Gewalt im Krankenhaus wird zunehmend alltäglicher - so schützt sich das EvK

rnArbeitssicherheit in der Notaufnahme

Berichte über Angriffe auf Personal im Krankenhaus gibt es immer wieder. Krankenschwestern werden geschlagen oder bespuckt. Manchmal geht Mobiliar zu Bruch. So geht das EvK damit um.

Castrop-Rauxel

, 23.04.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Übergriffe von Patienten auf Pfleger und Ärzte im Krankenhaus gehören zunehmend zum Alltag in den Notaufnahmen. Für Schlagzeilen sorgte zuletzt ein Vorfall im Lüner St.-Marien-Hospital, bei dem zwei 21-Jährige mehrfach auf eine Krankenschwester einschlugen und eine weitere schubsten.

In Castrop-Rauxel randalierte vor etwa anderthalb Wochen ein alkoholisierter, bulliger Mann (43) im St.-Rochus-Hospital und ging auf die Nachtschwester los. Zu schlimmeren Verletzungen kam es, nach Aussage von Rochus-Geschäftsführer Clemens Galuschka, nicht. Dass angetrunkene Patienten zu aggressivem Verhalten neigen, sei „ein Standardfall“. Nicht zu vergleichen mit den Übergriffen im Lüner St.-Marien-Hospital in der Woche zuvor.

Krankenschwester bespuckt und Glastür zerstört

Das Castrop-Rauxeler Amtsgericht verurteilte im März einen Mann zu einer Haftstrafe von zwei Monaten, weil er 2018 eine Glastür in Rage so fest zuschlug, dass das Glas zersplitterte. Der Ort des Geschehens hier: das Evangelische Krankenhaus Castrop-Rauxel. Angeklagt war der Mann auch, weil er eine Krankenschwester bespuckt haben soll. Weil er sich vor dem Prozess persönlich dafür entschuldigt hatte, zog diese die Anzeige zurück.

Ähnliche Berichte tauchen immer wieder in den Medien auf. Kurzum: Der Umgangston im Krankenhaus wird offensichtlich rauer. Das bestätigt auch Wilfried Diekmann, Verwaltungsdirektor des EvK, in seiner Antwort auf die von der Redaktion gestellten Fragen.

So schützt das EvK seine Mitarbeiter vor Gewalt durch Patienten

Insgesamt könne man feststellen, dass das Aggressionspotenzial in den vergangenen Jahren eher zugenommen habe. „Die Problematik ergibt sich insbesondere in der Zentralen Notaufnahme“, so Diekmann.

„Das Aggressionspotenzial hat in den vergangenen Jahren eher zugenommen.“
Wilfried Diekmann, Geschäftsführer des EvK

Auch in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, die über einen geschützten Bereich verfüge, werde von zunehmendem Aggressionspotenzial berichtet. Diese Situation sei für die Mitarbeiter des Krankenhauses belastend und frustrierend.

Um die Mitarbeiter zu schützen setze man im EvK auf eine ganze Reihe von Sicherheitsmaßnahmen:

  • Gewaltvorfälle, gleich ob verbaler oder körperlicher Art, gegenüber Mitarbeitern würden erfasst, systematisch besprochen, ausgewertet und Maßnahmen daraus abgeleitet. Begleitet werde das Verfahren von einer Fachkraft für Arbeitssicherheit.
  • Betroffene Mitarbeiter könnten Betreuung durch hausinterne Psychologen und durch den betriebsärztlichen Dienst in Anspruch nehmen.
  • Um im Notfall schnell Hilfe rufen zu können, habe das EvK den „Notruf für Mitarbeitende in Notsituationen“ eingerichtet. Mitarbeiter auf den Stationen, in Funktionsdiensten und anderer sensibler Bereiche verfügten über schnurlose Telefone mit einer Notruftaste. So könne in einer Gefahrensituation schnell Hilfe angefordert werden. Auch die Zentrale Notaufnahme selbst verfüge über ein Notrufsystem. Der Druck auf den entsprechenden Knopf leite einen Notruf über die Pforte an die Polizei und in das hausinterne Notrufsystem weiter.
  • Von der Präventionsstelle der Polizei habe es eine Vorort-Beratung und Schulungen gegeben. Daneben würden bei einem internen Fortbildungsprogramm Deeskalations-Schulungen durchgeführt. Ein ausgebildeter Deeskalationstrainer sorge für entsprechende Schulung der Mitarbeiter.
  • Außerdem führe man im EvK regelmäßig Gefährdungsbeurteilungen durch, aktuell zur Thematik „Gewaltvorfälle“. Beispielsweise gebe es in gefährdeten Bereichen, wie in der Zentralen Notaufnahme, eine Kameraüberwachung und ein Zugangsregelungssystem.
  • In der Zentralen Notaufnahme gelte das Prinzip der vier Augen. Das heißt: Es würden keine Einzeldienste geleistet, sodass auch nachts immer zwei Mitarbeiter vor Ort seien.
  • Das alles seien kontinuierliche Prozesse, um den Schutz für die Mitarbeiter immer weiter zu verbessern.

Auch dem Rochus-Hospital stellten wir diese Fragen. Aufgrund der aktuellen Urlaubssituation über die Osterfeiertage sollen wir die Antworten in den kommenden Tagen erhalten.

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