Katrin Lasser-Moryson (42) leitet seit 10 Jahren das Frauenhaus in Castrop-Rauxel. © Freddy Schneider
Video-Porträt

Frauenhaus-Leiterin: „Manchmal habe ich einen Kloß im Hals“

Katrin Lasser-Moryson leitet seit zehn Jahren das Castrop-Rauxeler Frauenhaus. Ihre Arbeit macht sie traurig – und glücklich zugleich. Das Porträt einer Frau, die verändern und bewegen möchte.

„Manchmal habe ich einen Kloß im Hals“, sagt Katrin Lasser-Moryson. Besonders, wenn es um sexuelle Gewalt an Frauen und Missbrauch an Kindern geht. Dann wird ihr anders zumute. „Da bekomme ich Wut gegen die Täter.“

Katrin Lasser-Moryson ist 42 Jahre alt, verheiratet und Mutter von zwei Töchtern. In Castrop-Rauxel kennen sie viele, weil sie die stellvertretende Bürgermeisterin ist. Die SPD-Frau hat aber noch einen anderen Job: Sie leitet das Frauenhaus in Castrop-Rauxel.

„Seit 13 Jahren arbeite ich im Frauenhaus und seit zehn Jahren leite ich es“, sagt Katrin Lasser-Moryson. Dass sie Familienleben, politische Arbeit und den Job im Frauenhaus unter einen Hut bringen kann, liegt an der Hilfe ihres Mannes, von Freunden und der Familie. „Das müssen alle mittragen, sonst klappt es nicht“, sagt sie.

Die Inspiration

Die Gleichstellung von Mann und Frau habe sie schon immer bewegt, sagt sie. Ihre Mutter war für sie ein Vorbild, gleichberechtigt leben zu wollen. „Sie hat 49 Jahre lang gearbeitet.“

Noch während ihres Studium der Religions- und Gemeindepädagogik sowie Sozialpädagogik an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum ist Katrin Lasser-Moryson 2001 der SPD beigetreten.

Der Grund: der damalige Ministerpräsident Wolfgang Clement. Er habe die Studentin sauer gemacht, weil er unter anderem Strafgebühren von Langzeitstudierenden forderte. „Ich wollte nicht nur meckern, sondern auch etwas tun“, sagt Katrin Lasser-Moryson heute über ihre Motivation.

Bevor sie im Frauenhaus arbeitete, war die Lokalpolitikerin nach ihrem Studium für fast vier Jahre beim Kirchenkreis in Herne und Castrop-Rauxel tätig. „Dort habe ich Konfirmanden beraten.“

Die Motivation

Was sie motiviert, in einem Frauenhaus zu arbeiten, ist die enge Zusammenarbeit mit den Frauen. „Es ist eine sehr schöne Arbeit, weil sie so intensiv ist“, sagt Katrin Lasser-Moryson.

Sie erlebt, wie Frauen im Frauenhaus nach Zuflucht suchen und es gestärkt verlassen, um sich ein eigenständiges, unabhängiges Leben aufzubauen. Diesen Prozess begleiten zu dürfen, erfüllt die Castrop-Rauxelerin und ihr Team sehr.

Für den Dreh des Portrait-Film haben wir Katrin Lasser-Moryson an der Rennwiese in Castrop-Rauxel getroffen.
Für den Dreh des Portrait-Film haben wir Katrin Lasser-Moryson an der Rennwiese in Castrop-Rauxel getroffen. „Hier haben wir einen schönen Ausblick“, sagt sie. © Freddy Schneider © Freddy Schneider

„Wir sind ganz nah dran und erleben den Alltag mit den Frauen und Kindern hautnah. Da sieht man auch mal eine Frau im Handtuch aus dem Badezimmer kommen“, beschreibt Katrin Lasser-Moryson.

Der Kloß im Hals

Bei all den schönen Momenten erlebt die Leiterin natürlich auch traurige und krasse Szenen, die schwer zu verarbeiten sind. Neben sexueller, psychischer und physischer Gewalt an Frauen und Kindern, berührt es sie ungemein, wenn Frauen um die 18 oder 19 Jahren von ihren Familien so sehr isoliert werden, dass sie ins Frauenhaus flüchten müssen.

Die Arbeit geht unter die Haut. Nach Feierabend sei sie oft die Erste, die zu Hause von ihrem Erlebten erzählt. „Mein Mann ist Lehrer. Wenn keine Pandemie ist, ist sein Arbeitsalltag geregelter als meiner“, sagt Katrin Lasser-Moryson.

Der schönste Moment

Was sie trotz der krassen Momente immer wieder motiviert, sind vor allem die Ehemaligentreffen. „Da kommen bis zu 40 Ehemalige zusammen – natürlich nicht während der Pandemie.“ Das sei das Schönste. Denn die Frauen unterstützen sich gegenseitig.

„Es ist unheimlich motivierend für die Frauen zu sehen, dass Ehemalige beispielsweise den Führerschein oder eine Ausbildung machen. Dann wissen sie: ‚Das kann ich auch schaffen.‘ Das spornt mich ungemein an“, sagt Katrin Lasser-Moryson.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Freddy Schneider, Jahrgang 1993, Dortmunderin. Gelernte Medienkauffrau Digital/Print und Redakteurin. Seit 2012 arbeitet sie bei den Ruhr Nachrichten.
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