Familienvater soll Baby misshandelt haben – Treffen mit Augenzeugin vor Gericht

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Die Aussagen könnten unterschiedlicher nicht sein. Der Vater beteuert, sein sechs Monate altes Baby im Kinderwagen behutsam gedreht zu haben. Die Zeugin spricht von Misshandlung.

Castrop-Rauxel

, 22.11.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Angeklagte ist 31 Jahre alt und Vater zweier Kinder. Das führte er wiederholt an. Erklärte, genau zu wissen, wie man mit Kleinkindern umgeht. Denn der Vorwurf, der ihn ins Amtsgericht geführt hatte, wog schwer.

Er soll im Sommer seine gerade mal halbjährige Tochter misshandelt haben. Das sagt eine 47-jährige Augenzeugin, die zufällig mit dem Auto vorbeikam, als der 31-Jährige mit dem Kinderwagen unterwegs war zum Einkaufen.

Lautes Schreien

Dass das Baby laut geschrien hat, ist unstrittig. Doch dann gehen die Aussagen auseinander. „Mein Kind hat geschrien und ich habe es auf die Hitze zurückgeführt“, erklärte der Vater vor Gericht.

Die Sonne hätte dem Baby ins Gesicht geschienen. Deshalb habe er das Baby auf den Bauch legen wollen. Zumal es dann durch ein Sichtfenster im Kinderwagen blicken konnte, was das Kind ablenken würde.

So habe er ein Ärmchen gegriffen, das Baby dann gedreht und in Bauchlage gebracht. „So war’s“, bekräftigte er. „Schließlich ist es nicht mein erstes Kind, ich kenne mich doch aus.“

Zeugin schätzt Fallhöhe auf 40 Zentimeter

Auf Erfahrung mit Kleinkindern berief sich auch die 47-Jährige, die den Vorfall beobachtet hat. „Das Kind schrie fürchterlich und der Vater hat aggressiv am Kinderwagen geruckelt“, sagte sie im Zeugenstand.

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Doch damit nicht genug. Der Mann habe das Baby am rechten Arm aus dem Wagen gerissen. „Es baumelte in der Luft, dann hat er es in den Wagen zurückgeschmissen“, so die weitere Schilderung.

Mit ihren Händen beschrieb sie die Fallhöhe, schätze sie auf etwa 40 Zentimeter. Sie sei zum Auto zurück, um ein Foto zu machen. Kurz darauf sei der Mann aus dem Blickfeld verschwunden.

Polizei informiert

Doch sie sah den Kinderwagen kurz darauf wieder, diesmal mit der Mutter des Kindes. Auf den Vorfall angesprochen, habe diese ebenfalls aggressiv reagiert. Ein Grund mehr für sie, die Polizei zu informieren.

Wie es wirklich war, wird sich nicht ermitteln lassen. Das Jugendamt, von der Polizei wegen möglicher Kindesmisshandlung auf den Plan gerufen, hat bei seiner Kontrolle im Oktober keine Besonderheiten festgestellt. „Meinem Kind geht es gut“, so auch der Vater.

Wahrheit in der Mitte

„Die Beurteilung ist schwierig“, befand auch der Richter. „Das Jugendamt hat nichts festgestellt, auch die Polizei nicht“. Vielleicht liege die Wahrheit irgendwo in der Mitte, die Anzeige sei ein Schuss vor dem Bug mit der Wirkung, künftig umsichtiger zu sein. Beweise gebe es keine. Das Verfahren wurde eingestellt.

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