Schließung

Fleischerei Bols aus Castrop-Rauxel schließt trotz großer Erfolge

Die Nachricht kam völlig überraschend: Die Traditionsfleischerei Bols in Obercastrop schließt. Für Willi Bols ist es ein Ende wider Willen. Eigentlich ging es der Fleischerei mehr als gut.

Es lief großartig für die Fleischerei Bols in Castrop-Rauxel. Die selbst entwickelte Bol(sz)platzwurst ist ein Verkaufsschlager, neue Maschinen wurden angeschafft, auf grüne Mobilität gesetzt und mit Erfindungsreichtum hat die Fleischerei auch die Corona-Monate überstanden. Trotzdem ist jetzt Schluss.

„Ich selbst bin den letzten Monaten gesundheitlich derart angeschlagen, dass es für mich leider keine Option ist, den Betrieb weiterzuführen.“, sagt Fleischermeister Willi Bols. Seine Mutter und die Inhaberin der Traditionsfleischerei Finchen Bols ist 82 Jahre alt. Auch sie kann den Betrieb nicht weiterführen.

Das Ende habe nichts mit finanziellen Schwierigkeiten zu tun. Willi Bols: „Im Gegenteil, wir haben hier in den letzten zwei, drei Jahren noch richtig Geld in die Hand genommen.“ 43 Jahre lang hat der heute 58-Jährige im Betrieb gearbeitet. Mit 15 ist er in die Lehre gegangen. Die Zeit sei für ihn „wunderschön“ gewesen, niemals habe er sich vorstellen können, den Betrieb aufzugeben: „Wir haben in die Zukunft geplant.“ Mit elektrischen E-Lastern für den Partyservice, Menüs und Markeneintragung der Bol(sz)platzwurst hat Willi Bols immer wieder versucht die Fleischerei in Obercastrop weiterzuentwickeln.

Langjährige Mitarbeiter müssen gehen

Den Mitarbeitern seine Entscheidung mitzuteilen, sei „der schwerste Gang, den ich in meiner Berufszeit gehen musste“, erklärt Bols. Mit vielen Mitarbeitern verbinde ihn mehr als nur der Job. Es seien Freunde, eine Familie, die über viele Jahre gewachsen sei.

Immer wieder betont Willi Bols im Gespräch mit unserer Redaktion, dass der Erfolg des Traditionsunternehmens vor allem aus dem Einfallsreichtum des Teams resultiere. Eine von ihnen ist Küchenchefin Aggi Oberüber, seit mehr als 20 Jahren ist sie dabei. Willi Bols: „Wir haben etwa sechs Mitarbeiter, die 20, 30 oder mehr Jahre dabei sind.“

Zuletzt hatte die Corona-Pandemie auch die Fleischerei vor Herausforderungen gestellt. Die Aufträge für den Party-Service fielen weg. Aber man ging neue Wege und belieferte vor allem Senioren mit fertigem Essen. Für Willi Bols ist es gerade die Anpassungsfähigkeit, die die Fleischerei und den Partyservice so konkurrenzfähig gemacht haben.

Früher war das Fleisch fetter

Die Fleischerei Bols blickt auf eine lange Geschichte zurück. Gegründet wurde sie 1897. Damals noch mit Ständen auf den Märkten in ganz Castrop-Rauxel. Die Erwartung an Fleisch habe sich im Vergleich zu früher geändert, erzählt Willi Bols: „Da wurden zwei Sorten Leberwurst gemacht, Fleisch und Wurst. Da wurden viele Knochen verkauft, da wurde Fett gegessen für den Bergmann.“ Geflügel habe es damals noch gar nicht in Fleischereien gegeben.

Früh sei Familie Bols das Tierwohl und der bewusste Umgang mit der Schlachtung der Tiere wichtig gewesen. An den Wänden hängen Urkunden und Auszeichnungen für Umweltpreise und Mitgliedschaften im Tierschutz Castrop-Rauxel, schon bei seinem Vater sei das so gewesen.

Wie es mit dem Gebäude an der Bochumer Straße weitergeht, weiß Bols noch nicht. Der Fleischermeister geht nicht davon aus, dass wieder eine Fleischerei in den Laden kommt. Er ist sich aber sicher, dass seine Mitarbeiter durch ihre gute Qualifikation schnell neue Arbeitsplätze finden. Die Fleischerei und der Party-Service schließen erst Silvester ihre Türen, bis dahin wolle man mit vollem Einsatz und gewohnter Qualität für die Kunden da sein, verspricht Willi Bols. Aber schon Monate vor der Schließung steht für Willi Bols fest: „Wir werden die Kunden vermissen.“

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga