„Falsche Polizisten“ gehören zu organisierten Banden

rnBetrugsmasche

Als „falsche Polizisten“ soll eine Bande aufgetreten sein, gegen die die Staatsanwaltschaft Bochum jetzt ermittelt. 2019 wurden der Polizei im Kreis 1000 solcher Betrugsversuche gemeldet.

Castrop-Rauxel

, 04.08.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als sogenannte „Falsche Polizisten“ soll eine international agierende Täterbande seit längerer Zeit reiche Beute gemacht haben.

Bei Razzien am Donnerstag (30.7.) in mehreren deutschen Städten wurden drei Männer festgenommen und zahlreiche Beweise gegen die mutmaßlichen Täter sichergestellt.

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Zu Durchsuchungen kam es auch in einem Gebäude in der Nähe des Erinparks in Castrop-Rauxel. Was genau dort gefunden wurde und ob einer der Männer, die jetzt in Untersuchungshaft sitzen, Castrop-Rauxeler ist, war bisher mit einer Anfrage bei der ermittelnden Staatsanwaltschaft Bochum noch nicht in Erfahrung zu bringen.

Datenträger werden ausgewertet

Das ermittelnde Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg konnte unserer Redaktion auf Anfrage noch keine Detailfragen beantworten, da es sich um laufende Ermittlungen handele.

„Gegenwärtig geht es darum, die Daten der sichergestellten Computer und Handys zu sichten und auszuwerten. Es müssen Kontaktdaten auf einzelnen Datenträgern abgeglichen werden, um nachvollziehbar zu machen, welche Personen miteinander gearbeitet haben und wer welche Aufgaben innerhalb der Organisation der Taten inne hatte“, sagt LKA-Sprecher Marc Eggert.

Denn hinter der Masche mit den „falschen Polizisten“ stünden zahlreiche Akteure einer durchorganisierten Bande.

Bande hat internationale Strukturen

„Es mag befremdlich klingen, aber man muss sich das Ganze vorstellen wie in einer Firma: Es gibt innerhalb der Bande jeweils Mitarbeiter und Mitarbeitergruppen, die einzelnen Aufgaben zugewiesen sind“, erklärt Marc Eggert.

Während die einen damit betraut seien, potenzielle Opfer auszusuchen, würden andere die Gespräche am Telefon übernehmen. Das Einsammeln der Beute vor Ort sowie deren Verkauf würde von weiteren Tätern übernommen.

„Die Hintermänner und Bandenmitglieder, die für die Geldwäsche zuständig sind, sitzen zumeist im Ausland“, sagt Marc Eggert.

50 Beamte im Einsatz in Castrop-Rauxel

Beim Zugriff am Donnerstag in Castrop-Rauxel seien 50 Beamte im Einsatz gewesen. Neben einer Sondereinsatzgruppe waren daran Polizisten aus dem Kreis Recklinghausen beteiligt.

Bisher konnte noch nicht bestätigt werden, dass Mitglieder der Bande, gegen die jetzt ermittelt wird, in Castrop-Rauxel aktiv Senioren um ihr Geld gebracht haben. Klar ist aber: Es gab 2018 und 2019 mehrere Fälle von „falschen Polizisten“ in der Europastadt.

„Jeweils 1000 Fälle wurden uns 2018 und 2019 gemeldet. Dass ein Betrug vollendet wurde, also tatsächlich jemand finanziell einen Schaden zu beklagen hatte, kam 2018 siebenmal vor, 2019 gab es acht Fälle", sagt Andreas Lesch vom Polizeipräsidium Recklinghausen.

Kreisweit entstand laut Kriminalitätsbericht allein 2019 ein Gesamtschaden von rund 134.000 Euro durch die Betrugsmasche.

Und so läuft der Trick ab

Die Masche selbst läuft laut Polizei Recklinghausen immer gleich ab, einzig Details der Geschichten, die die Täter ihren Opfern auftischten, unterscheiden sich von Fall zu Fall.

Die Täter suchen bewusst ältere Menschen als Opfer aus. Sie rufen die Senioren an und geben sich als Polizeibeamte aus. Auch, wenn auf dem Telefondisplay die Nummern der örtlichen Polizeiwachen oder die Notrufnummern erschienen, handele es sich um einen Trick.

„Während ein Täter telefoniert, ist im Hintergrund ein zweiter Täter aktiv, der die Standleitung hält und die technischen Voraussetzung für den Display-Schwindel schafft", sagt Andreas Lesch.

Opfer werden manipuliert

Die Anrufer manipulieren ihre Opfer, indem sie ihnen überzeugende Geschichten über aktuelle Straftaten erzählten und sie zum vermeintlichen Schutz ihres Eigentums auffordern.

Die falschen Polizeibeamten schilderten zum Beispiel die Festnahme ausländischer Einbrecherbanden, bei denen Listen möglicher Einbruchsopfer gefunden worden seien. Sie forderten die Opfer auf, Wertgegenstände und Bargeld „vorübergehend“ zum Schutz an einen vermeintlichen Polizisten zu übergeben, dessen Besuch via Telefon angekündigt werde.

In manchen Fällen würden laut Polizei die Opfer dazu gebracht, ihr gesamtes Vermögen von der Bank nach Hause zu holen.

Druck wird aufgebaut

Durch mehrere, stundenlange und sogar tagelange Telefonanrufe erhöhen die Anrufer den psychischen Druck auf ihre Opfer, damit diese keinen klaren Gedanken mehr fassen können. Die Täter gehen vollkommen skrupellos und erfindungsreich vor, je nach mentaler Verfassung des Opfers und dessen Reaktionen.

Sie forderten sie teilweise auf, nur noch über das Handy zu telefonieren. Die Telefonate dauerten dann so lang, bis Bargeld und Wertgegenstände an der Wohnungstür oder auf der Straße übergeben oder an einem vereinbarten Ort abgelegt wurden.