Bei einem Brand an der Erlöserkirche in Henrichenburg musste die Feuerwehr am Montagnachmittag vor Ort löschen. © Thomas Schroeter
Erlöserkirche

Gemeinde unter Schock: Wie geht es nach dem Brand in der Kirche weiter?

Nach dem Brand in der Erlöserkirche ist der Schock groß. Das Gebäude ist unbenutzbar. Davon sind nicht nur Gottesdienste betroffen. Pfarrer Dominik Kemper spricht aber auch von schönen Momenten.

Der Herd in der Küche des Kirchengebäudes an der Freiheitstraße ist der Ausgangspunkt für ein Feuer, das das Gemeindeleben in Henrichenburg auf absehbare Zeit belasten wird. Pfarrer Dominik Kemper spricht am Tag danach von „Schockstarre“, aber auch von ermutigenden Erlebnissen.

„Die Kirche brennt“: Diese Nachricht auf dem Handy am Montagnachmittag (11.10.) war alarmierend. Pfarrer Kemper fuhr sofort zur Erlöserkirche an der Freiheitstraße. Als er dort eintraf, hatte die Feuerwehr den Brand bereits nach kurzer Zeit gelöscht. Noch am Abend konnte er dann mit der Freiwilligen Feuerwehr das Gebäude begehen. Er fand „einen Ort der Verwüstung“ vor, wie er sagt.

Äußerlich scheinen Gemeindezentrum und Kirchenraum getrennt, innen hängt aber alles zusammen. „Das gesamte Gebäude ist in Mitleidenschaft gezogen“, berichtet er nun im Gespräch mit unserer Redaktion. „Von der Küche ist nichts mehr übrig.“ Der eingeschaltete Herd wurde von der Polizei als Brandursache ausgemacht. Auch das Büro ist betroffen, das Telefon funktioniert nicht mehr.

Sachschaden beträgt rund 250.000 Euro

„Es war so heiß, dass in der Kirche aus den Holzbalken das Harz tropfte“, erzählt er. Im Foyer sei die ganze Decke zerstört. Ein Beamer ist ebenfalls hinüber, seine Halterung in der Hitze geschmolzen. Das Löschwasser habe sein übriges getan.

Erlöserkirche der evangelischen Friedenskirchengemeinde in Henrichenburg.
Erlöserkirche der evangelischen Friedenskirchengemeinde in Henrichenburg. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Was alles vernichtet wurde: Noch hat die Kirchengemeinde Castrop-Rauxel-Nord keinen Überblick. Der Gutachter sieht sich nun den Schaden an. Die Polizei bemaß ihn am Dienstag mit rund 250.000 Euro. „Das ist kein Pappenstiel“, sagt Kemper.

Doch noch wichtiger ist das Gemeindeleben. Der Pfarrer berichtet von vielen Anrufen und Nachrichten, spürt, wie viele Menschen mit der Gemeinde verbunden sind. Einige musste er trösten. Viele erzählen, was sie mit der Kirche verbinden, von Hochzeiten und Taufen. „Das gibt uns Mut für einen Neuanfang“, sagt Dominik Kemper. Neuanfang, sagt er wirklich. Und: „Ich selbst kann die ganze Sache noch nicht fassen.“

„Wir müssen im Team jetzt nach Lösungen suchen“

Mut machen ihm Anrufe. „Viele fragen, wie sie helfen können. Sie wollen schon beim Aufräumen mitmachen.“ Die müsse er erst mal bremsen. „Aber das beflügelt mich in diesem Schockmoment.“

Den Mut will er auch anderen weitergeben. Den vielen Gruppen zum Beispiel, die normalerweise im Kirchengebäude zusammenkommen. Viele Kindergruppen, aber auch die Frauenhilfe. Das Worship-Café ist hier angesiedelt. Es lief ja nach den Lockdowns der Corona-Pandemie gerade erst wieder so richtig an. Am kommenden Sonntag (17.10.) hätte es wieder einen „Tankstopp für die Seele“ gegeben.

Dominik Kemper, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Castrop-Rauxel-Nord, hofft auf einen baldigen Neustart in der Erlöserkirche.
Dominik Kemper, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Castrop-Rauxel-Nord, hofft auf einen baldigen Neustart in der Erlöserkirche. © Tobias Weckenbrock (Archiv) © Tobias Weckenbrock (Archiv)

Wie es genau weiter gehen wird, das steht so kurz nach dem Brand noch nicht fest. Pfarrer Dominik Kemper sagt: „Wir müssen im Team jetzt nach Lösungen suchen.“ Die Gottesdienste finden vorerst in der Habinghorster Petrikirche und in der Ickerner Christuskirche statt.

Wegen der Räume für die Gruppen will er auch mit der benachbarten katholischen Kirchengemeinde sprechen, einen Steinwurf entfernt im Kolbe-Haus und an der Lambertuskirche. Manches könnte sich an den Standort nach Ickern verlagern.

Fotostrecke

Brand an der Erlöserkirche in Henrichenburg

Er hofft aber vor allem, dass die Sanierung schnell gehen wird. Und sagt: „Wir lassen uns nicht unterkriegen.“ Sein Kollege, Pfarrer Sven Teschner, ist gerade im Herbst-Urlaub. Kemper geht nächste Woche eine Woche in die Ferien. „Da versuche ich, den nötigen Abstand zu gewinnen“, sagt er.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen