Gekündigt! Dieser Mann wollte möglichen Chemikalien-Pfusch seines Betriebs aufdecken

rnArbeitsgericht Herne

Whistleblower? Oder Nestbeschmutzer? Erst einmal ist der Castrop-Rauxeler Christian G. eines: arbeitslos. Dabei rief er Kontrolleure zu Hilfe, weil er einen Chemikalien-Pfusch befürchtete.

Castrop-Rauxel / Herne

, 25.05.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Dienstag erschien Christian G. zusammen mit seinem Rechtsanwalt Peter Durchfeld von der Castrop-Rauxeler Kanzlei Weigel vor dem Herner Arbeitsgericht, um gegen seinen Rausschmiss anzukämpfen. Eine Kündigung, die ihm seine Chefin Ende April präsentiert hatte, nachdem Christian G. die Bezirksregierung alarmiert hatte.

Chefin soll ihn abgewimmelt haben

Der Castrop-Rauxeler wirft seinem Betrieb schwere Verstöße gegen Arbeitsschutz- und Umweltauflagen vor. Über viele Monate hinweg habe er dort mit Chemikalien hantieren müssen, die stellenweise ungeklärt in das Grundwasser versickert seien. Von Salpetersäure, Salzsäure, Ammoniumhydroxit und Ameisensäure ist laut seinem Rechtsanwalt die Rede.

Mehrmals will sich G. deshalb an seine Chefin gewandt und Besserung angemahnt haben. „Die Antwort war immer dieselbe: Wenn ich sage, dass das in Ordnung ist, dann ist das auch in Ordnung“, sagt er.

„Erheblicher Loyalitätsverstoß“

Die Unternehmensführung war am Dienstag selbst nicht im Herner Amtsgericht. Über eine Rechtsanwältin ließ sie jedoch sämtliche Vorwürfe dementieren. Die Kündigung begründete die Anwältin mit einem „erheblichen Loyalitätsverstoß des Arbeitnehmers“.

Christian G. hätte niemals gleich den Gang zur Bezirksregierung antreten dürfen, sondern erst seine Arbeitgeberin darüber informieren müssen. Dass der Castrop-Rauxeler genau das getan haben will, bestreitet der Betrieb ebenfalls.

Und so steht erst einmal Aussage gegen Aussage. Und ein Mann, der seinen Job immer gerne gemacht hat, steht ohne Beschäftigung da. „Ich habe was in Aussicht“, sagte Christian G. am Dienstag auf dem Gerichtsflur. „Aber konkret ist da noch lange nichts.“

Richterin schlägt einen Kompromiss vor

Richterin Nadja Große-Wilde versuchte in dem Gütetermin, beide Seiten davon zu überzeugen, dass es besser sei, noch im halbwegs Guten auseinanderzugehen. Es mache ja wohl keinen großen Sinn mehr, dass Christian G. für diesen Betrieb arbeite.

Ihr Vorschlag, die fristlose in eine fristgerechte Kündigung umzuändern und außerdem 2500 Euro Abfindung zu zahlen, lehnten beide Seiten in einem ersten Reflex ab. Bis zum 11. Juni haben sie aber Zeit, sich das noch einmal zu überlegen.

„Ich ziehe das jetzt durch“

Kommt es zu keiner Einigung, muss im Sommer weiterverhandelt werden. Christian G. will dann Zeugen benennen, die wie er mit Chemikalien hantiert haben sollen und angebliche Umweltverstöße bestätigen können. „Ich ziehe das jetzt durch“, sagte der Castrop-Rauxeler. „So kann es jedenfalls nicht weitergehen.“

Die Unternehmensanwältin verweist indes auf die Folgen der Meldung, die G. im April bei der Bezirksregierung gemacht hatte: Erst seien Arbeitsschützer da gewesen und hätten nichts festgestellt. Dann habe die Abteilung für Umweltverstöße den Betrieb unter die Lupe genommen - und ebenfalls nichts gefunden.

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