Ein Wasserhahn hinter dem Wasserzähler: So müsste die Installation für die Angabe von Gartenwasserständen beim EUV eigentlich ausreichen. © Tobias Weckenbrock
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Gartenwasserzähler: EUV nimmt Bürgerprotest ernst und rudert zurück

Es gab Leserbriefe, hagelte Kritik: Viele der 2500 Nutzer eines Gartenwasserzählers brachte der EUV Castrop-Rauxel gegen sich auf, weil er die Regelungen ändern wollte. Nun rudert man zurück.

Juli 2021: Der EUV schickt Briefe an Castrop-Rauxeler Haushalte, in denen Gartenwasserzähler registriert sind. Die Nutzer machen von dem Recht Gebrauch, für ihr im Garten zum Gießen und Sprengen genutztes Leitungswasser keine Abwassergebühren bezahlen zu wollen. Denn ihr Wasser versickert einfach und belastet damit nicht die Kanäle und Kläranlagen im Stadtgebiet.

In den Briefen ist erläutert, dass sich wesentliche Bedingungen ändern: Nur von Fachfirmen hinter dem Wasserhahn verbaute geeichte Wasseruhren hätten künftig Gültigkeit. Dahinter steckte vermeintlich ein Versuch, den Missbrauch zu unterbinden: Das Befüllen von Pools zum Beispiel oder die Wagenwäsche mit „Gartenwasser“ ist nicht statthaft.

Das aber sorgte für großen Wirbel: Gartenbesitzer meldeten sich bei unserer Redaktion und unterstellten dem EUV, dass man die Zahl derer deutlich senken wolle, die Gartenwasserstände geltend machen – und damit also mehr Abwassergebühren einzunehmen.

Wasserzähler kostet im Internet etwa 20 Euro

Ein geeichter Wasserzähler, dessen Eichung oftmals sechs Jahre gültig bleibt, kostet im Internet-Handel etwa 20 Euro. Aber der „fachgerechte“ Einbau hinter dem Wasserhahn von einem Installateur Hunderte von Euros. Wirtschaftlich ist das wohl für niemanden, wenn man dann bei starker Nutzung zum Rasensprengen in einem heißen Sommer vielleicht 25 Euro Gebühr einspart.

Und nun? Jetzt, wo Gartenbesitzer dem EUV ihren aktuellen Zählerstand mitteilen, weil die Bewässerungssaison zu Ende ist und der EUV diesen Jahresverbrauch dann vom Haushalts-Abwasser abziehen kann, reagiert der Stadtbetrieb: Er hat die Regelungen nun doch wieder vereinfacht.

EUV-Chef Michael Werner dazu am Mittwochabend in einer Sitzung des Verwaltungsrats reumütig: „Wir haben dazu gelernt. Der Zähler sollte zwar vor der Wasserentnahmestelle liegen, einen Installationsmeister braucht es dafür aber nicht.“

Werners Argumente gegen Gartenbewässerung mit Leitungswasser

Man habe viele Kontakte zu Bürgern gehabt, habe rund 2500 Wasserzähler registriert, die viel Verwaltungskraft binden würden. Und: „Eigentlich ist Wasser ja ein Lebensmittel, das der Bürger dann für irgendwelche anderen Zwecke einsetzt. Zisternen zu nutzen, das Regenwasser aufzufangen, das wäre ressourcenschonend. Aber wir haben jetzt ein neues Merkblatt entworfen, das steht nun auf der Homepage zum Abruf bereit.“

Darin steht, der Zähler müsse folgende Kriterien erfüllen:

  • Fester Einbau in Fließrichtung vor dem Wasserhahn.
  • Ausschließliche Gartenbewässerung ohne Ableitung in die Kanalisation.
  • Gültige Eichung und ordnungsgemäße Funktion.

Und weiter: „Die Arbeiten sollten(!) von einer Fachfirma der Innung Sanitär-Heizung-Klima bzw. des Fachverbandes Sanitär Heizung Klima NRW durchgeführt werden.“ Das ist also empfohlen, aber keine Pflicht: „Die Einhaltung aller Vorschriften außerhalb der oben genannten Abnahmekriterien obliegt dem Gebührenpflichtigen.“ Nach Ablauf der sechs Jahre gültigen Eichfrist müsse man den Zähler neu eichen lassen oder einen neuen anbringen, die deutlich günstigere Variante.

Der EUV zeigt in einem Infoblatt, wie Gartenwasserzähler künftig nicht mehr verbaut werden dürfen. Und er zeigt, wie es ab 2022 sein soll.
Der EUV zeigt in einem Infoblatt, wie Gartenwasserzähler künftig nicht mehr verbaut werden dürfen. Und er zeigt, wie es ab 2022 sein soll. © Quelle EUV © Quelle EUV

Bilder klären im Merkblatt auf, wie der Einbau auszusehen hat. Man kann demnach einen „mobilen Zapfhahn“ hinter den Wasserzähler bauen. Ob auch ein Zapfhahn, womöglich der eigentliche Wasserhahn, davor liegen darf, ist nicht ausgeschlossen. Somit wird der Einbau bei vielen ohne fachliche Anleitung oder das Aufstemmen von Wänden weiterhin möglich sein.

Was ist erlaubt, was nicht? Die Bilder im Merkblatt sollen das veranschaulichen.
Was ist erlaubt, was nicht? Die Bilder im Merkblatt sollen das veranschaulichen. © Quelle EUV Stadtbetrieb © Quelle EUV Stadtbetrieb

Bürgermeister Rajko Kravanja, der selbst privat mit diesem Thema zu tun gehabt habe, sagt: „Das kann ich nachvollziehen, ich finde die Fallstricke für Anwender nun nicht mehr. Zumindest habe ich den Einbau nach diesen Regeln geschafft.“

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen der Medienwelt seit der Jahrtausendwende.
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Tobias Weckenbrock

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