Es wird nichts mit dem Start einer Gesamtschul-Dependance zum Schuljahr 2020 in Ickern. Die Zeit reicht nicht mehr für notwendige politische Beschlüsse - zumindest in Waltrop.

Castrop-Rauxel

, 21.11.2019, 16:04 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am Ende haben all die vielen Gespräche und Bemühungen in Sachen zweite Gesamtschule und ihren Start im Sommer 2020 nicht zum gewünschten Ziel von SPD, CDU, FWI und Linken geführt: So, wie es nach dem Rede-Marathon in dieser Woche jetzt aussieht, klappt die schulische Zusammenarbeit mit Waltrop nicht.

Zumindest, was den von den Fraktionen vereinbarten Kurs angeht, am Standort der Janusz-Korczak-Gesamtschule schon mit Beginn des nächsten Schuljahres einen dreizügigen Teilstandort der Gesamtschule Waltrop realisieren zu wollen.

Eigentlich sollte in der Sitzung des Schulausschusses am Donnerstag, 21. November, ein Grundsatzbeschluss in diese Richtung gefasst werden. Das ist nach Informationen unserer Redaktion zum jetzigen Zeitpunkt überholt.

Mögliche Gründe für das Scheitern

Wie schon kommuniziert, ist die Waltroper Gesamtschule überhaupt nicht angetan von den Plänen aus Castrop-Rauxel gewesen. Dass aber die Politik in der Nachbarstadt wohl nicht rechtzeitig in das Vorhaben eingebunden worden sein soll, gilt als einer der Hauptgründe für das Scheitern.

Besonders verärgert sollen einige Schulpolitiker in Waltrop darüber gewesen sein, dass Bürgermeister Rajko Kravanja in der Bürgermeister-Sprechstunde mit Guido Baumann, Administrator der Facebook-Gruppe „Du bist Castroper, wenn“, die von Castrop-Rauxel angestrebte Lösung wohl bereits als fix dargestellt hat.

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In einem Gespräch unserer Redaktion mit der Waltroper Schulausschussvorsitzenden Claudia Fischer (CDU) am Dienstag sagte sie: „Wir wollen uns einfach mal zusammen an einen Tisch setzen und sachlich diskutieren, warum wir offenbar aneinander vorbei gelaufen sind.“ Das Gespräch in Waltrop mit den maßgeblich Beteiligten war dann wenig später.

Zufriedenheit mit der Schullandschaft in Waltrop

Erst Ende September habe sie das erste Mal von den Plänen aus Castrop-Rauxel erfahren, sagte Fischer. Auch die kleineren Fraktionen im Schulausschuss seien sehr erzürnt gewesen, als das erste Mal in der Schulausschussitzung in Waltrop am 12. November das Thema aufgekommen sei.

„Bei uns sind wir mit der Entwicklung unserer Schullandschaft sehr zufrieden“, betonte Fischer. Der Beschluss vor einigen Jahren, die Zügigkeit der Waltroper Gesamtschule von sechs auf vier zu reduzieren, habe sich als der richtige Weg erwiesen, um auch die Realschule erhalten zu können. Seinerzeit habe es ein hartes Ringen um die richtige Entscheidung gegeben - mit einem Abstimmungsergebnis von 19:18. „Wir hoffen natürlich, dass es in der neuerlichen Schulfrage eine gute Lösung für alle Beteiligten gibt“, sagte Fischer.

Bezirksregierung empfahl, die Pläne auf den Schuljahresbeginn 2021/22 zu verschieben

Und was soll jetzt werden? Darauf darf man weiter gespannt sein. Wie die Bezirksregierung in Münster am Donnerstagmittag, 21. November, nach einem Gespräch am Montag zwischen Vertretern der beiden Städte sowie den Schulleitungen der Willy-Brandt-Gesamtschule und der Waltroper Gesamtschule mitteilte, bestehe unter den beteiligten Kommunen Einigkeit, eine gemeinsame regionale Schulentwicklungsplanung zu erstellen.

Beim Gespräch sei klar geworden, das „der Verfahrensstand der beiden Schulträger unterschiedlich weit vorangeschritten“ sei. Auch Sprecherin Ulla Lütkehermölle bestätigt, dass es im Sommer 2020 keine Änderungen der Schullandschaft in Castrop-Rauxel geben wird. Kurz und knapp: Weil die Zeit nicht mehr reicht.

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Die Bezirksregierung habe den Entscheidungsträgern empfohlen, Pläne zur Erweiterung des Gesamtschulangebots in Castrop-Rauxel und Waltrop auf den Schuljahresbeginn 2021/22 zu verschieben. Aber noch mal zur Erinnerung: Die Waltroper Schule möchte eigentlich keine Dependance in Ickern.

Es soll eine erneute Befragung der Eltern geben

Möglicherweise kommt es aber so, wie es durchaus auch schon auf der Wunsch-Agenda stand: Nämlich eine eigenständige Gesamtschule an der Waldenburger Straße im Sommer 2021 zu eröffnen.

Um die Akzeptanz auf sichere Füße zu stellen, soll es eine zweite Elternbefragung geben. Mit der Frage, ob dieser eigenständige Standort gewünscht wird. Reagieren die Eltern positiv und entscheidet die Politik dann so, könnten sowohl WBG als auch Fridtjof-Nansen-Realschule auf vier Züge ab Sommer 2021 limitiert werden.

Bei der Anmeldung an der WBG soll auch der Standort in Ickern abgefragt werden

Für den Schuljahresstart 2020 müsste die Begrenzung der WBG (jetzt fünf) aufgehoben werden: Und es müssten standortnahe Räumlichkeiten her, damit der Wunsch der Eltern nach der Beschulung durch eine Gesamtschule entsprechend berücksichtigt werden kann. Beim nächsten Anmeldeverfahren an der WBG - also im Februar 2020 - auch das ist angedacht, soll abgefragt werden, ob eine Beschulung in den Aapwiesen gewünscht wird. Das könnte einen Wechsel zum Schuljahresbeginn 2021 nach Ickern ermöglichen.

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Außerdem denkbar: eine Kooperation zwischen dem Berufskolleg an der Wartburgstraße und der neuen Gesamtschule in der Oberstufe. Und was die Abkürzung MSB im Zusammenhang mit der Elternbefragung bedeutet, weiß die Redaktion jetzt auch: Es ist schlicht die Abkürzung für das Gebauer-Ministerium. Ministerium für Schule und Bildung also. Bei Google war das zumindest vor ein paar Tagen nicht ausgespuckt worden.

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