Faustschlag nach Kneipenbesuch am Bahnhof: 19-Jähriger verlor Zahn

rn2500 Euro Schmerzensgeld

Die Bombe: So nannte der Geschädigte den Schlag, den er einstecken musste. Er verlor am Berliner Platz einen Zahn. Nun stand der Streitfall vor Gericht. Die Taktik des Angeklagten ging fehl.

14.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Die „Bombe“ von hinten konnte er nicht kommen sehen, sagte der Geschädigte – und meint den Faustschlag, durch den sein Kopf gegen einen Laternenmast geschleudert wurde; der eine Platzwunde verursachte und ihm einen Zahn kostete. Tatort Berliner Platz am Hauptbahnhof, weit nach Mitternacht, etwa vor einem Jahr.

Eine schwere Körperverletzung, die nun, ziemlich genau ein Jahr später, vor Gericht verhandelt wurde. Der 24-jährige Angeklagte zog es vor, zu schweigen. Die beiden geladenen Zeugen waren gesprächiger. „Wir waren mit ein paar Kumpels in der Kneipe“, berichtete der 19-Jährige, das spätere Opfer.

Streit um Sitzplatz oben im Lokal

„Wir haben etwas getrunken, sind dann nach oben gegangen und wollten uns setzen.“ Da sei es zum Streit gekommen, weil er sich auf einen Platz setzen wollte, den ein anderer beanspruchte: der Angeklagte. Nach Austausch wenig freundlicher Bemerkungen seien die Freunde wieder gegangen.

Später, draußen vor dem Lokal, erzählte der 19-jährige Bekannten von dem Zoff. Das hörte auch der Angeklagte. Sofort wurde es wieder laut. Das war der Grund für die Gruppe um den 19-jährigen Schüler, den langen Abend zu beenden. „Wir wollten nach Hause, ich war schon auf der anderen Straßenseite, als ich den Schlag verpasst bekam“, sagte der Geschädigte. „Ich bin vor die Laterne gekracht und ohnmächtig geworden.“

Ein Freund (19) hatte das Geschehen verfolgt und bestätigte vor Gericht den Ablauf. Er rief damals auch Polizei und Krankenwagen. Der Arzt attestierte eine Wunde am Kiefer und einen ausgebrochenen Zahn. Der Schüler forderte Schmerzensgeld. Er wollte Ersatz für seine Armbanduhr, die 150 Euro gekostet habe, und für die neuen Sneakers im Wert von 140 Euro. „Ich musste sie wegwerfen, sie waren durch das viele Blut unbrauchbar geworden.“

Schadensersatz-Frage muss neues Verfahren klären

„Die Tat steht fest, die Zeugen sind glaubhaft“, sagte die Staatsanwältin. Sie forderte eine Bewährungsstrafe von vier Monaten. Das reichte dem Richter nicht. Sein Urteil: ein Jahr mit einer Bewährungszeit von drei Jahren. „Bei Körperverletzungen greife ich hart durch“, erklärte er seine Entscheidung, verwies auf die gravierenden Folgen. Der 24-Jährige soll dem geschädigten Zeugen zudem 2500 Euro Schmerzensgeld zahlen. Der arbeitslose Mann soll das nun in Raten abstottern. Auch für mögliche Folgekosten, die durch den Zahnverlust entstehen könnten, soll er zahlen. Ersatz für Schuhe und Uhr muss der 19-Jährige allerdings durch eine Zivilklage einfordern.

Lesen Sie jetzt