahmen und übers Bett hängen.

In den Castrop-Rauxeler Facebook-Gruppen, und ich meine hier vor allem „Castrop ich komm aus dir“, geht es im Moment zu wie in einer Kindergarten-Gruppe. Jeder will immer Recht haben, alle fühlen sich immer provoziert und selbst unter Posts, die Tage alt sind, werden Debatten bis aufs Letzte ausgefochten.

Lächerlich und bedenklich

Dass sich dabei gestandene Kommunalpolitiker, mit jahrelanger Erfahrung, auf das Niveau von populistischen Lautsprechern herablassen, ist nicht nur lächerlich, sondern auch bedenklich. Es ist zum einen lächerlich, weil kein Populist, der ernsthaft fordert, das SEK Wohnungen stürmen zu lassen oder Flüchtlinge „dahin zurück zu schicken, wo sie herkommen“ sich von meterlangen Nachrichten bekehren lassen wird, und plötzlich in die FDP oder SPD eintritt.

Wer Populisten immer wieder eine Bühne bietet, auf der sie ihre Hasstiraden predigen können, und wer ihnen immer wieder die Chance gibt, sich als Opfer hinzustellen, der macht sich zur Marionette ihrer Spielchen. Das Schema ist immer das gleiche: Zunächst geben altbekannte Populisten ihren Senf zu einem (nahezu) beliebigen Thema ab. Dann dauert es höchstens wenige Stunden, und ebenso altbekannte Namen aus einer anderen politischen Ecke machen sich darüber lustig oder versuchen, mit langen Erklärungen dem Populismus beizukommen.

Das ist kein politischer Austausch

Neben dem Rat meiner Mutter gibt es noch ein anderes Sprichwort, das an dieser Stelle angebracht wäre: „Der Klügere gibt nach.“ Man muss nicht immer das letzte Wort haben und man muss auch nicht versuchen, in Stein gemeißelte Idiotien aufzubrechen. Lasst sie vor sich hin schimpfen, denn weder ist der Gesprächspartner noch die Plattform der richtige Ort für einen ernsten politischen Austausch.

Natürlich: Dieser Austausch ist wichtig, und einige Behauptungen verlangen geradezu nach einer Richtigstellung. Sich aber auf jede Provokation von rechts einzulassen und über jedes Stöckchen zu springen, das einem hingehalten wird, ist nicht der Austausch, von dem die Castrop-Rauxeler profitieren.

Wenn das nächste Mal also eine inhaltsleere Hassbotschaft aus Richtung der Unbelehrbaren kommt, dann immer an zwei Dinge denken: „Wenn du sie ignorierst, dann wird es irgendwann langweilig und sie hören auf“ und „Der Klügere gibt nach.“

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