Niederländer machen‘s vor: Dieser Trick hilft gegen den fiesen Autotüren-Crash

rn Fahrradfahren

Wie schnell ist es passiert: Eine Spazierfahrt oder der Weg zur Arbeit endet im Krankenhaus, weil sich plötzlich eine Autotür öffnet und man drüber segelt. Wie schützen wir unsere Radfahrer?

Castrop-Rauxel

, 01.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Radfahrer in Castrop-Rauxel sind in der vergangenen Woche mehrfach von plötzlich geöffneten Autotüren erfasst worden. So stürzten gleich drei von ihnen und zogen sich Verletzungen zu. Am Mittwoch (19. Juni) ereigneten sich innerhalb von vier Stunden gleich zwei Unfälle. Am Freitag drauf (21. Juni) folgte der dritte Unfall.

Der aus dem Englischen kommende Begriff „Dooring“ umschreibt eben solche Situationen: Ein Auto parkt auf der rechten Seite in einer Parkbucht oder einem für parkende Autos vorgesehenen Parkstreifen. Während der Autofahrer den Wagen abstellt, sich abschnallt und seine sieben Sachen zusammensucht, kommt ein Radfahrer angebraust. Der Radfahrer nähert sich dem Auto und der Autofahrer öffnet die Autotür. Es kommt zum Crash.

Das ist der Niederländische Griff

Auf der Homepage des Zweiradhändlers Andreas Anderl aus Ickern gibt es praktische Tipps, wie man sich im Straßenverkehr verhalten kann, um sich vor Unfällen zu schützen. Dort lässt sich auch der Dutch Reach, zu deutsch: Niederländischer Griff finden. Dieser geht wie folgt: Der Autofahrer öffnet nicht mit der linken Hand die Autotür, sondern mit der Rechten. So wird der Fahrer gezwungen, eine Bewegung ähnlich der des Schulterblicks zu machen. Der Fahrer hat die linke Seite im Blick und kann herannahende Radfahrer und Fußgänger sehen.

Carsten Sina von Zweirad Anderl sagt: „Diesen Griff bekommen in den Niederlanden alle Fahrschüler beigebracht.“ In Hamburg fordert die CDU, aufgrund von häufigen Unfällen mit Fahrrädern und geöffneten Autotüren auch schon, dass der „Niederländische Griff“ fester Bestandteil der Fahrschul-Lerhpläne wird.

Regelmäßig die Bremsen prüfen

Für Radfahrer hat Carsten Sina folgenden Tipp: „Regelmäßig die Bremsen am Rad prüfen, damit sie auch greifen. Außerdem ist ratsam, dass Radfahrer an viel befahrenen Straßen nicht rasen. Wenn man sieht, dass am Rand Autos ein- und ausparken, muss man damit rechnen, dass diese auch die Türen öffnen.“

Martin Kühl-Lukas, vom Allgemeinen-Deutschen-Fahrrad-Club, weist ebenfalls darauf hin, dass Fahrradfahrer aufmerksam gerade auf den immer weiter verbreiteten Schutzstreifen fahren müssen. Man könne oft von außen sehen, ob noch jemand im Fahrzeug sitzt, um dann ausweichen zu können, falls sich die Tür öffne. Mehr könnten Radfahrer nicht tun.

ADFC Castrop-Rauxel möchte Fahrschulen mitnehmen

Aber auch er sagt: „Wir möchten bald auf Fahrschulen zugehen und hoffen, dass der Niederländische Griff dann im Unterricht standardmäßig durchgenommen wird“, sagt Martin Kühl-Lukas.

Die Pressestelle der Kreispolizei Recklinghausen hält die umstrittenen, weil oft schmalen Schutzstreifen für Radfahrer auf schmaleren, aber viel befahrenen Straßen für sinnvoll: „Sie sind besser als nichts, auch wenn intakte Fahrradwege natürlich besser sind.“

Wo Radwege und wo Schutzstreifen hinkommen, entscheide jeweils die Stadt oder der Kreis oder das Land - je nach Träger der kommunalen, Landes- oder Bundesstraße. Die Problematik sei allerdings gleich, ob Fahrradweg oder Schutzstreifen: Die Gefahr des Übersehenwerdens bleibe.

Polizei fordert Blick in den Seitenspiegel

Das mindeste laut Polizei ist: Autoinsassen sollten immer vor dem Aussteigen in den Seitenspiegel schauen - und zwar bevor die Autotür geöffnet wird. Auch in Stresssituationen oder Eile. Sie selbst würden als Radfahrer diese Vorsichtsmaßnahme auch von anderen Autofahrern erwarten dürfen.

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