Fahrradboxen und Piktogrammketten sollen Radverkehr attraktiver machen

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Mit konkreten Maßnahmen will die Stadt mehr Radler auf Castrop-Rauxels Straßen holen. Beispiele dafür wurden bei einer Planungsexkursion vorgestellt und mit Castrop-Rauxelern diskutiert

Castrop-Rauxel

, 24.08.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dem Ziel nach mehr umweltfreundlicher Mobilität ist man nach Einschätzung der städtischen Verkehrsplaner einen großen Schritt näher gekommen. Im Rahmen einer Planungsfahrradfahrt am Freitag (21.8.) hatten Bürger Gelegenheit, Anregungen und Verbesserungsvorschläge direkt vor Ort zu äußern.

Vertreter des mit der Erstellung des Nahmobilitätskonzepts beauftragten Kölner Planungsbüros VIA sowie Stadtbaurätin Bettina Lenort und Verkehrsplaner André Sternemann hatten im Vorfeld Orte und Strecken ausgewählt, an denen die geplanten Maßnahmen vorgestellt und von den 25 Teilnehmern der Radtour diskutiert wurden.

Welche Verbesserungen können Radfahrer in unserer Stadt demnächst erwarten? Wir begleiteten die Planungsradtour und stellen vier interessante Projekte vor.

1. Sichere Radabstellanlagen am Rauxeler Bahnhof

Radboxen, wie sie am Rauxeler Bahnhof eingerichtet werden sollen, gibt es schon in Bochum-Gerthe.

Radboxen, wie sie am Rauxeler Bahnhof eingerichtet werden sollen, gibt es schon in Bochum-Gerthe. © Dieter Düwel

An der Nordseite des Hauptbahnhofs sollen 80 bis 120 Fahrradboxen des Systems „Radschloss“ eingerichtet werden. Die Boxen bieten den Rädern Schutz vor Witterungseinflüssen und Diebstahl. Sie sind mit dem Smartphone zu buchen und können auch auf diese Weise auch geöffnet und geschlossen werden.

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Die Planung sieht vor, dass auch in der Castroper Altstadt sichere und überdachte Abstellmöglichkeiten eingerichtet werden, zum Beispiel am Bahnhof Süd oder am Marktplatz.

2. Lange Straße soll Fahrradstraße werden

Die Lange Straße in Habinghorst soll Fahrradstraße werden.

Die Lange Straße in Habinghorst soll Fahrradstraße werden. © Dieter Düwel

Das Vorhaben „Fahrradstraße Lange Straße“ ist schon lange in der Diskussion, soll jetzt aber wesentlicher Bestandteil des Nahmobilitätskonzepts der Stadt werden. Was bedeutet eine Fahrradstraße für den Rad- und Pkw-Verkehr?

Grundsätzlich ist der Autoverkehr auf einer solchen Straße nicht zulässig. Viele Kommunen und Städte erlauben den Autoverkehr allerdings über gesonderte Schilder. Auf jeden Fall haben Radfahrer Vorrang, sie dürfen auch nebeneinander fahren. Die maximale Geschwindigkeit auf einer Fahrradstraße beträgt 30 km/h.

Das Nahmobilitätskonzept der Stadt sieht vor, weitere Fahrradstraßen einzurichten, zum Beispiel im Bereich der Dorlohstraße zwischen Dingen und Schwerin.

3. Piktogrammketten auf der Recklinghauser Straße

Piktogrammketten, wie sie für die Recklinghauser Straße vorgesehen sind, gibt es bereits auf Straßen in Frankfurt am Main.

Piktogrammketten, wie sie für die Recklinghauser Straße vorgesehen sind, gibt es bereits auf Straßen in Frankfurt am Main. © Thomas Friede

Die bereits bestehenden Schutzstreifen für Radfahrer auf der stark befahrenen Recklinghauser Straße sorgen immer wieder für Kritik. Sie sind eindeutig zu schmal und Radler sehen sich Gefahren von zwei Seiten ausgesetzt: links durch den Autoverkehr und rechts durch parkende Autos, zu denen ein Sicherheitsabstand fehlt.

Nach Einschätzung der Verkehrsplaner ist eine Verbreiterung der Fahrbahn ausgeschlossen, daher könnte eine Lösung darin bestehen, dass Piktogrammketten mit Fahrradsymbolen in regelmäßigen Abständen auf der Straße markiert werden, um die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer auf den Radverkehr zu lenken.

Dieses System befindet sich bundesweit noch in der Erprobung, wurde aber bereits in Mainz umgesetzt. Die Stadt bekam dafür den deutschen Fahrradpreis 2017. Konflikte zwischen Rad- und Kfz-Verkehr sollen reduziert und die Radverkehrsführung auf der Straße verdeutlicht werden. Daher sollen die Piktogrammketten auf jeden Fall in das Nahmobilitätskonzept aufgenommen werden.

4. Neuer Radweg zwischen Klöcknerstraße und Schwarzer Weg/Wartburgstraße

Auch die Einrichtung neuer Fahrradwege sieht das Konzept vor. Im Fokus steht dabei die künftige Radverbindung zwischen Klöcknerstraße und Schwarzer Weg/Wartburgstraße. Zu diesem Zweck soll der Trampelpfad zwischen Klöcknerstraße und der Brücke über die B 235 (Habinghorster Straße) in Höhe des Schwarzen Wegs zum Radweg ausgebaut werden.

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Ziel ist es, eine verkehrsarme Verbindung zwischen Ickern und der Wartburgstraße zu schaffen, um so die stark befahrene B 235 meiden zu können. Fahrradfahrende Schüler aus dem Norden der Stadt zum Beispiel hätten dann die Möglichkeit, die Strecke gefahrlos zu nutzen.

Die weiteren Schritte des Nahmobilitätskonzepts

  • Nach einem Planungsspaziergang am Donnerstag (27.8.), bei dem die Fußgängertauglichkeit der Altstadt unter die Lupe genommen werden soll, wird im September ein Ergebnisbericht durch die Planungsbüros erstellt und veröffentlicht.
  • Die Bürger können dann noch letzte Kritik äußern und Anregungen einbringen. Das Konzept, das Grundlage der Bewerbung um die Aufnahme in die „Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW“ (AGFS) ist, wird noch in diesem Jahr fertiggestellt.
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