Graffiti-Kunst: So bunt zeigt ein Castrop-Rauxeler seine Liebe zur Europastadt

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Graffiti schmücken Garagen, Kleingartenvereine oder öffentliche Wände in der Stadt. Keine Schmierereien, sondern bunte Auftragsarbeiten. So zeigen Lokalpatrioten ihre Liebe zur Europastadt.

Castrop-Rauxel

, 14.08.2019 / Lesedauer: 3 min

Sie sind bunt, knallig und polarisieren: Graffiti. An der einen Stelle verschandeln sie als wilde Schmierereien das Stadtbild, an anderer sind sie gern gesehene teilweise gefeierte Auftragsarbeiten in der Stadt.

Besonders dann, wenn die gesprühten Bilder Motive aus dem Ruhrpott und/oder Castrop-Rauxel aufgreifen. Bekannte Beispiele dafür in der Öffentlichkeit finden sich etwa in der Fußgängerunterführung vom Engelsburgplatz zur Oberen Münsterstraße oder in der Kleingartenanlage Ickern Ost.

Privatmann lässt sich Castroper Graffiti auf Garage sprühen

Etwas versteckter, aber nicht weniger sehenswert ist das Graffiti, das man auf einem Garagengebäude in Habinghorst findet. Gemeinsam haben die genannten Kunstwerke allesamt eins: Sie stammen aus der Feder, Verzeihung, in diesem Fall heißt es wohl eher der Sprühdose, von Lars Pieper.

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Der Maler und Lackierer aus Ickern hat zwar auch beruflich mit Farben zu tun, lebt mit den Graffiti aber seine Leidenschaft aus, wie er im Gespräch mit der Redaktion erzählt. Auf expliziten Wunsch der Besitzer der Wände, versteht sich.

Graffiti-Kunst: So bunt zeigt ein Castrop-Rauxeler seine Liebe zur Europastadt

Lars Pieper (l.) mit drei Sprayer-Kollegen, mit denen er die Grundwasser-Reinigungsanlage an der Klöcknerstraße gestaltet hat. © Volker Engel

Erst Anfang Juli erfüllte Pieper dem Habinghorster Dominic B. (voller Name der Redaktion bekannt) einen lang gehegten Wunsch. Ein komplettes Garagengebäude trägt seitdem nicht nur eine großes Abbild des Castrop-Rauxeler Stadtwappens, sondern auch den Schriftzug „Castroper“ in den Stadtfarben blau und gelb. Passend dazu: Silhouetten der Wahrzeichen Erinturm, Schiffshebewerk und Rathaus.

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So erreicht man Graffiti-Künstler Lars Pieper

Wer sich für ein Graffiti aus der Sprühdose von Lars Pieper interessiert, kann ihn über die Facebook-Seite von WildsideGraffiti erreichen.

Wo genau das Kunstwerk zu finden ist, möchte Dominic B., genau wie seinen Namen, hier nicht veröffentlicht sehen. „Ich möchte hier jetzt nicht ständig unangekündigten Besuch auf dem Hof haben.“

Wohlfühlstadt Castrop-Rauxel

So viel sei allerdings verraten: B. ist, wie seine gesamte Familie, in Castrop-Rauxel geboren und aufgewachsen. Allein schon deshalb sei er stark mit der Stadt verbandelt. Der Vater war lange Opelaner, schulte später zum Werkstoffprüfer um und machte sich selbstständig. Den Betrieb führt heute der Sohn.

Als Dominic B. sich zusammen mit seiner Schwester ein Haus kaufte, sei schnell klar gewesen: Ein Graffiti an der Garagenfront wäre genau das richtige. „Ich habe hin und her überlegt, welches Motiv man wohl wählen könnte, damit alle Familienmitglieder einverstanden sind. Und so bin ich auf eine Hommage an unsere wunderschöne Stadt gekommen.“

Das Wappen sollte im Vordergrund stehen, skylineartig sollte das Gemälde zudem Wahrzeichen der Stadt beinhalten. „Der Schriftzug ‚Castroper‘ steht dafür, dass wir uns in unserer Stadt außerordentlich wohl fühlen und dies auch gern damit kundtun!“

Graffiti-Kunst: So bunt zeigt ein Castrop-Rauxeler seine Liebe zur Europastadt

Im Sommer 2018 gestalteten Lars Pieper und drei andere Künstler dieses Gebäude im Auftrag des EUV. © Volker Engel (A)

„Die Leute lieben das“

Ein ungewöhnlicher Auftrag? „Nein, überhaupt nicht. Die Leute lieben das“, sagt Lars Pieper dazu. Auch in Wohnzimmern habe der Ickerner schon Graffiti mit solch lokalem Bezug gesprüht.

Eine besondere Bedeutung hat für Pieper übrigens das Werk am Eingang des Kleingartenvereins Ickern Ost. „Wir sind der Pott“ steht da in großen Lettern auf einer Garagenwand geschrieben. „Das war das erste Castrop-Motiv von mir“, sagt Pieper. Es stammt aus dem Jahr 2008 oder 2009, ganz sicher ist sich Pieper da nicht mehr.

Hommage an die Stadt im Fußgängertunnel

Im Auftrag der Stadt entstand im Herbst 2016 die Graffiti-Collage in der Fußgängerunterführung vom Engelsburgplatz zur Oberen Münsterstraße. Ebenfalls mit Beteiligung von Lars Pieper. „Das läuft dann meist mit über das Jugendzentrum Trafo.“

Graffiti-Kunst: So bunt zeigt ein Castrop-Rauxeler seine Liebe zur Europastadt

Im Herbst 2018 verschönerten Graffiti-Künstler die Fußgängerunterführung beim Taubenvatter an der Oberen Münsterstraße. Mit dabei war auch Maler und Lackierer Lars Pieper. © Volker Engel

Das Werk war aber schon kurz nach Fertigstellung wieder von wilden Sprayern beschmiert worden. „Das ärgert mich einerseits natürlich schon, andererseits gehört das irgendwie auch mit dazu“, sagt Pieper und nimmt es sportlich. So richtig verhindern lässt sich das ja auch nicht.

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